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Uli Hoeneß (l.) ist seit November 2009 Präsident des FC Bayern © getty

Der Bayern-Trainer reagiert verschnupft auf Kritik des Präsidenten und zweifelt am Wahrheitsgehalt von dessen Aussagen.

München - Neuer Brandherd beim FC Bayern München.

Trainer Louis van Gaal hat mit wenig Verständnis auf die Kritik reagiert, die Präsident Uli Hoeneß in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" am Niederländer geübt hatte.

"Er ist unser Präsident. Er ist die Ikone und ich kann dieser Ikone nicht widersprechen", sagte van Gaal im Gespräch mit "LIGA total!" zwar, schob aber nach:

"Er darf das sagen, aber ob es die Wahrheit ist, ist etwas anderes."

Hoeneß hatte in der "SZ" unter anderem das Auftreten van Gaals kritisiert. "Die Frage ist, ob man immer mit dem Kopf durch die Wand muss", erklärte der frühere Manager.

Hoeneß erhöht den Druck

Zugleich erhöhte Hoeneß den Druck auf Trainer und Mannschaft. "Jetzt haben wir fast unsere Top-Elf, und es gibt keine WM mehr als Ausrede. Eines muss allen klar sein: Am 1. Januar hat beim FC Bayern die Wahrheit dieser Saison begonnen", sagte der 59-Jährige.

Umso bitterer sei der Rückrundenauftakt in Wolfsburg gewesen. "Die Stimmung im Trainingslager soll ja super gewesen sein, Robben und Ribery waren wieder gesund und alle begeistert. Dann spielen wir in Wolfsburg, gegen eine durchschnittliche Elf - und wieder nur 1:1." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Van Gaal sieht angesichts solcher Aussagen den "Rotwein-Frieden" von Cluj in Gefahr. "Wir haben in Cluj vereinbart, dass wir alles intern besprechen", sagte er "LIGA total!" und ergänzte vieldeutig: "Wir haben diese Vereinbarung gemacht und ich halte mich daran."

Nerlinger: "Alles andere als Platz zwei wäre Katastrophe"

Christian Nerlinger stellte sich auf die Seite seines Präsidenten. "Wenn einer das Recht hat sich zu äußern, dann ist das Uli Hoeneß", sagte der Sportdirektor auf "Sky": "Deshalb sollten wir seine Worte sehr ernst nehmen und versuchen, die sportliche Situation zu verbessern."

Was er darunter versteht, hatte Nerlinger zuvor schon der "tz" verraten: "Alles andere als der zweite Platz wäre eine Riesen-Enttäuschung, eine Katastrophe. Das wäre nicht zu akzeptieren", erklärte er und gab zu:

"Es ist eine ungewohnte Situation für die Spieler und den FC Bayern, sich zu so einem frühen Zeitpunkt auf den zweiten Platz zu konzentrieren."

Hoeneß: "Mit Abstand die beste Mannschaft"

Hoeneß ergeht es ähnlich.

Er tue sich schwer damit, meinte der Bayern-Präsident, am 18. Spieltag keine Chance mehr auf die Meisterschaft zu haben.

Das habe er in den letzten 30 Jahren fast nie erlebt. Dabei sei die Münchner Mannschaft besser als Dortmund besetzt.

"Ich bin hundert Prozent sicher, dass wir die in ein paar Wochen in München schlagen. Im Eins-gegen-eins hat Dortmund doch nie die bessere Mannschaft. Die bessere haben wir, mit Abstand!"

Van Gaal erstmal nicht in Gefahr

Eine Trainerdiskussion wollte Hoeneß freilich nicht anstellen.

Unruhig werde es erst, wenn die Champions-League-Qualifikation in Gefahr sei. "Das war ja auch bei Klinsmann so", ergänzte der Bayern-Präsident.

Kraft-Beförderung überrascht Hoeneß

In der Frage um eine mögliche Verpflichtung von Nationaltorhüter Manuel Neuer bekräftigte Hoeneß seine Meinung, dass der beste Torhüter beim besten Klub spielen müsse.

Die Entscheidung, Thomas Kraft anstelle von Jörg Butt ins Tor zu stellen, hat den Präsidenten überrascht.

Und Hoeneß bekräftigte die Entscheidungshoheit des Bayern-Trainers: "So eine Entscheidung darf der Trainer total selbständig treffen. Was allerdings Jörg Butt rein menschlich gesehen über diese Entscheidung denkt, sei mal dahingestellt."

Vereinbarung mit Klopp

Ein Lob richtete Hoeneß an Tabellenführer Borussia Dortmund. "Sie leisten erstklassige Arbeit und machen aus der Not eine Tugend, mit vielen jungen Spielern", sagte er.

Zudem verriet der Bayern-Präsident, dass er bereits 2008 Jürgen Klopp als Trainer an die Säbener Straße holen wollte und mit dem jetzigen BVB-Coach bereits Einigkeit erzielt habe.

Der Grund, dass statt Klopp Klinsmann dann bei den Münchner das Traineramt übernahm, war die Experimenierfreudigkeit.

"Ich ließ mich überzeugen, dass wir das Abenteuer Klinsmann probieren sollten. Davor hatte ich schon eine mündliche Absprache mit Klopp. Ich bat ihn dann, mich davon zu entbinden, als wir die Idee mit Klinsmann hatten."

Kampf gegen Söldner

Ein Dorn im Auge ist Hoeneß die Söldner-Mentalität einiger Profis, gegen die er zu drastischen Maßnahmen aufrief.

"Gegen Leute wie Ba muss man brutal hart vorgehen, das ist der bisher perfideste Fall. Auch van Nistelrooys Verhalten beim HSV finde ich schlimm", sagte der Weltmeister von 1974.

Und er ergänzte: "In solchen Fällen müsste man mal sagen: Was verdient ein Ba oder ein Nistelrooy? Das legen wir als Bundesliga zusammen, alle boykottieren diese Spieler - und ab mit ihnen auf die Tribüne."

"Dann braucht man sich nicht wundern"

Die Vereine müssten sich aber auch selbst an die eigene Nase packen, meinte Hoeneß: "Es kann nicht sein, dass es ständig heißt: Der und der Spieler kann gehen, trotz gültigen Vertrags. Dann braucht man sich nicht wundern."

Damit richtete der Präsident eine weitere kleine Spitze gegen van Gaal, der zu Beginn der Saison noch Spieler wie Mario Gomez, Anatoli Tymoshchuk oder Hamit Altintop auf das Abstellgleis befördert hatte.

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