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Jermaine Jones (l.) und Fabian Ernst (r.) wollen Stefan Kießling (2.v.l.) und Patrick Helmes stoppen © getty

Die "Königsblauen" wollen Spitzenreiter Leverkusen vom Thron stoßen - es ist ein Duell sehr gegensätzlicher Spielauffassungen.

Von Martin Hoffmann

München - Der Hersteller einer wohlbekannten Nussnougatcreme hat die Brisanz des Spitzenspiel zwischen Bayer Leverkusen und Schalke 04 noch ein bisschen erhöht.

Hintergrund: Kevin Kuranyi soll als Nicht-Mehr-Nationalspieler auch aus dem Werbefilm verschwinden.

Als Nachfolger bemüht sich der Hersteller ausgerechnet um Leverkusens Goalgetter Patrick Helmes.

Aber natürlich geht es am Samstag (15 Uhr LIVE) um mehr als nur um Brotaufstrich: Die Leverkusener kämpfen darum, die Tabellenführung gegen die Hoffenheimer und die wiedererstarkten Bayern zu verteidigen.

Und für Schalke geht es nach der 1:2-Pleite gegen ebenjene Bayern darum, den Anschluss an die Spitze nicht ganz zu verlieren.

"Nie diesen Hurra-Fußball"

Es passt dennoch ins Bild, dass die Werbeindustrie vor diesem Spiel nach Leverkusen und nicht mehr nach Schalke blickt - im Moment sind die Spieler der Werkself klar die besseren Werbeträger.

Während sie das Publikum mit Offensivfußball begeistern, müssen die Schalker sich auch von den eigenen Anhängern Kritik an ihrer Spielweise gefallen lassen.

"Ich bekomme Mails von Fans, die sich beschweren: Warum spielt ihr nicht so toll wie Hoffenheim oder Bremen?", erzählte Schalkes Manager Andreas Müller der "Sport Bild".

Seine trotzige Antwort: "Offensive macht zwar Spaß, aber Defensive gewinnt Titel. Und wir wollen Titel gewinnen. Deshalb werden wir nie diesen Hurra-Fußball spielen."

Ineffizienz nach vorne

Doch obwohl Schalke mit nur 10 Gegentoren in 12 Spielen die beste Abwehr der Liga hat, sind die "Königsblauen" weitab vom Titelkurs.

Denn so stabil ihre Defensive ist, so ineffizient sind die Schalker oft in der Vorwärtsbewegung.

Nirgendwo hat sich das klarer offenbart als gegen die Bayern, als die feldüberlegenen Schalker so ziemlich alle statistischen Vergleiche vom Ballbesitz bis zum Flankenverhältnis haushoch gewannen - und trotzdem am Ende 1:2 verloren.

Rutten mahnt zur Konzentration

Coach Fred Rutten (Trainerporträt) ärgert sich aber weniger über den Mangel an Durchschlagskraft, sondern mehr über die Abwehraussetzer, die zu den Gegentoren führten.

Darum mahnt er vor dem Leverkusen-Spiel: "Gegen große Mannschaften werden Fehler in der Abwehr immer sofort bestraft. Deshalb müssen in so einem Spiel alle 200 Prozent konzentriert sein."

Wie es aussieht wird Rutten gegen Bayer auch wieder auf eine defensivere Ausrichtung setzen. Für Ivan Rakitic dürfte nach Ablauf seiner Rotsperre Orlando Engelaar wieder in die Anfangself rücken - als dritte Defensivkraft im Mittelfeld neben Fabian Ernst und Jermaine Jones.

Labbadias leiser Spott

Nationalverteidiger Heiko Westermann ist sicher, dass sein Team gegen Leverkusen punkten wird: "Wenn wir so spielen wie gegen Bayern, werden wir in Leverkusen nicht verlieren."

Bayer-Trainer Bruno Labbadia (Trainerporträt) merkte vor dem Duell mit Schalke an, dass der Spitzenplatz seines Teams vielerorts unbemerkt blieb: "Groß aufgefallen ist es in Deutschland ja nicht, oder?"

Bayerns "heißer Atem" lässt Bayer kalt

Aber wie Schalke hat auch Leverkusen am vergangenen Spieltag einen Rückschlag eingesteckt, als in Karlsruhe nach einer scheinbar sicheren 3:0-Führung doch nur ein 3:3 heraussprang.

Die Folgen waren abzusehen: Ziemlich oft wurden die Leverkusener seitdem an ihr Image als nervenschwaches "Vizekusen" erinnert.

Und auch Bayern-Manager Uli Hoeneß startete mal wieder seine bewährten Kopfspielchen, indem er vom "heißen Atem des FC Bayern" fabulierte, den die Werkself im Nacken fühlen würde.

Doch dieser heiße Atem scheint die Leverkusener völlig kalt zu lassen.

"Ich verliere nicht den Glauben"

Betont lässig reagiert Labbadia auf den Ausrutscher in Karlsruhe: "Ich verliere nicht den Glauben, nur weil die Mannschaft mal eine Halbzeit nicht gut gespielt hat. Ich vertraue ihr."

Seine Spieler gehen noch weiter und versuchen, den verschenkten Sieg als willkommenen Weckruf zu deuten.

"Vielleicht kam dieser Rückschlag vor dem schwierigen Spiel gegen Schalke gerade zur rechten Zeit", meint Keeper Rene Adler.

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