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Bastian Reinhardt lief in sieben Jahren 132-mal in der Bundesliga für den HSV auf © getty

Der Sport-Chef des HSV schöpft aus der Posse um Sammer neuen Mut. Der Aufsichtsrat wird plötzlich kleinlaut und lobt Reinhardt.

Von Marcus Giebel

München - Beim Hamburger SV beginnt nun eine neue Zeitrechnung.

Nicht, weil die Hanseaten mit dem 1:0 über Eintracht Frankfurt dank Joker Mladen Petric seit Freitagabend wieder mittendrin sind im Rennen um die Europapokalplätze.

Oder im Werben um Stürmer Ruud van Nistelrooy den "Königlichen" von Real Madrid die Stirn bietet.

Vielmehr ist es Sportdirektor Bastian Reinhardt, der für den Umbruch sorgen will (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Bislang eher der Spielball zwischen den Mächtigen des Klubs, setzt der Ex-Profi nach seiner gescheiterten Entmachtung aufgrund der Absage von Matthias Sammer als neuem Sportdirektor zum Gegenschlag an.

"Anderer Reinhardt, wenn nötig"

"In den nächsten Wochen werde ich das sicher nicht mehr so mit mir machen lassen. Einige werden einen ganz anderen Bastian Reinhardt erleben, wenn es nötig ist", warnt der 35-Jährige via "Sky" seine Kritiker innerhalb des Vereins.

Die vergangenen Tage und Wochen seien nicht leicht für ihn gewesen: "Die Entwicklung hat mich nicht erfreut."340258(DIASHOW: Der 19. Spieltag)

Sammer: "Keine Hängepartie"

Zwar wäre eine Lösung mit Sammer auch für ihn "wirklich gut" gewesen.

Doch der hatte sich für einen Verbleib beim DFB entschieden. "Ich glaube, es war wichtig und richtig, jetzt für Klarheit zu sorgen. Ich wollte keine längere Hängepartie", sagte Sammer der "Bild". (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

Lob für "Stabilität" der Mannschaft

Sportlicher Erfolg ist in Hamburg nun aus Reinhardts Sicht auch mit der aktuellen Besetzung möglich. Was der HSV mit drei Siegen in Serie unterstrichen hat.

Auch wenn der Heimtriumph über arg gebeutelte Frankfurter in der Schlussphase erzittert wurde und Keeper Frank Rost häufiger im Mittelpunkt stand als erhofft.

"Die Erfolge sieht man ja auch auf dem Platz, da hat sich Einiges getan. Die Mannschaft zeigt Stabilität. Ich hoffe, davon lässt sich der ganze Verein mitreißen", sagt Reinhardt in Richtung Aufsichtsrat.

Aufsichtsrat: "Hervorragende Arbeit"

Dieser scheint nach dem Fiasko um Sammer nun auf Schmusekurs mit dem alten und neuen Sportdirektor gehen zu wollen. Nach viel Peitsche gibt es jetzt Zuckerbrot für den Job-Novizen.

"Wir lassen ihn nicht fallen. Er hat hervorragend gearbeitet", lobt Aufsichtsrats-Chef Ernst-Otto Rieckhoff. Er wünsche, dass Reinhardt an Bord bleibe.

Ähnlich versöhnlich klingt "Vize" Alexander Otto: "Es gibt konstruktive Ansätze für eine gemeinsame Zusammenarbeit."

Reinhardt fordert Rückendeckung

Da wird es die Ratsmitglieder erfreuen, dass Reinhardt nach den Missverständnissen nichts von seiner Akribie eingebüßt hat: "Ich werde auch in Zukunft mit der gleichen Leidenschaft und Einstellung weitermachen."

Zugleich erwarte er "vom Verein die nötige Rückendeckung dafür".

Die wünscht sich auch Trainer Armin Veh, der aber bei der Personalie vorsichtig bleibt: "Er braucht Zeit, so einen Klub wie den HSV als Sportdirektor zu führen. Er ist 35, das kann er normal nicht alles bewerkstelligen."

Den Zweifeln zum Trotz - Reinhardt weiß: Nach den Rückschlägen der vergangenen Tage ist nun die Zeit für den Gegenangriff gekommen.

Crash-Kurs ist beendet

Denn er habe in seinen ersten sechs Monaten im neuen Job "in einem Crash-Kurs alle Facetten des Geschäfts mitbekommen". Und daraus gelernt.

Das sollen nun alle zu spüren bekommen - Kritiker wie Vertraute.

Die Mächtigen im Klub müssen sich also darauf gefasst machen, in Zukunft vermehrt Contra zu bekommen vom Sportdirektor, der eigentlich entmachtet werden sollte.

Petric erfreut über Steigerung

Die HSV-Profis verkniffen sich weitgehend Kommentare zur Sammer-Posse und Reinhardt und haben nach dem dritten Sieg in Serie einen Platz in der Europa League im Visier.

"Wir stehen hinten viel besser als in der Vorrunde und sind vorne immer für mindestens ein Tor gut", sagte Matchwinner Mladen Petric.

Neuer Vertrag für Skibbe

Frankfurts Trainer Michael Skibbe erklärte nach der Partie: "Ich bin ein bisschen traurig, denn da hätten wir schon etwas mehr mitnehmen können."

Der Frankfurter Trainer konnte aus der Hansestadt immerhin eine Vertragsverlängerung bis 2012 mitnehmen.

Diese hatte Klub-Boss Heribert Bruchhagen per Handschlag bestätigt.

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