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Eine eingeschworene Gemeinschaft: Der KSC setzt wieder auf viel Teamgeist © getty

Trotz zahlreicher Abgänge von Stammspielern will der Karlsruher SC keine kleineren Brötchen backen. Die Vorschau von Sport1.de.

Von Matthias Becker

München - Der Beginn der Bundesliga-Saison 2008/2009 rückt näher. Sport1.de stellt in alle 18 Teams vor. Dieses Mal: Der Karlsruher SC.

Es ist einer dieser Sätze, die normalerweise phrasenschweinmäßig geahndet werden müssen:

"Das zweite Jahr ist immer das schwerste", lautet er und gehört zu den unvermeidlichen Fußball-Weisheiten.

So abgedroschen der Satz aber klingt, so wahr ist er auch. Vor allem im Fall des Karlsruher SC vor der Saison 2008/09. werbung

Grauer Alltag droht

Wo in der Premieren-Saison noch die Aufstiegs-Euphorie Spieler und Fans antreibt und das große Ziel Klassenerhalt alle Beteiligten zusammenschweißt, droht nach dem Erreichen dieses Ziels grauer Alltag.

Zudem stellen sich die etablierten Bundesligisten auf die Spielweise des ehemaligen Neulings ein. Überraschungserfolge sind kaum noch drin.

"Wir können mithalten"

Dieser Problematik sind sich die Verantwortlichen und Spieler des KSC bewusst. Sie gehen aber offensiv damit um.

"Wir haben das Potenzial, erneut eine ähnlich gute Rolle zu spielen", erklärt Außenverteidiger Christian Eichner dem "kicker" und wird vom neuen Kapitän Maik Franz unterstützt:

"Wir können mithalten, das haben wir oft genug bewiesen."

Testspielniederlagen und ein verletzter Stammspieler

Die Vorbereitung gibt den Badenern allerdings nur bedingt Anlass zu der Hoffnung, dass, wie im Vorjahr, schon frühzeitig der Klassenerhalt bejubelt werden darf.

Nach dem lockeren Aufgalopp gegen unterklassige Gegner setzte es zuletzt gegen Racing Straßbourg (0:1) und den SC Freiburg (0:2) Testspielpleiten.

Im letzten Test reichte es gegen den französischen Erstligisten FC Sochaux dann immerhin zu einem 1:1.

Viel schwerer als die Niederlagen in Vorbereitungsspielen dürfte aber der Ausfall von Andreas Görlitz wiegen. Die Leihgabe vom FC Bayern muss nach einer Sprunggelenks-OP vermutlich noch bis Mitte September pausieren.

Wer ist neu?

Auch in diesem Jahr traf den KSC wieder das viel beschriebene Los des "Ausbildungsvereins".

Mit Tamas Hajnal (nach Dortmund) und Mario Eggimann (nach Hannover) sind zwei der herausragenden Spieler der vergangenen Saison dem Ruf finanzstärkerer Klubs gefolgt.

Ersatz fand KSC-Manager Rolf Dohmen unter anderem in der Nachbarschaft. Antonio da Silva kam für 1,2 Millionen Euro vom VfB Stuttgart und soll die Hajnal-Lücke im offensiven Mittelfeld schließen.

Als Ersatz für Abwehrchef Eggimann verpflichteten die Karlsruher Tim Sebastian ablösefrei von Hansa Rostock.

Für die Position rechts in der Viererkette kam noch der 19 Jahre alte Stefano Celozzi von der zweiten Mannschaft des FC Bayern.

Wer ist der Hoffnungsträger?

Antonio da Silva soll Hajnal ersetzen, nicht mehr und nicht weniger. Ob der ehemalige Mainzer und Stuttgarter diese großen Fußstapfen des kleinen Ungarn ausfüllen kann, wird spannend zu beobachten.

Ansonsten muss KSC-Trainer Edmund Becker darauf hoffen, dass die Stammkräfte wie Christian Eichner, Maik Franz, Markus Miller oder Alexander Iashvili ähnliche Leistungen wie in der vergangenen Saison abrufen können und zudem Unterstützung aus der zweiten Reihe bekommen.

Wie ist die Stimmung?

Die Rückrunde der vergangenen Saison sollte dem KSC ein Schuss vor den Bug gewesen sein.

Eine Negativserie und die fortwährenden Wechseldiskussionen um Stammspieler gefährdeten das Karlsruher Modell, das bei einem sehr kleinen Kader auf einer eingeschworenen Gemeinschaft beruht.

Nach Platz sechs in der Hinrunde belegte Beckers Mannschaft in der Rückrundentabelle nur Rang 17. Den unrühmlichen Höhepunkt markierte die 0:7-Klatsche beim Hamburger SV.

Die Begeisterung im Umfeld des KSC ist trotzdem ungebrochen: Die Dauerkarten, die in den freien Verkauf kamen, waren innerhalb von 23 Minuten ausverkauft. Die Vereinsführung sah sich gezwungen, noch ein zusätzliches "Dankeschön-Kontingent" an Karten freizugeben.

Was sind die Ziele?

Angesichts der Abgänge kann das Ziel des KSC nur der Klassenerhalt sein. Da sich in der vergangenen Spielzeit gezeigt hat, wie wichtig es ist, dieses Ziel früh zu erreichen, setzt "Ede" Becker die Messlatte von Vorneherein etwas höher an.

"Wir wollen das Abschneiden vom Vorjahr bestätigen, uns wieder in der Tabellenregion um Platz elf bewegen", sagt der Coach.

Sport1.de-Prognose:

Der KSC kann nicht davon ausgehen, wieder so einen Lauf zu haben wie in der Hinrunde 2007/08.

Trotzdem hat die Mannschaft spielerisch das Potenzial, auch im schweren zweiten Jahr die Klasse zu halten.

Diesmal werden die Karlsruher aber bis zum letzten Spieltag darum kämpfen müssen.

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