Sammers geplatzter Wechsel zum HSV macht den Klub erst richtig zur Lachnummer. Aber auch der DFB-Sportdirektor nimmt Schaden.

Wer gehofft hatte, die unsägliche, nun schon elf Monate währende Posse um die Nachfolge von Ex-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer sei nicht mehr steigerungsfähig, der sieht sich schwer getäuscht:

Matthias Sammers Last-Minute-Rückzieher bedeutet für den Hamburger SV schlichtweg den Super-Gau.

Das ohnehin schon heftig ramponierte Image der Bundesliga-Dinos hat den Totalschaden erlitten, dessen Tragweite noch gar nicht richtig absehbar ist.

Sammer galt schließlich als der Heilsbringer, der die nur noch von Unzulänglichkeiten, Kommunikationspannen und Kompetenzgerangel gebeutelten Hanseaten endlich wieder hätte in ruhigeres Fahrwasser bringen sollen.

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Dass es nicht so kommt, brandmarkt den Klub einmal mehr als Lachnummer der Liga - und macht wenig Mut auf eine bessere Zukunft.

Was haben die Verantwortlichen über Wochen hinter den Kulissen da eigentlich verhandelt, fragt man sich?

Erst posaunt der neuformierte Aufsichtsrat vollmundig heraus - und das auch noch bei seiner ersten Personalentscheidung - , Sammer sei praktisch im Anflug. Um jetzt einräumen zu müssen, dass die Sache doch wieder in die Hose gegangen ist. Peinlicher kann es nicht mehr sein.

Dabei ist der Klub nach den Blamagen um die Absagen von unter anderem Urs Siegenthaler und Roman Grill doch ein gebranntes Kind. Völlig "verbrannt", weil nun noch mehr geschwächt, ist dadurch nicht zuletzt Bastian Reinhardt, ohnehin nur eine Sportchef-Notlösung und dafür selbst aus den eigenen Reihen verhöhnt.

Sein Standing mit Blick auf den starken wie umstrittenen Vereinsboss Bernd Hoffmann ist aktuell brüchiger denn je.

Hinter Sammer wäre Reinhardt mit dem Einrücken ins zweite Glied zumindest etwas unbeschädigter aus dem hanseatischen Himmelfahrtskommando herausgegangen.

Doch auch Sammer selbst ist großer Verlierer und hat sich lächerlich gemacht:

Über eine Woche mit dem HSV zu flirten und ein dann dem Vernehmen nach unterschriftreifes Engagement abzusagen mit der Begründung, das Interesse ehre ihn, doch es warteten beim DFB auf einmal doch noch so viele Aufgaben, auf die er sich freue, das klingt einfach nur fadenscheinig.

Für künftige Aufgaben empfiehlt man sich mit derlei Wankelmütigkeit so jedenfalls nicht.

Weder bei einem Verein, noch im Verband, wo Sammer womöglich noch immer den Job des Bundestrainers im Auge hat.

Nicht zuletzt wirkt bei Sammers Rückzieher aber auch die Rolle der DFBs leicht anrüchig. Dem 43-Jährigen ein Ultimatum zu stellen, sich zügig zu entscheiden, geht dabei zwar in Ordnung.

Möglicherweise wurde Sammer aber wesentlich stärker unter Druck gesetzt - und dieser mit einem Zurückpfeifen nun zwangsläufig zu einer Funktionärsmarionette ohne Macht.

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