vergrößernverkleinern
Gegen den HSV feierte Hertha BSC den vierten Heimsieg in Folge © getty

Trotz des vierten Tabellenplatzes sehen sich die Berliner nicht als Spitzenteam. HSV-Coach Martin Jol flüchtet sich in Zynismus.

Von Felix Götz und Andreas Ziepa

München - Nach dem 2:1-Sieg gegen den Hamburger SV steht Hertha BSC auf dem vierten Platz und hätte allen Grund, so richtig euphorisch zu sein.

Die Berliner genießen zwar den Moment, bewahren aber trotz nur einer Niederlage aus den letzten sieben Spielen Bodenhaftung.

"Die erste Halbzeit war schlecht, dann haben wir die Tore gemacht. Aber wir sind kein Spitzenteam. Wir hatten auch Glück", wusste Andrej Voronin das Leistungsvermögen seiner Mannschaft einzuschätzen.

Nur eine Chance in 45 Minuten

Nein, eine Spitzenmannschaft sind die Herthaner noch nicht. Dafür waren sie in den ersten 45 Minuten zu harmlos.

Nur eine Chance durch Voronin in der achten Minute, als der Ukrainer aus zehn Metern freistehend an Frank Rost scheiterte, ist zu wenig.

Der HSV dominierte und ging folgerichtig durch einen herrlichen Fallrückzieher von Mladen Petric (12. Minute) in Führung.

"Wir waren sehr schlecht"

Dabei sah Arne Friedrich schlecht aus. "Das war eine blöde Situation", erklärte der Hertha-Kapitän, nachdem er sich bei einem Einwurf verschätzte.

Auch ansonsten war die extrem defensiv agierende Hertha nicht Herr der Lage. "Ich war froh, dass es zur Pause nur 1:0 stand. Wir waren sehr schlecht", meinte Trainer Lucien Favre.

Krach in der Pause

Hinter verschlossenen Türen krachte es dann richtig. "Wir haben uns gegenseitig in den Arsch getreten", sagte Friedrich. (Spielerportrait)

Ganz offensichtlich: Denn es kam eine ganz andere Mannschaft zurück auf das Feld, obwohl Favre nur Valeri Domovchiyski für Raffael brachte.

Blitzschnell stellte Berlin durch Tore von Cicero (46. Minute) und Domovchiyski (49. Minute) die Partie auf den Kopf.

"Die Mannschaft hat Charakter gezeigt", sagte der stolze Favre. Lange warf man dem Schweizer eine fehlende Handschrift vor, jetzt wird sie sichtbar. Zwar spielt die Hertha meist keinen schönen Fußball, dafür aber einen erfolgreichen.

Bescheidene spielerische Mittel

Favre weiß um die bescheidenen spielerischen Mittel seiner Schützlinge und setzt deshalb auf eine gute Verteidigung.

Im zweiten Durchgang ließen die Berliner, abgesehen von einem Distanzschuss von Jonathan Pitroipa, der in der Nachspielzeit nur an die Latte ging, keine Chance des HSV zu. (Datencenter: Alle Ergebnisse)

Favres Philosophie trägt Früchte

Das Team setzt Favres Vorgaben um und bleibt bescheiden. Das bestätigte auch die Aussage von Pal Dardai, nachdem er erfuhr, dass seine Hertha jetzt auf Platz vier steht. "Aha - weiter arbeiten", sagte der Ungar und ging.

Beim HSV muss man sich derzeit sowieso keine Sorgen übers Abheben machen. Obwohl die Hamburger nach zuletzt blamablen Auftritten in der Fremde diesmal eine ordentliche Leistung boten.

Den Abstieg auf Platz fünf verhinderte das nicht. Dementsprechend bedient waren die Beteiligten.

Jol kritisiert den Schiedsrichter

"Man muss auswärts das zweite Tor machen und dann das Spiel gewinnen", meckerte Trainer Martin Jol.

Außerdem war der Niederländer mit einer Schiedsrichterentscheidung vor dem zweiten Gegentor unzufrieden, als Bastian Reinhardt stehen blieb und Maximilian Nicu vorbeiziehen ließ, weil der Linienrichter die Fahne gehoben hatte.

Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer entschied auf Vorteil und Domowtschski traf zum 2:1.

"Am Ende bin ich der Depp"

"Ich selbst habe ja nicht lange gespielt - vielleicht 17 oder 18 Jahre. Wenn die Fahne oben war, wurde das Spiel unterbrochen", sagte Jol zynisch.

Und Reinhardt ergänzte: "Der Linienrichter hebt die Fahne, aber der Schiedsrichter pfeift nicht. Und am Ende bin ich der Depp."

Allerdings müssen sich die Hamburger auch an die eigene Nase fassen. Richtig gute Torchancen erspielten sie sich kaum, und in den ersten fünf Minuten nach der Pause befand sich die Mannschaft im Tiefschlaf.

Fehlende Konstanz

Es fehlt an Konstanz. Nach Heimsiegen folgen auswärts häufig Niederlagen. In dieser Saison waren es bereits vier Pleiten. Schlechter sind nur Karlsruhe und Hannover.

Gut, dass das Nordderby gegen Bremen nächste Woche in Hamburg steigt. Schlecht, dass dann David Jarolim wegen der fünften Gelben Karte fehlt.

Zurück zur Startseite

Zum Forum - hier mitdiskutieren!

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel