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Bayern-Dribbler Franck Ribery erlebte einen harten Arbeitstag - ohne vollen Ertrag © getty

Die Bayern ärgern sich über das Unentschieden gegen Gladbach und rätseln über drei irre Minuten. Gladbach genießt ein "Bonbon".

Von Mathias Frohnapfel

München/Mönchengladbach - Miss Marple hätte den FC Bayern längst durchleuchtet.

"Zwei Indizien sind ein Beweis", lässt Agatha Christie ihre berühmte Detektivin sagen, wenn sie Fälle löst.

Beim Deutschen Meister aus München gibt es sogar drei Beweise für ein Verbrechen - zumindest aus Sicht des FCB.

Die Bayern verspielten auch am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach eine 2:0-Führung. Zwei Treffer genügten dem Starensemble nicht - genauso wie gegen Hamburg (2:2) und gegen Bochum (3:3).

77 Minuten alles nach Plan

Dabei lief 77 Minuten alles nach Plan.

Die Bayern führten nach einer Leistung, die sich bis dahin durchaus als ordentlich bezeichnen ließ. Wie selbstverständlich hatten die Helden der Vorsaison, Luca Toni (21.) und Franck Ribery (Foulelfmeter, 65.), ihre Pflicht erfüllt.

Drei Minuten Tiefschlaf

Dann aber legte sich die Münchner Abwehr drei Minuten schlafen, während Rob Friend (78.) und Michael Bradley (81.) auf leisen Sohlen zum Ausgleich schlichen.

Beim 1:2 durfte Friend unbedrängt köpfen. Drei Münchner Profis, darunter Abwehr-Chef Martin Demichelis, schauten zu.

Und beim 2:2 gab Alexander Baumjohann das vorentscheidende Zuspiel auf Roberto Colautti, der Bradley bediente. Der Argentinier Jose Ernesto Sosa schien zuvor Baumjohann mehr zu eskortieren als anzugreifen.

"Das darf nicht passieren"

Entsprechend gequält beantworteten die Bayern die Fragen nach dem bitteren Remis, das sie sich selbst eingebrockt hatten.

"Das ist sehr ärgerlich und darf einer Spitzenmannschaft nicht passieren", grantelte Philipp Lahm.

Und Bastian Schweinsteiger gab zu: "Nach dem 2:0 haben alle gedacht, es wäre schon aus."

Karl-Heinz Rummenigge hatte das ähnlich beobachtet. Der FCB-Vorstandschef trauerte der "Chance zum dritten, vierten Tor" hinterher und mäkelte: "Vielleicht war sich die Mannschaft ein Stück zu sicher."

Klinsmann genervt

Ratlos wie nach den verrückten zwei Minuten gegen Bochum betrachteten die Münchner die Scherben einer verschenkten Partie. Rummenigges Erklärung: "Wir haben zu wenig getan, um das Spiel sicher nach Hause zu schaukeln."

Jürgen Klinsmann hob sich die Fehler-Analyse lieber für die nächste Teamsitzung auf. Er nannte das Remis lediglich "sehr, sehr ärgerlich".

Die Kleinen ärgern den FCB

Derweil analysierte im TV-Studio sein Vorgänger Ottmar Hitzfeld die Partie.

Er hatte "individuelle Fehler" in der Abwehr gesehen und bemerkte, dass es schon auffällig sei, wie schwer sich die Roten gegen schwächere Gegner tun.

"Gegen diese Mannschaften hat man vielleicht am Schluss 10, 20 Prozent Konzentration vermissen lassen."

Wer kommt auf Leihbasis?

Vorm Anpfiff war Hitzfeld noch die Bemerkung entschlüpft, dass er am Tag zuvor mit Bayern-Manager Uli Hoeneß telefoniert habe. Das Thema: ein Spieler, den die Bayern ausleihen wollen.

Gut möglich, dass dieser Profi ein Defensivspezialist ist.

Zu sehr knirscht es noch im einstigen Bayern-Bollwerk. 20 Gegentreffer nach 13 Spieltagen, das ist nur eins weniger als in der gesamten Vorsaison.

Meyer: Ein Bonbon im Abstiegskampf

Den Gladbachern dürften diese Statistiken herzlich egal sein.

Die Borussia erfreute sich an ihrem Kämpferherz und der Erkenntnis, dass sich "Fighten bis zum Schluss" lohne, so Keeper Uwe Gospodarek. Trainer Hans Meyer genoß ein "Bonbon in unserem schweren Kampf gegen den Abstieg".

Und die Bayern? Werden weiter über die vermaledeiten Spielminuten 78 bis 81 rätseln.

Allerdings gab sich Keeper Michael Rensing nach zuvor fünf gewonnenen Liga-Spielen in Serie kämpferisch.

"Das ist kein Weltuntergang. Drei Punkte kann man in einem Spiel geraderücken", urteilte der Bayern-Keeper vorm nahen Hinrunden-Finale gegen die Rivalen aus Leverkusen und Hoffenheim.

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