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Mirko Slomka (r.) beerbte Anfang 2010 Andreas Bergmann als Hannover-Coach © imago

Thomas Brdaric prophezeit Hannover große Möglichkeiten mit Slomka. Kind traut im Poker mit dem Coach dem Braten noch nicht.

Von Martin Hoffmann und Benjamin Bauer

München/Hannover - Vor fünf Monaten hatte es noch den Rang einer kleinen Sensation, dass Hannover 96 Schalke 04 mit 2:1 besiegte.

Vor dem erneuten Duell am Samstag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) ist die Anspruchshaltung eine andere.

"In unserer jetzigen Verfassung wäre ein Sieg für mich keine Überraschung mehr", meint Hannovers Konstantin Rausch voller Selbstbewusstsein.

Es wächst das Bewusstsein, dass die Erfolgssträhne des Überraschungs-Zweiten kein Zufall ist - und dass am Ende mehr herausspringen kann als eine einzelne Wohlfühl-Saison.

"Mindestens Europa League"

Steuert Hannover dauerhaft auf goldene Zeiten zu? Der ehemalige 96-Stürmer Thomas Brdaric hält es im Gespräch mit SPORT1 für gut möglich.

"Wenn Hannover keinen großen Fehler mehr begeht und sie dort nicht anfangen durchzudrehen, ist mindestens die Europa League machbar", meint der Ex-Nationalstürmer.

Aber dabei muss es aus Brdarics Sicht nicht bleiben: "Hannover ist ein aufstrebender Verein. Wenn man den Funken auf alle überspringen lässt, neben den Fans also auch auf Präsidium und Vorstand, dann werden vielleicht auch Gelder frei, die sonst nicht so zur Verfügung stehen."

Väter des Erfolges

Brdaric sieht Trainer und Manager gleichermaßen als Väter des Erfolges.

Mirko Slomka habe durch seine gute Arbeit Ruhe in den Verein gebracht: "Ich glaube es hat damit zu tun, dass er das Umfeld sehr gut kennt und die Personen, die auch außerhalb des Platzes wichtig sind, involviert hat. Er hat das Umfeld strukturiert."

Aber auch Jörg Schmadtke würdigt Brdaric: "Eines ist an ihm genial: seine Ruhe."

[kaltura id="0_ayu71js9" class="full_size" title="Der Slomka Poker geht weiter"]

Der Manager habe nicht nur durch seine Transfer-Glücksgriffe zu Hannovers Aufschwung beigetragen, sondern auch durch seine Besonnenheit in der Trainerfrage in der Vorsaison: "Auch in prekärer Situation, als man dachte, Slomka packt es nicht mehr, hat er zu ihm gestanden."

Verblüffende Erfolgsgeschichte

Was umso bemerkenswerter ist, wenn man bedenkt, dass Slomka und Schmadtke nicht als das harmonischste Duo gelten - und intern auch recht verbissen um Kompetenzen ringen sollen.

Trotzdem ist ihre Kooperation in dieser Saison zu einer Erfolgsgeschichte geworden, die auch Brdaric verblüfft.

Er sieht in Hannover erstmals die "Kontinuität", deren Entwicklung bislang in Hannover "noch niemand geschafft" habe.

Slomka-Bekenntnis nicht wasserdicht

Entsprechend viel hängt nun an der Frage, ob das ungleiche Erfolgsduo zusammenbleibt.

So ganz sicher ist man sich dessen bei 96 immer noch nicht. Slomkas Zusage, dem ihm angebotenen Vertrag bis 2013 nach dem Schalke-Spiel durchzulesen und dann kurz darauf "die Entscheidung" zu verkünden, wird nicht überall als klares Signal aufgefasst.

Klubchef Martin Kind, der zuvor auf eine Entscheidung gedrängt hatte, stellt in der "Hannoverschen Allgemeinen" fest, dass Slomkas Worte immer noch kein wasserdichtes Bekenntnis sind.

Auch wenn er zugleich erklärt: "Ich hoffe aber natürlich auf eine positive Entscheidung."

Welches Spiel spielt Slomka?

Kind traut dem Braten aber noch nicht so ganz - und ist damit nicht allein.

Auch die Beobachter von außen fragen sich, warum Slomka seine Unterschrift bis nach dem Spieltag hinauszögert.

Wirklich nur, um sich voll und ganz auf den Ex-Klub Schalke zu konzentrieren und das Schriftwerk anschließend in Ruhe durchzulesen?

Oder weil er darauf wartet, was sich am Spieltag noch beim VfL Wolfsburg tut - wo bei einer Niederlage womöglich ein Trainer-Arbeitsplatz frei wird?

Bestätigte sich dieser Verdacht, wäre die Sache mit der Kontinuität wohl schon wieder dahin.

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