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Matthias Sammer führte Borussia Dortmund 2002 als Trainer zur Deutschen Meisterschaft © getty

Der DFB-Sportdirektor beugt sich Zwanzigers Druck und bleibt beim DFB. Weit gediehene Verhandlungen mit dem HSV sind hinfällig.

Von Martin Hoffmann

München - So schnell kann es gehen im Fußball.

Eben noch hatte Karin Sammer öffentlichkeitswirksam "Grünes Licht" für einen Wechsel ihres Ehemanns zum Hamburger SV gegeben.

Doch noch während die Online-Ausgabe einer großen Boulevardzeitung mit dieser Meldung aufmachte, platze die Bombe:

Matthias Sammer hat dem HSV abgesagt - und will bis zu seinem Vertragsende Sportdirektor beim DFB bleiben (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Das Interesse ehrt mich, aber..."

"Nach reiflicher Überlegung und vor dem Hintergrund, dass eine schnelle Stellungnahme gefordert war, bin ich zu dieser Entscheidung gekommen", richtete Sammer in einer Presseerklärung des Verbands aus:

"Das Interesse des HSV ehrt mich sehr, aber es warten beim DFB noch viele Aufgaben, auf die ich mich freue."

Sammer erfüllte damit nach mehreren Stunden Beratung bei der Präsidiumssitzung des Verbands die Forderung von DFB-Präsident Theo Zwanziger nach einer "klaren Aussage".

Weit gediehene Planungen dahin

Sehr zu dessen Freude: "Matthias Sammer hat in den vergangenen Jahren viele positive Dinge für die Entwicklung des deutschen Fußballs auf den Weg gebracht."

Zwanziger kann sich nun freuen, dass Sammer "seine engagierte Arbeit im Nachwuchsbereich auch in Zukunft fortsetzen wird".

Sammers Absage an den HSV kommt überraschend. Fast alle Beobachter hatten damit gerechnet, dass er den DFB weiter hinhalten würde, um die schon sehr weit gediehene Gespräche mit den Hamburgern weiter zu führen - die nun hinfällig sind.

Prinzipielle Einigkeit war vorhanden

Über einen Vertrag bis 2014 mit rund 2,5 Millionen Euro Jahresgehalt und Sammers Grundkonzept soll er sich mit dem HSV bereits einig gewesen sein.

Nur noch an Detail-, in erster Linie Personalfragen, schien die Sache zu hängen.

[kaltura id="0_1f8kzcwx" class="full_size" title="Sammer sagt HSV ab"]

So wurde am Freitag allerorten schon munter diskutiert, wen Sammer alles zum HSV mitbringen würde.

Gerüchte um Stevic

Im Gespräch waren neben DFB-Erfolgscoach Horst Hrubesch auch die deutschen U-16- und U-17-Trainer Stefan Böger und Steffen Freund sowie der wissenschaftliche DFB-Mitarbeiter Dr. Karsten Schumann.

Von mehreren Medien wurde auch 1860-München-Sportdirektor Miroslav Stevic als Wunsch-Assistent Sammers ins Gespräch gebracht.

Die "Bild" berichtet gar schon von einem Treffen zwischen Stevic - bei Dortmund einst Spieler unter Sammer - und HSV-Boss Bernd Hoffmann.

"Löwen"-Vizepräsident Dieter Schneider beteuerte im "Münchener Merkur" darauf verdutzt, von diesem Gerücht "nicht ansatzweise" etwas gehört zu haben.

Reinhardt desavouiert

Das "Abendblatt" spekulierte außerdem, dass Sammer den Rang des Vize-Vorsitzenden bekommen könnte - anstelle von Hoffmanns aktueller Stellvertreterin Katja Kraus.

Sammers Absage bringt den HSV nun in neue Nöte. Er hat zwar in Bastian Reinhardt noch einen Sportdirektor.

Allerdings einen, der das Stigma als Verlegenheitslösung nicht los wurde und durch den Plan, ihn von Sammer ablösen zu lassen, quasi völlig desavouiert ist.

"Rückzug ist für uns nicht nachvollziehbar"

In einem schlechten Licht steht auch der neu zusammengestellte Aufsichtsrat da, der noch am Dienstag öffentlich vorgeprescht war und sich sicher zeigte, die Angelegenheit "innerhalb weniger Tage dingfest machen können".

Aufsichtsratsmitglied Otto Rieckhoff reagierte perplex auf die Sammer-Absage: "Wir sind enttäuscht und überrascht von Matthias Sammers Absage. Wir hatten über Wochen sehr gute und konstruktive Gespräche und waren uns in den inhaltlichen Fragen einig. Es lag ein ausverhandelter Vertrag vor. Sein Rückzug ist für uns nicht nachvollziehbar."

Van-Nistelrooy-Affäre schwelt weiter

Kaum vorstellbar, wie sich der HSV nach so einem Tag voll auf das Spiel gegen Eintracht Frankfurt (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) konzentrieren will.

Zumal auch das andere große Trubel-Thema weiter schwelt: die Abwanderungsgedanken von Goalgetter Ruud van Nistelrooy.

Trotz der klaren HSV-Ansage, ihn nicht abgeben zu wollen, lässt Ex-Arbeitgeber Real Madrid nämlich nicht locker.

"Wir bleiben dran"

"Wir bleiben dran und haben noch nicht aufgegeben. Wir hoffen, in dieser Woche Klarheit schaffen zu können", sagte der Sportdirektor Jorge Valdano der "AS".

Am Freitagnachmittag vergrößerte ein spanisches Online-Portal namens "El Confidencial" die Unruhe, indem es eine Einigung zwischen Hamburg und Real vermeldete: für eine Ablöse zwischen 1,5 und zwei Millionen Euro und ein Ablösespiel.

"Wir haben davon nichts gehört", entgegnete HSV-Sprecher Jörn Wolf: "Das entspricht nicht unserem Kenntnisstand. An unserer Haltung hat sich nichts verändert."

Ruhe mag derzeit an keiner Front beim HSV einkehren.

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