Es wird einsam um van Gaal beim FC Bayern. Nach der Kritik von Uli Hoeneß geht auch Nerlinger auf Distanz zu dem Trainer.

Uli Hoeneß hat vieles geschafft beim FC Bayern. Der Präsident war schon für alles verantwortlich. Er zog Sponsoren an, holte Spieler, sah 13 Trainer kommen und gehen.

Er polterte, stritt und polarisierte. Und er machte alles, überprüfte vor einem Spiel den Luftdruck der Bälle und die Abfahrtszeiten des Busses.

Hoeneß steht für Erfolg, der Verein ist sein Lebenswerk. Und wenn dieser - wie jetzt - 14 Punkte Rückstand auf die Spitze hat, geht es ihm schlecht. Dann kann er nicht anders, er muss eingreifen, mitbestimmen und sich seine Meinung durch Nähe zur Mannschaft bilden.

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Was Louis van Gaal davon hält, hat der Trainer oft genug betont, woraufhin Hoeneß ihn öffentlich als "beratungsresistent" brandmarkte. Im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" legte er am Samstag nach, indem er sagte: "Die Frage ist, ob man immer mit dem Kopf durch die Wand muss."

Eingreifen wolle Hoeneß nur, wenn er spüre, dass die Champions-League-Qualifikation in Gefahr sei. "Dann werde ich unruhig, das war ja auch bei Klinsmann so." Der Ex-Trainer wurde 2009 nach einem 0:1 gegen Schalke am 29. Spieltag - Bayern war Dritter - gefeuert.

Was zunächst harmlos klingt, muss bei van Gaal als Affront, wenn nicht als Ultimatum, ankommen.

Der Fußballlehrer ist ohnehin irritiert und hatte sich zuletzt in seinem Kompetenzbereich beschnitten gefühlt, nachdem Nerlinger angekündigt hatte, der verletzte Franck Ribery falle nun doch länger aus als ursprünglich geplant.

Eine solche Aussage sei nicht Aufgabe des Sportdirektors, so van Gaal. Daraufhin konterte Nerlinger in der "Bild" und wies die Kritik als "lächerlich" zurück.

Der Ton wird schärfer, die Formulierungen drastischer. "General" van Gaal, der sich selbst als "dominant" und "arrogant" bezeichnet hat, also nun auch lächerlich?

Zudem empfahl Nerlinger dem Trainer, "Dinge intern zu regeln, wenn einem etwas nicht passt". Da scheint jemand genug vom Alleinherrscher-Anspruch des Trainers zu haben. Mit dieser Ansicht hat er sich jedenfalls klar auf der Seite von Hoeneß positioniert.

So oder so: Der Konflikt ist nach dem Frieden von Cluj wieder entbrannt. Und Streitpunkte gibt es nach wie vor genug.

Die oftmals riskante Spielweise unter van Gaal soll Hoeneß missfallen, so heißt es. Und die Degradierung von Butt wirkt auch noch nach ("Was Jörg Butt rein menschlich gesehen über die Entscheidung denkt, sei mal dahingestellt...").

Am deutlichsten sichtbar werden die Unterschiede schließlich in der Vereinsphilosophie. Van Gaal sieht sich als Ausbilder, als Entdecker und Förderer von Talenten wie Müller, Badstuber.

Hoeneß indes zitiert Nerlinger: "Der FC Bayern ist kein Ausbildungsverein. Er muss Erfolg haben."

Weitere Siege und die Qualifikation für die Champions League sind das Einzige, was van Gaal wieder stärken kann.

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