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Franck Ribery hat in dieser Saison bislang zwölf Bundesliga-Spiele absolviert © getty

Der Bayern-Coach schimpft bei LIGA total! über die besonderen Bedingungen in Wolfsburg. VfL-Manager Hoeneß wehrt sich.

Aus der Volkswagen-Arena berichtet Mathias Frohnapfel

Wolfsburg - Mit ernstem Blick taxierte Louis van Gaal die Reporter in der Volkswagen-Arena 337098(DIASHOW: Der 18. Spieltag).

Das 1:1 gegen Wolfsburg schmeckte dem Bayern-Trainer ganz und gar nicht. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Sein Team hatte nicht nur leichtfertig kurz vor Schluss den Dreier aus der Hand gegeben, sondern musste auch den frühen Ausfall von Franck Ribery verkraften.

Der Münchner Star verletzte sich in einem Zweikampf mit Josue und musste schon nach 25 Minuten humpelnd mit Verdacht auf eine Bänderverletzung im linken Knie vom Feld.

Bangen um Ribery

Am Sonntag wartet auf den Franzosen die Kernspintomographie für eine genaue Diagnose. "Ich denke, es ist eine schwere Verletzung", sagte van Gaal bei LIGA total!.

Und schoss zugleich gegen die Niedersachsen: "Sie haben an der Grenze gespielt - wir haben viele verletzte Spieler!" Schiedsrichter Manuel Gräfe schloss der erboste van Gaal gleich in seine Schelte mit ein, da der "viel erlaubt" habe.

Obendrein ließ van Gaal die Gastgeber wenig charmant wissen: "Ich glaube auch, dass dieser Rasen ein Skandal war!"

Bayern lassen Punkte liegen

Am Geläuf lag es allerdings nicht, dass die Bayern trotz der Führung durch Thomas Müller den Dreier nicht auf ihrem Konto bunkern konnten. Philipp Lahm feuerte einen Foulelfmeter an den Pfosten und auch Mario Gomez vergab eine hundertprozentige Torchance aus kurzer Distanz.

Stattdessen jubelten am Ende die Wolfsburger über den im Schlussspurt erbeuteten Punkt.

Dabei kam ihnen allerdings auch der lasche Einsatz von Bastian Schweinsteiger zu gute, der sich von Flankengeber Marcel Schäfer übertölpeln ließ. In der Mitte verwertete dann Sascha Riether.

"Wölfe" weisen Kritik zurück

Insofern wollten die "Wölfe" auch van Gaals Kritiksalven nicht unwidersprochen lassen. Als "Unsinn" tat VfL-Manager Dieter Hoeneß die Beschwerde des Bayern-Coaches ab und erklärte:

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"Es war ein ganz normal geführtes Spiel auf einem schlechten Platz."

Auch das Foul von Josue an Ribery wollte Hoeneß nicht so hoch hängen. "Klar, Josue hat ihn unglücklich getroffen, aber ich habe auch ein paar rüde Fouls der Bayern gesehen, die eben auf so einem Geläuf einfach zustande kommen."

Gelungene Premiere für Kraft

Geschichten hatte das turbulente Spiel aus ohne van Gaals Beschwerden schon genug zu bieten.

Da war einmal Thomas Kraft, der zum ersten Mal überhaupt für die Bayern im Bundesliga-Alltag das Tor bewachte. Van Gaal war von seiner Leistung angetan, warnte aber:

"Wir müssen abwarten. Aber er hat dieses Spiel gut gespielt. Das zweite und das dritte und das vierte Spiel muss er auch so spielen."

Der Debütant reagierte nach Spielende mit gemischten Gefühlen auf seine Premiere. "Ich bin traurig, dass wir das Spiel nicht gewonnen haben. Ich hab ein gutes Spiel gemacht, aber es überwiegt der Ärger", schilderte Kraft seine Gemütslage.

"Glücklichster Spieler der Liga"

Ein anderer Bayern-Spieler lächelte indes trotz des verschenkten Sieges. Arjen Robben, der für Franck Ribery eingewechselt wurde, war einfach nur froh, dass bei seinem Comeback körperlich alles gut gegangen war.

"Ich bin vielleicht der glücklichste Spieler in der Bundesliga, auch wenn wir nicht gewonnen haben", berichtete der 26-Jährige:

"Der Muskel hat super gehalten. Ich fühle mich gut, brauche aber noch einige Spiele."

Robben will Verantwortung übernehmen

Immerhin dürfte mit Robbens Rückkehr ins Team ein Dauerthema mit der Frage beendet sein: Wer muss, wer soll, wer darf die Elfmeter schießen?

"Ich gehe davon, dass ich wieder die Elfmeter schießen werde", sagte Robben auf SPORT1-Nachfrage.

Bereits in der zweiten Halbzeit wäre der Niederländer an der Reihe gewesen, wenn es einen weiteren Strafstoß gegeben hätte.

Titel ade?

Für Flügelflitzer Robben ist die Ausgangslage in der Meisterschaft jetzt genauso glasklar, wie es der Tabellenstand von 16 (!) Punkten Rückstand auf Borussia Dortmund vermittelt.

"Platz zwei muss unser Ziel sein. Man muss respektieren, dass Dortmund weit weg ist. Und man muss Dortmund zu ihrer Leistung gratulieren", meinte Robben.

Van Gaal blickt auf Platz zwei

So weit war Louis van Gaal noch nicht. Der Trainer äußerte sich ziemlich zurückhaltend zu den verbliebenen Titelhoffnungen.

Er habe diesen Traum "nie gehabt", überraschte er seine Zuhörer und betonte, dass Bayern sich jetzt auf den zweiten Platz konzentrieren müsse.

VfL mit "verdientem Punkt" zufrieden

Dieses Luxus-Problem hätten die Wolfsburger als Tabellen-14 gerne.

Kapitän Marcel Schäfer war hochzufrieden mit dem Remis, das vor allem durch die "kämpferische Leistung" zustanden gekommen sei. "Wir haben nie die Köpfe hängen lassen. Das war ein verdienter Punkt."

Schäfer dürfte dabei auch nicht stören, dass Louis van Gaal das anders sehen wird.

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