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Mit dem Wechsel zum AC Mailand beginnt für den Familienvater ein neuer und wohl letzter Abschnitt seiner ereignisreichen und erfolgreichen Karriere. Sein Ziel: Der Gewinn der italienischen Meisterschaft, die ihm in seiner Sammlung noch fehlt
Mark van Bommel wechselte 2006 vom FC Barcelona zum FC Bayern München © getty

Der Kapitän kehrt dem FC Bayern den Rücken und wechselt sofort zum AC Mailand. Sein Abschied schmerzt - ihn und die Mannschaft.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Plötzlich ging alles ganz schnell.

Ein Anruf seines Beraters Mino Raiola am Sonntagabend - kurz vor dem Einschlafen - schreckte ihn auf - und begeisterte ihn sofort. Der AC Mailand hatte sich gemeldet.

"Milan wollte mich unbedingt", erzählt Mark van Bommel mit Stolz in der Stimme, als er am Dienstagmittag an der Säbener Straße seinen Abschied bekanntgab.

Danach verabschiedete er sich von seinen Teamkollegen, ehe er am Nachmittag nach Mailand flog.

"Es tut sehr weh"

Er gab zu: "Es tut sehr weh, dass ich den Verein jetzt verlasse."

Die Entscheidung für einen sofortigen Wechsel zum italienischen Tabellenführer sei ihm trotzdem nicht schwer gefallen.

Und der Grund liegt auf der Hand: Van Bommel fühlt sich von Trainer Louis van Gaal verraten und letztlich vergrault.

Das Verhältnis zwischen dem Coach und dem "Agressiv-Leader" war seit Wochen gestört.

Warum?

Stück für Stück degradiert

Van Gaal teilte dem 33-Jährigen im Dezember mit, dass er im defensiven Mittelfeld künftig auf Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos beziehungsweise Anatoliy Tymoshchuk und Luiz Gustavo als Alternativen setzen wolle.

Gleichzeitig bedeutete das, dass van Bommel - ähnlich wie zuvor Luca Toni und Martin Demichelis - mit der Rolle des Bankdrückers hätte vorlieb nehmen und außerdem seine Kapitänsbinde an Philipp Lahm abgeben müssen.

Für den Stammspieler und Leitwolf der Mannschaft war das unverständlich und ein Vertrauensbruch. Dass es lautstarke Diskussionen gegeben haben soll, gilt als gesichert.

[kaltura id="0_sep0b9te" class="full_size" title="Van Bommel bittet um die Freigabe"]

Keine Stellungnahme zu van Gaal

Der Niederländer ist jedoch Profi genug, um nicht die Contenance zu verlieren. In seiner Abschiedsrede vermied er jegliche direkte Stellungnahme zu van Gaal und sagte zu seinen Beweggründen:

"Sportlich war die Situation einfach nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Deshalb habe ich überhaupt über einen Wechsel nachgedacht."

Deutlich wurde sein Frust über die Entscheidung des Coaches trotzdem:

"Mit dem Verein habe ich überhaupt kein Problem. Mit Karl-Heinz Rummenigge habe ich ein super Verhältnis, auch mit Christian Nerlinger. Auch mit anderen Leuten, da möchte ich auch Uli Hoeneß besonders hervorheben, habe ich ein gutes Verhältnis", erklärte er.

Van Gaal fehlte in seiner Aufzählung.

"Es ging nur ums Sportliche"

Die Konkurrenzsituation sei nicht ausschlaggebend für seinen Transfer gewesen: "Es ging nur um das Sportliche, andernfalls wäre ich hier geblieben", stellte er mit Nachdruck klar.

"Ich habe keine Angst vor anderen Spielern. Ich bin 33 Jahre alt, seit 1992 Fußballprofi und ich weiß, was ich kann, und was ich nicht kann. Und ich weiß, dass ich Bayern München hätte helfen können."

Van Bommel ergänzte: "Ich habe vollstes Vertrauen zu mir selbst - wenn ich hier geblieben wäre, hätte ich auch gespielt."

Milan-Debüt bereits am Mittwoch?

Auf seine Qualitäten kann sich nun Milan freuen. Die "Rossoneri" müssen derzeit auf die verletzten Gennaro Gattuso, Clarence Seedorf, Massimo Ambrosini und Andrea Pirlo verzichten.

Van Bommel, der einen Vertrag bis Saisonende erhält, könnte bereits am Mittwoch im Pokal gegen Sampdoria Genua (ab 17.30 Uhr im LIVESTREAM) sein Debüt feiern.

"Ich nehme die große Herausforderung an, mit dem AC Mailand Italienischer Meister zu werden. Und ich bin immer noch völlig überzeugt von mir, deshalb habe ich jetzt diesen Schritt gemacht."

Gedanklich hat sich der Routinier ohnehin seit dem Vertrauensbruch mit dem Weggang vom Rekordmeister öfter beschäftigt.

Van Bommel schwelgt in Erinnerungen

Am Dienstag schwelgte er aber mit Glanz in den Augen noch einmal in Erinnerungen:

"Die schönen Dinge bleiben natürlich immer hängen. Da denke ich zuerst an die vielen Titel, die ich hier gewonnen habe, dass ich hier Kapitän geworden bin. Und ich denke, dass man bei einem so großen europäischen Verein nichts Schöneres erreichen kann."

Wo er den FC Bayern in dieser Saison im Vergleich zur vergangenen Spielzeit sehe, wollte noch jemand wissen.

Van Bommels Antwort: "Es macht keinen Sinn zurückzublicken oder vorauszuschauen. Um es ganz einfach zu sagen: Das ist jetzt nicht mehr meine Sache."

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