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Jörg Schmadtke (l.) holte Mirko Slomka im Januar 2010 nach Hannover © getty

In Frankfurt tätigt 96-Trainer Slomka einen Glücksgriff und hat nun alle Trümpfe in der Hand. Der Sportdirektro ist verschnupft.

Frankfurt/Main - Traumstart in die Rückrunde und ein glückliches Händchen bei der Torhüter-Entscheidung.

Trainer Mirko Slomka hält im Vertragspoker mit dem neuen Bundesliga-Zweiten Hannover 96 nun alle Trümpfe in der Hand.

Die nächste Verhandlungsrunde steht am Dienstag an - dann könnte in Sachen Vertragsverlängerung Vollzug gemeldet werden.. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Nach dem 3:0(2:0)-Erfolg bei Eintracht Frankfurt gingen alle Verantwortlichen jedenfalls auf Kuschelkurs.

Slomka macht Druck

"Wir arbeiten sehr gut zusammen. Bei uns passt es zurzeit sehr", sagte Slomka.

Das hatte sich vor dem Spiel noch anders angehört. Da hatte der 43-Jährige Hannover bei den Verhandlungen über eine Verlängerung seines nach der Saison auslaufenden Vertrages unter Druck gesetzt und sogar mit einem sofortigen Absprung gedroht.

Kind optimistisch

Doch davon war nach dem Sieg in Frankfurt durch die Tore von Mohamed Abdellaoue (15.), Christian Schulz (21.) und Didier Ya Konan (89.) keine Rede mehr.

"Slomka ist einer der Erfolgstrainer der Saison. Er kann diese Spielzeit erfolgreich abschließen und dann sogar international spielen. Es bietet sich eine unglaubliche Perspektive für ihn. Deshalb bin ich optimistisch, dass wir zügig abschließen können", sagte 96-Präsident Martin Kind. 337098(DIASHOW: Der 18. Spieltag)

Keine Geldfrage?

Doch so ganz sicher ist sich Kind nicht. "Das Geld ist nicht das Entscheidende. Ich kann es nicht sagen, das ist das Verrückte", sagte Kind.

Slomkas Hinhaltetaktik verunsichert Hannover. Unter Druck setzen will Kind den Trainer, der Hannover innerhalb eines Jahres vom Abstiegskandidaten zum Champions-League-Anwärter geformt hat, nicht. "Wenn es etwas länger dauert, ist es eben so", sagte Kind.

Und Sportdirektor Jörg Schmadtke fügte hinzu: "Es gibt kein Zeitfenster."

[kaltura id="0_ayu71js9" class="full_size" title="Der Slomka Poker geht weiter"]

Lob für Zieler

Sportlich zeigt sich Slomka hingegen ziemlich entscheidungsfreudig. Überraschend gab er im Tor dem 21 Jahre alten Ron-Robert Zieler den Vorzug gegenüber Florian Fromlowitz.

"Er hat Ruhe und Gelassenheit ausgestrahlt und seine Sache sehr gut gemacht", lobte Slomka den U-19-Europameister, der fünf Jahre lang bei Manchester United Tipps von Edwin van der Sar bekommen hat.

Nächster Einsatz gegen Schalke

"Es war für mich eine schöne Überraschung. Ich bin mit meiner Leistung ganz zufrieden", sagte Zieler.

Auf dem Platz hatte er in der Schlussphase gegen Ioannis Amanatidis und Caio sein Können unter Beweis gestellt.

Slomka kündigte vor dem Duell mit seinem Ex-Klub Schalke 04 am Samstag an, Zieler werde erneut zwischen den Pfosten stehen.

Schmadtke übergangen

Die Torhüter-Entscheidung offenbarte aber wieder einmal das wenig freundschaftliche Verhältnis zwischen Slomka und Schmadtke.

"Ich habe von der Entscheidung am Abend vor dem Spiel erfahren - von Zielers Berater", grummelte Schmadtke.

Kein Notkauf bei Frankfurt

Bei der Eintracht herrschte gedrückte Stimmung. "Die Mannschaft hat es verpasst, einen möglichen Schritt nach vorn zu machen", sagte Vorstandschef Heribert Bruchhagen.

Einen "Notkauf" wegen der Personalmisere in der Abwehr schloss er aus: "Das wäre Aktionismus."

Doch auch im nächsten Spiel beim Hamburger SV am Freitag müssen die Hessen ohne die verletzten Verteidiger Maik Franz, Marco Russ, Kapitän Chris und Alexander Vasoski auskommen.

Zudem ist Pirmin Schwegler nach seiner fünften Gelben Karte gesperrt. "Wir werden aber wiederauferstehen", sagte der Schweizer Nationalspieler kämpferisch.

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