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Tim Wiese wurde mit Werder Bremen 2009 DFB-Pokalsieger © getty

Die Bremer reagieren mit drastischen Worten auf die Demontage in Köln. Schaaf ist ernüchtert, Wiese pampt die Kollegen an.

Köln - "Schizophren", "Scheiße", "unter aller Sau" - den drastischen Worten zufolge haben bei Werder Bremen alle den Ernst der Lage erkannt.

Auf dem Feld sah das beim 0:3 (0:2) beim 1. FC Köln allerdings ganz anders aus.

Ein offenbar zerstrittener Haufen von Fußball-Millionären ergab sich ohne Kampf und Gegenwehr in sein Schicksal. 340258(DIASHOW: Der 19. Spieltag)

Und so steckt der langjährige Champions-League-Stammgast plötzlich mitten im Abstiegskampf, statt um den Titel geht es um Schadensbegrenzung. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Keine Erklärung für die Scheiße"

"Es geht ganz klar nur noch gegen den Abstieg", stellte Torhüter Tim Wiese klar und ergänzte: "Es gibt keine Erklärung für die Scheiße, die wir machen."

Und Clemens Fritz, Nationalspieler a.D., ergänzte: "Wir haben uns unter aller Sau präsentiert. Wenn wir so auftreten, muss uns angst und bange werden."

Frings flüchtet, Wiese schimpft

In der Tat: Wer die Bremer in Köln auf und neben dem Spielfeld beobachtete, muss sich ernsthaft Sorgen machen um den Verein, der in den vergangenen Jahren als Vorzeigeklub für solides und erfolgreiches Arbeiten galt.

Das Team präsentierte sich als Mischung aus Unfähigkeit (Pasanen), Lustlosigkeit (Arnautovic, Pizarro) und Altersschwäche (Frings, Silvestre).

Auch Differenzen zwischen den Spielern traten deutlich zutage. Als zehn Bremer zu ihren Fans in die Kurve gingen, um sich auspfeifen zu lassen, fehlte ausgerechnet der in die Kabine gerauschte Kapitän Frings.

Und Wiese schimpfte: "Hier verstecken sich alle."

Schaaf: "Es geht nicht um mich"

Vielleicht ist auch das der Grund, warum Trainer Thomas Schaaf zermürbt und niedergeschlagen wirkte. Auf der Pressekonferenz musste er sich bereits fragen lassen, wie lange er sich "das noch antun" wolle.

"Es geht nicht um mich, ich bin nicht so wichtig", sagte er ausweichend:

"Wir haben Fans und Freunde, die wir über Jahre gewonnen haben, enttäuscht. Wir müssen wieder da hinkommen, sie zu erfreuen. Ob ich das mache oder ein anderer, ist nicht so wichtig. Hauptsache, wir kommen wieder dahin."

Ratlosigkeit überall

Wie das gelingen soll, schien Schaaf nach dem Spiel noch nicht zu wissen. "Es klingt schizophren, aber wir haben gut trainiert", versicherte er: "Wir haben gewusst, dass es kein leichter Weg wird, aber so eine Leistung haben wir nicht erwartet."

Auf die Frage, was gefehlt habe, sagte er: "Alles, und das ist nicht nur ein Wort."

Auch Geschäftsführer Klaus Allofs wirkte ratlos.

"Es ist nicht zu erklären. Wir haben unseren Augen auch nicht getraut, was sich hier abgespielt hat", sagte er: "Das war ein grausames Spiel. Kein Kampf, kein Wille, kein Glaube."

Die Bayern als Segen?

Dass in der nächsten Woche ausgerechnet die erstarkten Bayern warten, sei "fast schon ein Segen".

Was Werder in den nächsten Wochen und Monaten erwartet, ist Allofs, der in dieser Saison schon zahlreiche erzieherische Maßnahmen ausprobierte, diesmal aber "keinerlei Strafen" ankündigte, klar:

"Wir sind längst nicht raus aus dem Abstiegskampf."

Kölner schöpfen neuen Mut

Das sind auch die Kölner nicht, doch der Auftritt der im Winter durch vier Neuzugänge verstärkten Elf macht Mut. Vor allem Nationalspieler Lukas Podolski blüht als neuer Kapitän auf. Zweimal traf er (7./84.), einmal Adam Matuschyk (33.).

"Das war auch ein Sieg gegen den Anwalt hier aus Köln", sagte Podolski mit Bezug auf eine Opposition gegen Präsident Wolfgang Overath: "Das hat mich noch mal extra motiviert."

Müller-Römer: "Podolski hat andere Sorgen"

Der Angesprochene, "FC Reloaded"-Sprecher Stefan Müller-Römer, sagte zur Kritik von Podolski bei LIGA total!: "Ich weiß nicht genau, wie es dazu gekommen ist. Ich bezweifle, dass das nicht ein bisschen gesteuert war."

Und er fügte hinzu: "Ich glaube nicht, dass sich Podolski wirklich dafür interessiert im Moment - der hat wirklich andere Sorgen."

Interview-Verbot für FC-Profis?

Der Auftritt von Müller-Römer verärgerte indes Kölns Präsidenten Overath, der stocksauer auf die Aussagen des Kritikers reagiert haben soll.

Unter anderem hatte Müller-Römer geschimpft: "Die Bilanz dieses Vorstands, der ja nun schon ein paar Jahre dran ist und ganz andere Versprechungen hatte, ist desaströs."

Die FC-Profis verweigerten in der Folge sogar den LIGA total!-Reportern Interviews - womöglich auch auf Anweisung des mächtigen Klub-Bosses Overath.

Podolski will nicht nach St. Petersburg

Podolski zeigte derweil mit seiner Leistung, dass er unbedingt in Köln bleiben will.

Denn ein Abgang im Falle des Abstiegs scheint sicher, die Ablösesumme ist auf angeblich fünf Millionen festgeschrieben.

Mit dem 15-Millionen-Angebot des russischen Meisters Zenit St. Petersburg hat sich Podolski aber nie ernsthaft beschäftigt.

"Ich habe nie gesagt, dass ich da hin will", erklärte er lapidar: "Ich kann nichts dafür, wenn einer Interesse an mir hat."

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