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Vor der Vertrags-Verlängerung: Hannovers Trainer Mirko Slomka © getty

Der Poker mit dem Trainer steht vor dem Ende. Der Präsident hatte zuvor eine rasche Entscheidung vehement gefordert.

Von Maik Rosner und Benjamin Bauer

München - Bereits im Dezember war von einer Formsache die Rede, doch dann bekam der Vertragspoker bei Hannover 96 merkwürdige Züge.

Noch am Donnerstag wurde Martin Kinds Forderung nach einer raschen Entscheidung öffentlich. Die Gespräche mit Mirko Slomka waren abgeschlossen, doch der Trainer zögerte noch mit seiner Unterschrift unter einen neuen Zweijahresvertrag.

Nun zeigte Kinds Druck offenbar Wirkung. Im Laufe des Donnerstags kündigte Slomka seine baldige Unterschrift an.

"Anfang der Woche fällt die Entscheidung. Es wäre kurios, wenn es nicht so käme", sagte der 43-Jährige.

Die Entscheidung über Slomkas Zukunft steht also unmittelbar bevor, und sie wird demnach pro 96 auszufallen. Kurz zuvor drohte die wochenlange Hängepartie noch zu eskalieren.

Vertrag "endverhandelt"

"Der Vertrag ist in vollem Umfang endverhandelt. Jetzt liegt es allein an Herrn Slomka, zu unterschreiben", sagte Kind der "Bild".

Slomkas Berater Harun Arslan, der auch mit Bundestrainer Joachim Löw zusammenarbeitet, bestätigte ebenfalls den Abschluss der Gespräche.

"Nachverhandlungen wird es nicht geben", sagte Arslan.

Die Ungeduld des Präsidenten

Endverhandelt, keine Nachverhandlungen - aber auch kein Abschluss des Pokers, obwohl nicht mehr verhandelt werden sollte.

Doch durch Slomkas angedeutetes Ja-Wort entspannte sich die Lage. "Den Vertrag, wie er jetzt vorliegt, hätte ich auch schon am 15. Dezember unterschrieben", sagte er nun.

Zuvor wurde noch hart gepokert. Er wolle sich nicht irritieren lassen und verspüre keinen Zeitdruck, sagte der Trainer. Trotz der zunehmenden Ungeduld des Präsidenten.

Für den Fall, dass Slomka den fertigen Entwurf bis 2013 nicht akzeptiert, kündigte Kind schon einmal an: "Dann gibt es keinen Vertrag."

[kaltura id="0_ayu71js9" class="full_size" title="Der Slomka Poker geht weiter"]

Kinds Drohung

Er wollte das Thema schnellstmöglich aus der Öffentlichkeit schaffen. "Zügig" solle ein Ende herbeigeführt werden, hatte er gesagt.

Und Kinds Ton war wegen seiner Verärgerung spürbar rauer geworden, weil er sich hingehalten fühlte: "Wenn er gefühlt hier in Hannover nicht glücklich ist, muss er seine notwendige Entscheidung treffen."

Der 43 Jahre alte Slomka hatte Hannover vor genau einem Jahr übernommen und zum Klassenerhalt geführt.

Zuletzt beklagte er sich jedoch über mangelnde Wertschätzung und bat sogar um die Freigabe. Derzeit steht er mit 96 überraschend auf Platz zwei der Bundesliga.

Der VfL Wolfsburg und der Hamburger SV sollen diese Entwicklung aufmerksam verfolgt haben.

Wachsende Ansprüche

Der Grund für Slomkas Zögern war offenbar sein Misstrauen.

"Ich weiß ja, wie es kommen kann, wenn in einem Verein Begehrlichkeiten geweckt werden und die Ansprüche steigen. Da wird man vorsichtiger, wenn es darum geht, Vertragsinhalte auszuhandeln", sagte er der "WAZ".

Seine Erfahrungen aus der Zeit bei Schalke 04, das am Samstag in Hannover gastiert, spielen durchaus eine Rolle, räumte Slomka ein:

"Es geht um die Gesamtsituation. Ich möchte wissen, wie es hier weitergeht angesichts der wachsenden Ansprüche."

Und weiter: "Heute haben wir 34 Punkte. Was ist, wenn wir im nächsten Jahr zu diesem Zeitpunkt nur 22 Punkte haben? In Schalke sind wir Zweiter geworden, aber der Anspruch war der Meistertitel - und ein Jahr später war ich weg, obwohl wir auf dem dritten Platz standen."

Vertrauen statt Macht?

Es geht Slomka um Vertrauen, Sicherheiten und Rückendeckung - und angeblich nicht um Macht und Einfluss.

Doch immer wieder werden auch seine Befugnisse im Vergleich zu Sportdirektor Jörg Schmadtke thematisiert.

Angeblich pochte der Trainer auf die vertragliche Zusicherung, alle Transfers mit absegnen zu müssen.

Brdaric lobt Slomka

Der ehemalige 96-Stürmer und Nationalspieler Thomas Brdaric erinnert derweil daran, was Slomka mit Hannover geschafft hat.

"Bis jetzt ist es bei 96 die erfolgreichste Zeit seit den 60er Jahren. Sie würden sich keinen Gefallen tun, wenn sie ihn ziehen lassen", sagte der 35-Jährige gegenüber SPORT1.

Slomka habe es geschafft, Kontinuität und Struktur in den Verein zu bringen.

Anteil daran habe aber auch Schmadtke, der Ruhe ausstrahle und den Trainer auch in schwierigen Phasen gestützt habe.

Brdaric glaubt: "Wenn Hannover keinen großen Fehler mehr begeht, ist mindestens die Europa League machbar. Wenn sie nicht anfangen durchzudrehen."

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