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Marco Kurz führte den FCK in der vergangenen Saison zum Aufstieg © getty

Bei SPORT1 spricht FCK-Trainer Marco Kurz über den Vertragspoker mit seinem Top-Torjäger und das Duell mit den Bayern.

Von Maik Rosner

München - Marco Kurz ist ein eher ruhiger Zeitgenosse - meistens zumindest.

Diese Gelassenheit braucht der Trainer des 1. FC Kaiserslautern momentan aber auch, denn seine Mannschaft muss zum Rückrundenstart vier Spiele innerhalb von nur 13 Tagen bestreiten. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

Und so wartet nach dem Sprung ins Viertelfinale des DFB-Pokals schon am Samstag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) das nächste Highlight.

In der Allianz Arena fordert der Aufsteiger den FC Bayern heraus. Im SPORT1-Interview spricht Kurz über das Duell mit dem Rekordmeister, den Vertragspoker mit Top-Torjäger Srdjan Lakic und die Spekulationen um Miroslav Klose.

SPORT1: Herr Kurz, am Samstag kehren Sie mit Kaiserslautern in die Münchner Arena zurück. Haben Sie als ehemaliger Coach von 1860 eigentlich einen Lieblingsort in diesem Stadion?

Marco Kurz: Nein, ich bin da ein ganz normaler Gast am Samstag. Ich freue mich darauf, dass wir in einem Pflichtspiel gegen die Bayern antreten dürfen. Und das wird für uns eine große Aufgabe. Aber ich betrachte das ganz nüchtern. Der Gegner heißt FC Bayern. Es ist ja nicht so, dass ich zu 1860 München zurückkehre. Ich habe zwar in München meinen familiären Lebensmittelpunkt, aber das hat mit dem Spiel nichts zu tun.

SPORT1: Rechnen Sie sich erneut eine Überraschung aus wie beim 2:0 im Hinspiel?

Kurz: Das wird wirklich schwer. Wir befinden uns nicht am zweiten Spieltag, sondern schon in der zweiten Saisonhälfte. Die Spiele werden weniger und die Bayern werden alles versuchen, um im vorderen Bereich nochmal anzugreifen. Sie wissen aber auch um unsere Qualität. Wir rechnen uns in jeder Partie etwas aus, wissen aber auch, dass gerade in München sehr viel zusammenkommen muss, um für eine Sensation zu sorgen.

SPORT1: Die Bayern müssen sich neu fokussieren, weil sie die Meisterschaft nach dem 1:1 in Wolfsburg wohl endgültig abhaken können.

Kurz: Ich glaube nicht, dass sie die abgehakt haben. Wer die Bayern kennt, ihr Selbstbewusstsein und Denken, weiß: Sie werden nichts abhaken. Sie wissen, dass es schwer wird. Aber es gibt nichts abzuhaken. Weil auch die Plätze dahinter unheimlich umkämpft sind.

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SPORT1: Ihnen fehlt Ihr bester Stürmer Srdjan Lakic wegen einer Sperre. Ist er überhaupt zu ersetzen und wenn ja, wie?

Kurz: Ich denke, dass wir jeden Spieler ersetzen können. Wir sind Kaiserslautern und nicht der FC Lakic. Wir werden das intern schultern. Das ist möglich in einer Partie.

SPORT1: Mit drei Toren in Koblenz hat er Ihre Mannschaft ins Viertelfinale des DFB-Pokals und damit zu 1,2 Millionen Euro zusätzlichen Einnahmen geschossen. Genug Geld, um ihn zu halten, oder?

Kurz: Wir alle sind uns einig, dass wir mit Lakic verlängern wollen. Wir wissen aber auch, dass es schwierig wird, weil er auch bei anderen Vereinen Begehrlichkeiten geweckt hat. Der Spieler ist die entscheidende Kraft in den Verhandlungen. Aber wir werden alles versuchen, um ihn zu halten.

SPORT1: Einen Wechsel noch in dieser Transferphase schließen Sie aus?

Kurz: Das schließe ich aus.

SPORT1: Welche Perspektive können Sie ihm denn aufzeigen?

Kurz: Ich denke, dass er die stetige Entwicklung gesehen hat. Man darf nicht vergessen, welchen Stellenwert er sich hier erarbeitet hat. Den müsste er sich erstmal bei anderen Vereinen erarbeiten. Neben dem sportlichen kommen die perspektivischen und finanziellen Aspekte hinzu. Das muss er abwägen: Was hat er hier, was woanders.

SPORT1: Eine Perspektive könnte ja auch sein, die Mannschaft weiter zu verstärken, um höhere Ziele anzustreben. Zum Beispiel mit Lakic und Miroslav Klose im Angriff.

Kurz: Das wurde ja schon von beiden Seiten thematisiert. Klose hat gesagt, das sei kein Thema. Wir haben gesagt, das ist zum jetzigen Zeitpunkt für uns nicht realisierbar. Derzeit sind das einfach Luftschlösser, obwohl wir Kloses Qualitäten sehr schätzen. Wir werden natürlich versuchen, die Mannschaft zu entwickeln. Sportlich und personell. Wir wollen fester Bestandteil der Bundesliga werden. Und dazu müssen wir eine Entwicklung nehmen.

SPORT1: Spielt ein Verein wie Kaiserslautern im Mittelfeld der Liga schon am Limit oder kann man sich durchaus ein Beispiel etwa an Hannover 96 nehmen?

Kurz: Wir müssen erstmal abwarten, wie die Saison läuft. Dann können wir eine realistische Einschätzung abgeben, was die Mannschaften geleistet haben. Es ist jetzt eine Momentaufnahme. In unserem Fall eine, mit der wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Aber ein Fehler wäre zu denken, es wird schon klappen. Für uns ist die erste Priorität der Klassenerhalt. Nichts anderes. Wenn uns das gelingt, haben wir einen guten Job gemacht.

SPORT1: Hannover steht derzeit sogar vor den Bayern. Sind Sie erstaunt, dass der Meister nicht in Schwung kommt?

Kurz: Sie sind mit den Einzelspielern die absolute Topmannschaft der Liga. Aber man sieht auch, dass alle Komponenten stimmen müssen. Auch Bayern München muss in einen Rhythmus kommen. Die WM hat gerade den größeren Vereinen nicht in die Karten gespielt. Schlüsselspieler haben sie verletzungsbedingt lange nicht zur Verfügung gehabt. Für mich haben die Bayern dennoch ein Wahnsinns-Format.

SPORT1: Trotzdem können sie nicht mit Borussia Dortmund mithalten.

Kurz: Man darf nicht vergessen, dass der FC Bayern von allen Gegnern zu 150 Prozent gefordert wird und in allen drei Wettbewerben unter Höchstbelastung unterwegs ist. Hinzu kommen noch die Spiele in den Nationalmannschaften. Das sind ganz andere Voraussetzungen. Ich sehe die Bayern als überragend stark an. Und wie gesagt: Ich schreibe sie für gar nichts ab, auch nicht für die Meisterschaft.

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