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Begehrt: Sammer ist seit 2006 beim DFB. Generalsekretär Niersbach (r.) will ihn halten © getty

Der HSV will den Ex-Profi, doch der DFB will seinen Sportdirektor halten. Doch der spielt offenbar auf Zeit. Was will Sammer?

Von Maik Rosner

München - Demonstrativ gelassen reagierte der Deutsche Fußball-Bund auf das massive Werben des Hamburger SV.

Der neu formierte Aufsichtsrat des Bundesligisten hatte sich sehr offensiv für Matthias Sammer als neuen Sportchef ausgesprochen.

Doch der DFB-Sportdirektor hält sich bedeckt. Am Mittwoch war der ganzen Tag nicht erreichbar.

Möglicherweise sei er gar nicht interessiert an dem Job beim HSV, heißt es sogar.

Beim DFB ist man vielleicht auch deshalb verhalten optimistisch, dass Sammer bleibt.

Obwohl ihm beim HSV angeblich 2,5 Millionen Euro Jahresgage winken.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

"Situation unverändert"

"Wir haben das Votum des Aufsichtsrates zur Kenntnis genommen. Für den DFB ist die Situation aber unverändert", sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach am Mittwoch.

"Auch nach einem Telefonat zwischen Matthias Sammer und mir gibt es für uns kein Signal, dass der bis 2013 laufende Vertrag aufgelöst werden soll." (HINTERGRUND: Die wichtigsten Fragen zum Sammer-Deal).

Der ehemalige Nationalspieler Sammer ist seit dem 1. April 2006 als DFB-Sportdirektor tätig. Und das soll laut Niersbach auch so bleiben.

DFB kämpft um Sammer

"Der erklärte Wunsch des DFB ist es, dass er uns als Sportdirektor mit seinem Engagement und seiner Kompetenz erhalten bleibt", sagte er.

Am Dienstagabend waren jedoch forsche Töne aus Hamburg zu vernehmen gewesen.

Nach der konstituierenden Sitzung des neu zusammengesetzten Aufsichtsrats hatte der neue Chef-Kontrolleur Ernst-Otto Rieckhoff gesagt:

"Wir hoffen, dass wir die Sache innerhalb von wenigen Tagen dingfest machen können."

[kaltura id="0_dqnduy9z" class="full_size" title="Sammer Der Weg ist frei"]

"Voll überzeugt"

Sein Stellvertreter Alexander Otto ergänzte, im Aufsichtsrat sei man "voll überzeugt" von Sammer und kündigte eine konkrete Offerte an:

"Der HSV will ihm ein Angebot machen, dann muss er sehen, ob er beim DFB rauskommt."

Und weiter: "Sollte es eine Möglichkeit geben, in gegenseitigem Respekt und Einverständnis eine vorzeitige Freigabe von Matthias Sammer beim DFB zu erwirken, hat der HSV-Aufsichtsrat einstimmig beschlossen, Herrn Sammer ein Angebot als Sportchef zu unterbreiten."

"Konstruktive Gespräche"

Offenbar ist man sich beim HSV der Sache recht sicher. Sogar über die künftige Rolle des Sportchefs Bastian Reinhardt wurde schon gesprochen.

"Er hat sich außerordentlich loyal verhalten. Es gab sehr konstruktive Gespräche zwischen ihm und Herrn Sammer, es besteht großes Interesse, dass Herr Reinhardt weiterhin eine wichtige Rolle im sportlichen Bereich spielen wird", sagte Otto, der gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann die Verhandlungen mit Sammer führte.

Sitz im Vorstand

Sammer steht noch bis 2013 beim DFB unter Vertrag.

Doch im Gegensatz zum Verband, wo ihm das anhaltende Kompetenzgerangel mit Bundestrainer Joachim Löw zusetzt, könnte er beim HSV wohl mehr gestalten.

Der 43-Jährige ist dort im gleichen Aufgabenbereich vorgesehen, aber mit mehr Befugnissen. Zudem bekäme er wohl einen Sitz im Vorstand.

DFB-Präsident Theo Zwanziger nimmt das Werben der Hamburger nach eigener Aussage jedenfalls "ernst".

Noch kein Gespräch mit Zwanziger

Er sei "gespannt, wie Matthias Sammer darauf reagieren wird", sagte Zwanziger. Noch habe der aber kein Gespräch mit ihm gesucht.

Das könnte nun aber rasch bevorstehen.

Vielleicht will Sammer erstmal die konkreten Verhandlungen mit den Hamburgern abwarten und erst nach einer Einigung den DFB um die Freigabe bitten.

Es sei denn, Sammer sei nie ernsthaft interessiert gewesen am Job beim HSV, wie die "Sport Bild" erfahren haben will.

Die Entscheidung naht

Nachdem Sammer Niersbach am Samstag angerufen hatte, sagte der Generalsekretär zu einem möglichen Weggang des Sportdirektors: "Das Thema stellt sich für den DFB nicht."

Doch das liegt ein paar Tage zurück. Und zwischendurch gab es ja den nach eigenen Angaben einstimmigen Beschluss des HSV-Aufsichtsrats, Sammer ein Angebot zu unterbreiten.

Die Entscheidung naht. Nun dürften konkrete Verhandlungen anlaufen.

Und am Freitag tritt die DFB-Spitze zusammen.

"Bis zur Präsidiumssitzung wird sich Sammer sicher bei uns melden, bis jetzt hat er es nicht getan", sagte Zwanziger.

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