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Hannover 96 feiert den Sprung auf einen Champions-League-Platz © getty

96 eilt von Erfolg zu Erfolg. Nach dem Sieg in Frankfurt verkommen selbst die Gerüchte um Trainer Mirko Slomka zur Nebensache.

Von Martin Hoffmann

Frankfurt/München - Ein peinliches Pokal-Aus. Krawalle wütender Fans. Ständige Berichte über Knatsch in der Führung und vermeintlich sichere Abstiegsaussichten.

Kein halbes Jahr ist das alles her. Was jetzt stattdessen bei Hannover 96 passiert, ist eine noch verblüffendere Erfolgsgeschichte als die von Borussia Dortmund.

Am frühen Sonntagabend fand sie ihren Höhepunkt, als die Mannschaft von Mirko Slomka mit einem 3:0-Erfolg bei Eintracht Frankfurt auf Platz zwei vorstieß. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Ein "schönes Gefühl" sei das, daraus machte der Trainer nach dem sechsten Sieg im siebten Spiel keinen Hehl.

Debütant Zieler überzeugt

Abwartend, abgeklärt und effektiv: Die Erfolgszutaten der besten Hinrunde der Klubgeschichte wirkten auch bei den Hessen - und neue kamen hinzu.

Dass Slomka in der Wintervorbereitung einen Schwerpunkt auf das Standard-Training setzte, zahlte sich beim zweiten Treffer durch Christian Schulz nach einer Ecke aus 337098(DIASHOW: Der 18. Spieltag).

Und auch der überraschende Torwartwechsel von Florian Fromlowitz auf den Debütanten Ron-Robert Zieler warf gleich Rendite ab.

"Er hat ganz wichtige Bälle gehalten und sehr, sehr gute Szenen gehabt", freute sich Slomka, der den 21-Jährigen direkt nach Abpfiff umarmte: "Er hat ein richtig gutes Spiel gemacht."

Slomka-Gerücht weiter akut

Hannover hätte allen Grund, sich an seiner Erfolgsgeschichte zu berauschen - wäre nicht genau diese Erfolgsgeschichte Grund für neue Unruhe im Klub.

Das Gerücht, dass Erfolgscoach Slomka um seine sofortige Freigabe aus seinem auslaufenden Vertrag gebeten hätte ? es beschäftigt den Klub weiter.

Zumal Vereinschef Martin Kind es mit der Aussage von "gewissen Signalen" in diese Richtung genährt statt aus der Welt geschafft hat.

Schmadtke verärgert, Slomka lächelt es weg

Der Ärger darüber war Manager Jörg Schmadtke anzumerken: "Es kann ja darüber reden, wer will, aber ich halte die internen Gespräche auch intern", erklärte der 46-Jährige.

Slomka versuchte derweil, das Thema freundlich lächelnd wegzureden und zu versichern, dass er mit dem Klub "sehr gut" zusammenarbeite.

Eine konkrete Zusage, dass die Zusammenarbeit auch weitergeht, gab er freilich nicht.

"Ob er bleibt, wird man sehen"

Schmadtke wollte in der Hinsicht auch nicht zu viel Optimismus verbreiten.

Er floskelte zwar von "konstruktiven Gesprächen" und "nicht weit auseinander" liegenden Vorstellungen.

Garantieren mochte er dabei aber eben nichts: "Ob er bleibt, wird man sehen."

Frustrierte Frankfurter

In Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung steht auch Eintracht-Coach Michael Skibbe ? und die dürfte auch nicht durch die Niederlage gefährdet sein.

Besorgnis löste sie bei den Frankfurter Spielern dennoch aus: "Jedesmal, wenn wir oben angreifen können, verlieren wir die Nerven", meinte Patrick Ochs frustriert.

"Wir müssen aufpassen, dass wir in die Rückrunde nicht so starten wie in die Vorrunde", ergänzte Pirmin Schwegler.

Not-Abwehr keine Ausrede

Die Not-Abwehr mit dem 18-jährigen Kevin Kraus und dem Mittelfeldspieler Ricardo Clark als Innenverteidigern wollte der Schweizer auch nicht als Ausrede gelten lassen:

"Wir haben die hinten im Stich gelassen", meinte Schwegler: "Es hat von A bis Z nicht gestimmt bei uns. Wir sind noch nicht in die Rückrunde gestartet."

Haggui in Sorge

Probleme, die verblassen im Vergleich zu dem, was einer von Hannovers Matchwinnern gerade durchmachen muss.

Karim Hagguis Gedanken kreisen um die Staatskrise in seinem Heimatland.

"Bis kurz vor dem Spiel waren meine Gedanken in Tunesien", erklärte der Hannoveraner: "Für meine Familie und meine Freunde ist es eine schwere Phase. Ein Bekannter von mir ist ums Leben gekommen."

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