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Schätzen und stützen sich: Torsten Frings (r) und Werder-Coach Thomas Schaaf © imago

Vor dem Spiel gegen Aufsteiger Köln geht Werder mit den Fans auf Schmusekurs - auch, um Trainer Thomas Schaaf zu stützen.

Von Christian Paschwitz

München/Bremen - Es war schon mal ein kleiner Beitrag, um die zuletzt so wenig geschmeichelte Anhängerschaft zu versöhnen.

Eine gute Stunde Zeit nahm sich Werder Bremens Torsten Frings am Freitag Zeit für seinen Internet-Fanclub "Torstens Hühner". Ein ausführliches Foto-Shooting inklusive.

Für das Match gegen Aufsteiger 1. FC Köln bekam der Nationalspieler von seinen elf weiblichen Schwärmern ein Lebkuchen-Herz überreicht. Backwerk von der Basis als Glücksbringer - Frings nahm's dankend an.

Mit dem Austausch netter Gesten und Präsente könnte es jedoch bald vorbei sein, sollte gegen die "Geißböcke" (ab 16.30 Uhr LIVE) wieder kein Sieg gelingen.

Die Stimmung der leidgeprüften, aber in der sportlichen Krise noch immer relativ gefassten Werder-Supporter droht zu kippen.

Selbstzweifel und "Endspiel"

Zu Ungunsten der Mannschaft. Das weiß auch Frings:

"Wir tun alles, um unsere Fans wieder zu versöhnen", sagte der 31-Jährige dem "kicker". "Wir müssen erfolgreich sein. Dann stehen sie wie eine Eins hinter uns."

Auch Trainer Thomas Schaaf ist auf der Hut: "Hier lebt keiner in der Vergangenheit. Ich weiß, wir müssen Erfolge nachweisen, in welcher Form auch immer", sagte der 47-Jährige in der "Bild am Sonntag".

"Klappt es nicht, wird auch in Bremen keine bessere Stimmung herrschen als anderswo."

Nach nur einem Sieg aus neun Pflichtspielen drücken den auf Rang elf abgestürzten Vizemeister (Ergebnisse und Tabelle) Selbstzweifel - und wohl auch die Erkenntnis, dass man bereits vor einem schicksalhaften "Endspiel" steht, dessen Folgen bei einer Niederlage schwer absehbar sind.

Schaaf hat Gesprächsbedarf

"Ich hoffe, dass uns das jetzt weiterbringt", sagte der Coach. "Wir haben diese Woche gut genutzt und sehr viel Arbeit hineingepackt."

Bemerkenswert: Dem Vernehmen nach waren es eher intensive Gespräche mit den Spielern als die Arbeit mit dem Ball. "Kommunikation ist ein ganz wichtiger Bestandteil beim Fußball", so Schaaf kryptisch.

Mehr Dialog für mehr mentale Stärke, soll das wohl heißen. Und für das Ende der Durststrecke, die auch das Fast-Aus in der Champions League kennzeichnet. Das 0:3 gegen Panathinaikos Athen hatte den Werder-Fans ihren jüngsten Besuch im Weserstadion kräftig verhagelt.

Wiese und Pizarro forsch

"Wir sind sehr gespannt, wie wir uns gegen Köln durchsetzen werden. Das ist eine Mannschaft, die bisher jedem Gegner das Leben schwer gemacht hat", gibt sich Schaaf vor dem Kräftemessen mit dem starken Aufsteiger (fünf Siege in den letzten sieben Partien) zurückhaltend.

Den umgekehrten Weg gehen seine Akteure: "Natürlich sind wir Favorit. Drei Punkte sind mal wieder an der Zeit", ließ Torwart Tim Wiese wissen. Stürmer Claudio Pizarro (traf in sechs Spielen gegen Köln sechs Mal) stößt ins gleiche Horn: "Wir sind Favorit. Bei uns geht es aufwärts. Das merkt man im Training."

Doch was nützt Fortschritt beim Trimmen, wenn kaum Zählbares dabei herausspringt wie zuletzt beim 0:0 in Bochum?

Treuebekenntnis von Allofs

Trotzdem: Der gleiche Zwei-Mann-Sturm (Hugo Almeida, Pizarro) bekommt von Schaaf nun eine weitere Bewährungschance - wie der Übungsleiter selbst von Sportchef Klaus Allofs: "Wir sind mit der Arbeit von Thomas Schaaf zufrieden und überzeugt, dass wir schnell positive Ergebnisse erzielen werden."

Ein Treuebekenntnis in der Depression. Viel mehr aber bleibt Schaaf auch nicht. Der personelle Spielraum ist dem Coach sowieso abhanden gekommen: In der anfälligen Abwehr (schon 23 Gegentore) muss Petri Pasanen für Sebastian Boenisch (Faserriss) auf der linken Seite ran.

Sebastian Prödl ersetzt den Finnen rechts. Nationalspieler Clemens Fritz (Muskelfaserriss) fehlt ohnehin. Bedeutet: Gelernte Innenverteidiger sind die einzigen echten Alternativen für Schaafs Außenbahnen.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Bremen: Wiese - Prödl, Mertesacker, Naldo, Pasanen - Baumann - Frings, Hunt - Diego - Pizarro, Almeida

Köln: Mondragon - Brecko, Geromel, Mohamad, Wome - McKenna - Petit, Pezzoni - Vucicevic, Antar, Novakovic

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