vergrößernverkleinern
Hängende Köpfe: Der 1. FC Köln liegt nach 18 Spieltagen nur auf Platz 16 © getty

Trotz Überzahl verspielt Köln in Kaiserslautern den Sieg. Die erhoffte Aufholjagd kommt so gar nicht erst ins Rollen.

Von Stefan Missy

Kaiserslautern/München - Der 1. FC Köln hatte sich so viel vorgenommen für den Rückrundenstart 337098(DIASHOW: Der 18. Spieltag).

Kampfgeist, Geschlossenheit, Disziplin waren die Tugenden, die Trainer Frank Schaefer seinem Team vor der Reise in die Pfalz auf die Fahnen geschrieben hatte.

Aufgegangen ist dieses Konzept jedoch nur mit Abstrichen. Denn nach dem mageren 1:1 (1:0) beim 1. FC Kaiserslautern bleiben die Rheinländer bis auf weiteres im Tabellenkeller.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Virus macht FC zu schaffen

Schuld an der verpassten Initialzündung war vielleicht auch die Schweinegrippe, die den Kader in der vergangenen Woche stark ausdünnte.

Mit Mato Jajalo, Youssef Mohamad, Kevin McKenna, Konstantinos Giannoulis und Miso Brecko mussten bei den Gästen gleich fünf Profis mit dem gefürchteten H1N1-Virus passen.

Dafür boten die "Geißböcke" auf dem Betzenberg drei von vier Winter-Neuzugängen in der Startelf auf.

Rensing fühlt sich "pudelwohl"

Im Tor feierte Ex-Bayern-Keeper Michael Rensing ebenso sein Debüt im FC-Trikot wie Linksverteidiger Christian Eichner und Flügelflitzer Slawomir Peszko.

Der Schlussmann, der zuletzt mehrere Monate vereinslos war, strahlte nach seiner Rückkehr auf die große Bühne Bundesliga über das ganze Gesicht.

"Für mich persönlich war es geil, wieder auf dem Platz zu stehen. Vor dem Spiel hat es richtig gekribbelt. Ich fühle mich bisher in Köln pudelwohl und es macht seit langer Zeit mal wieder Spaß", sagte der 26-Jährige bei LIGA total!.

Kölner Startschwierigkeiten

Allerdings hätte Rensing "die drei Punkte gerne mitgenommen und ich denke, das war heute möglich".

Womit die neue Nummer eins nicht ganz Unrecht hatte.

Schließlich war der FC nach verschlafener Anfangsphase, in der die "Roten Teufel" vom Anpfiff weg die Richtung vorgaben, sogar überraschend in Führung gegangen.

Rodnei von der Rolle

Nach 29 Minuten nagelte der neue Kapitän Lukas Podolski erst einen direkten Freistoß an die Latte.

Sekunden später war der Nationalspieler zur Stelle und staubte nach Rodneis verunglücktem Rückpass, der vom Pfosten zurücksprang, zu seinem fünften Saisontor ab.

"Das werden wir öfters in Jahresrückblicken sehen", kommentierte FCK-Coach Marco Kurz den kapitalen Fehler seines Abwehrmanns.

Lauterns Lakic sieht Rot

Der Spielverlauf war somit zunächst auf den Kopf gestellt - und zwar zugunsten der Kölner.

Kurz vor der Pause sah dann Lauterns Top-Torjäger Srdjan Lakic nach einem angedeuteten Griff ins Gesicht seines Gegenspielers Eichner von Schiedsrichter Guido Winkmann die Rote Karte (39).

Eine umstrittene Entscheidung, wenn auch nicht für Eichner: "Der Herr Lakic hat gemeint, dass es Elfmeter geben soll. Ich finde, dass es nicht okay war. Das habe ich ihm gesagt", meinte der 28-Jährige.

"Rote Teufel" drehen auf

"Das ist kein Hallenhalma, was wir hier spielen - es ist Fußball-Bundesliga. Da geht es um mehr als nur um drei Punkte in dem Moment."

Das bewiesen besonders die "Betze-Buben", die mit Wut im Bauch aus der Kabine kamen: Jan Moravek sorgte für den schnellen Ausgleich (51.).

Danach blieb es ein Spiel auf Messers Schneide, mit Vorteilen auf Seiten der dezimierten Hausherren, die ungeachtet der 50-minütigen Unterzahl bis zum Schluss auf den Siegtreffer drängten.

Aufsteiger zeigt Moral

"Der Rückstand hat uns aus der Bahn geworfen. Dann kam die Rote Karte, danach hat die Mannschaft Moral gezeigt und den Punkt verdient", erklärte Kurz, der trotz tagelanger Grippebeschwerden auf der Bank saß.

Der Aufsteiger kann mit dem Remis nach einem echten Kraftakt durchaus zufrieden sein, zumal man die Kölner damit in der Tabelle erst einmal auf Distanz hielt.

Die "Geißböcke" zeigten sich da nach dem verspielten Sieg schon deutlich zerknirschter.

Lange Gesichter bei den "Geißböcken"

"Wenn man mit einem Mann mehr spielt, muss man mehr Druck machen. Am Ende müssen wir hier drei Punkte mitnehmen", monierte Podolski.

Auch Schaefer gab sich erkennbar ernüchtert. "Von unserer Ausgangsposition heraus bin ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Wir haben gut organisiert begonnen, doch die Rote Karte für Lautern hat uns nicht gut getan."

Der 47-Jährige hatte dennoch ein Sonderlob für seinen neuen Schlussmann übrig: "In der turbulenten Schlussphase hat uns Michael Rensing den Punkt gerettet."

Und so braucht man am Geißbockheim in den nächsten Wochen - neben den eingangs bereits genannten Tugenden - wohl mindestens eine weitere: Geduld.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel