vergrößernverkleinern
Lukas Podolski (l.) und Milivoje Novakovic haben zwölf von 22 Kölner Toren erzielt © getty

Beim 1. FC Köln herrscht nach der Pleite von Hamburg wieder einmal Ratlosigkeit. St. Pauli freut sich auf das Hamburger Derby.

Hamburg - Auf dem Platz fehlten ihm die Antworten, in den Stadionkatakomben stellte Lukas Podolski die Charakterfrage.

"Das war eine desolate Leistung. Wir müssen uns alle hinterfragen, ob wir genug tun, um in der Liga zu bleiben. Wir sind von der ersten bis zur letzten Minute nicht ins Spiel gekommen", schimpfte der Kapitän des 1. FC Köln nach der 0:3 (0:2)-Pleite im Kellerduell beim FC St. Pauli. 343547(DIASHOW: Der 20. Spieltag)

Erst nach dem Abpfiff kam der Nationalspieler richtig in Fahrt: "Wir können uns bei Michael Rensing bedanken, dass wir nicht noch höher verloren haben."

Die Feierlaune vom 3:0-Sieg gegen Werder Bremen in der Vorwoche war verflogen, Katerstimmung machte sich breit.

Lehrbeispiel für Abstiegskampf

Die Bilanz von 3:30 Torschüssen dokumentierte den Spielverlauf. Die Kölner waren dem direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt in allen Belangen unterlegen.

"St. Pauli hat uns ein Lehrbeispiel dafür gegeben, wie man in so einem Abstiegsduell auftreten muss", sagte FC-Trainer Frank Schaefer zu SPORT1: "Das ist eine ganz bittere Niederlage, die uns zurückwirft. An manchen Tagen gibt es nichts zu beschönigen. Wir sind überrollt worden."

Kein Spielwitz, keine Gegenwehr, keine Leidenschaft - viel zu wenig für den Abstiegskampf.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Während die Hamburger von Beginn an mächtig aufs Gaspedal drückten, suchte man bei den Kölnern noch den ersten Gang.

Rensing verhindert Schlimmeres

Schaefer stellte trotz des Rückschlags fest: "Wir haben diese Saison nicht die Konstanz, aber wir haben aus den letzten elf Spielen 14 Punkte geholt. Wenn es so weitergeht, langt es."

Zunächst konnten die Gäste St. Paulis Angriffswelle noch abwehren, nach dem Doppelschlag von Charles Takyi (30. und 35.) brach beim FC dann alles zusammen.

Schon vor der Pause hätte es ein Debakel geben können. Nach dem Seitenwechsel ging Kölns grausamer Nachmittag weiter. Einzig Torhüter Rensing verhinderte Schlimmeres.

Beim schmeichelhaften Foulelfmeter, den Florian Bruns zum Endstand verwandelte (76.), war jedoch auch der Keeper machtlos. Die Rheinländer taugten allenfalls zum Aufbaugegner für St. Pauli.

St. Pauli mit breiter Brust ins Derby

Nur eines von elf Spielen hatten die Hamburger vor dem Erfolg am Samstag gewonnen. Nun gelang ausgerechnet vor dem Stadtderby am kommenden Wochenende beim Hamburger SV der Befreiungsschlag.

"Das war gut für die Seele. Jetzt geht es mit breiter Brust gegen den HSV", kündigte Mittelfeldspieler Fin Bartels an.

"Mit fünf Punkten aus den ersten drei Spielen sind wir gut in die Rückrunde gekommen. Jetzt freuen wir uns auf ein geiles Derby", meinte Fabian Boll.

Und Doppel-Torschütze Takyi sagte zuSPORT1: "Wir haben gezeigt, dass wir 90 Minuten unser Spiel spielen können, das war nicht immer so. Wir haben noch viele schwere Spiele vor der Brust, aber ich bin für den Rest der Saison optimistisch."

Asamoah wieder voll im Saft

Und Innenverteidiger Ralph Gunesch sprach gar davon, im Abstiegskampf ein Zeichen gesetzt zu haben.

Der unermüdliche Kämpfer Gerald Asamoah betonte bei SPORT1: "Ich fühle mich in der Spitze wohl und bin auch persönlich besser drauf als in der Vorrunde, als ich die Vorbereitung verpasst hatte."

Stanislawski bleibt nüchtern

Trainer Holger Stanislawski wollte den höchsten Bundesliga-Sieg seit über neun Jahren hingegen nicht überbewerten.

"Wir haben da weitergemacht, wo wir nach 60 Minuten gegen Hoffenheim aufgehört haben. Die Leistungskurve zeigt in die richtige Richtung", sagte der Coach, schob aber sofort nach.

"Es gibt keinen Grund zur Euphorie. Wir wissen, wie das Bundesliga-Geschäft funktioniert, und können diesen Sieg einordnen."

Kessler mit dem Herzen in Köln

Für einen Hamburger war die Begegnung vor allem eine emotionale Herausforderung. St. Paulis Torhüter Thomas Kessler ist gebürtiger Kölner und noch bis 2013 an den FC gebunden. Bei den Hanseaten spielt der Keeper nur auf Leihbasis.

"Natürlich ist der 1. FC Köln in meinem Herzen. Ich drücke ihnen die Daumen, dass sie die Klasse halten", sagte der Schlussmann: "Aber das ist für mich momentan alles ganz weit weg. Ich bin dankbar, dass ich bei St. Pauli meine Chance bekommen habe."

In der 15. Minute rettete Kessler gegen den heranstürmenden Milivoje Novakovic. Es war Kölns stärkste Szene - eingeleitet von Podolski. Dann tauchte der Angreifer ab und erst nach dem Abpfiff wieder auf.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel