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Mark van Bommel (l.) und Trainer van Gaal gehen künftig wohl getrennte Wege © imago

Am Ende ging es ganz schnell: Der Kapitän verlässt den FC Bayern mit sofortiger Wirkung und wechselt zum italienischen Topklub.

Vom FC Bayern berichten Daniel Rathjenund Christian Ortlepp

München - Der Kapitän verlässt das Schiff:

Mark van Bommel wechselt mit sofortiger Wirkung zum AC Mailand.

Dies gab der FC Bayern am Dienstagmittag nach einem Gespräch des Niederländers mit den Vorständen Karl-Heinz Rummenigge und Karl Hopfner sowie Sportdirektor Christian Nerlinger bekannt.

Schon im DFB-Pokal bei Alemannia Aachen (Mi., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) wird van Bommel nicht mehr dabei sein. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Unklar blieb, ob Milan noch eine Ablöse für den 33-Jährigen bezahlt. Sein Vertrag wäre im Sommer ohnehin ausgelaufen.

Beim italienischen Tabellenführer läuft sein neuer Kontrakt allerdings auch nur nur bis Saisonende.

"Vorbildlicher Profi und großartiger Kapitän"

"Es war Marks ausdrückliche Bitte, ihn aus sportlichen Gründen vorzeitig aus seinem Vertrag zu entlassen, um sofort zum AC Mailand wechseln zu können", erklärte Rummenigge danach.

"Mark war immer ein vorbildlicher Profi, ein wichtiger und erfolgreicher Spieler für den FC Bayern und darüber hinaus ein großartiger Kapitän. Aufgrund seiner Verdienste um den Verein haben wir Marks Wunsch entsprochen."

Van Bommel fiel die schnelle Entscheidung laut eigener Aussage alles andere als leicht. "Ich verlasse den FC Bayern schweren Herzens, aber mit erhobenem Haupt", sagte er.

"Ich habe hier viereinhalb sehr schöne und erfolgreiche Jahre verbracht und möchte mich dafür ausdrücklich beim Klub und den Fans bedanken. Der FC Bayern München wird immer einen großen Teil meines Herzen einnehmen."

[kaltura id="0_sep0b9te" class="full_size" title="Van Bommel bittet um die Freigabe"]

"Der Verein hat mir nichts in den Weg gelegt"

Der Spielführer hatte SPORT1 schon am Morgen bestätigt, dass er den Vorstand um seine Freigabe bitten werde. Anscheinend hatte er da schon das Signal bekommen, dass ihn der Verein ziehen lässt.

"Über Gründe rede ich nicht. Ich bin stolzer Kapitän und der Verein hat mir nichts in den Weg gelegt. Ich bin sehr, sehr froh, dass ich mit so viel Respekt behandelt werde", sagte van Bommel.

Schon am Vortag soll der Vize-Weltmeister die Verantwortlichen in München um seine Freigabe für den italienischen Tabellenführer gebeten haben, auch Trainer Louis van Gaal soll er umgehend informiert haben.

Distanz zu van Gaal

Doch warum zieht es van Bommel überhaupt weg? Sein Wort hatte in der Mannschaft immer Gewicht, im defensiven Mittelfeld hörten die Kollegen auf seine Kommandos.

Ein Grund für den Absprung ist offenbar Louis van Gaal. Die "Bild" berichtet, van Bommel habe das den Bayern-Bossen auch so deutlich mitgeteilt.

Zwischen den Holländern soll es zuletzt heftig gekracht haben.

Der Chefcoach wollte sich am Dienstagmittag weder zu diesen Vorwürfen noch zur Zukunft van Bommels äußern.

Allerdings gilt das gestörte Verhältnis der beiden Holländer als offenes Geheimnis.

Keine Stammplatzgarantie

"Mein Kapitän spielt immer", hat van Gaal oft betont. Doch diese Stammplatzgarantie mochte er für van Bommel nicht mehr aussprechen.

Mittelfristig plant er mit Toni Kroos und Bastian Schweinsteiger als "Doppel-Sechser".

Auch Neuzugang Luiz Gustavo und Anatoliy Tymoshchuk kommen für diese Position infrage. Van Bommel sah seine Chancen schwinden und fürchtete zudem um den Verlust der Binde.

Gute Aussichten in Italien

Die Perspektive beim AC Mailand sieht für ihn dagegen weitaus besser aus.

Die "Rossoneri" brauchen dringend Verstärkung im Mittelfeld, wo Gennaro Gattuso, Clarence Seedorf, Massimo Ambrosini und Andrea Pirlo derzeit verletzt ausfallen.

Mit Milan könnte er außerdem noch einmal Meister werden, für die Champions League ist er dann jedoch nicht mehr spielberechtigt.

Absage an Wolfsburg

Dem VfL Wolfsburg, der ebenfalls an van Bommel interessiert war, hatte er am Wochenende eine Absage erteilt.

Die Wunschvorstellung, einen Zweijahresvertrag für den Routinier, wollten die "Wölfe" dem Vernehmen nach nicht um jeden Preis erfüllen.

PSV Eindhoven, der Heimatverein von van Bommel, bei dem er gerne seine Karriere beenden möchte, war indes nicht in der Lage, das Gehalt zu stemmen und war deshalb zu keinem Zeitpunkt eine echte Alternative.

So oder so: Der Bayern-Kapitän verlässt München nach viereinhalb Jahren mit erhobenem Haupt.

Für den deutschen Rekordmeister bestritt er 123 Bundesliga-Spiele, schoss elf Tore und wurde je zweimal Meister und Pokalsieger.

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