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Thomas Müller hält sich die Kehle, während Anatoliy Tymoshchuck Arjen Robben wegzieht © getty

Der FCB-Superstar verpasst nach dem Sieg in Bremen Teamkollegen Thomas Müller einen Hieb. Seine Rechtfertigung ist gewagt.

Von Mathias Frohnapfel

München/Bremen - Die Explosion war kurz, aber gewaltig.

Die Bayern feierten vor der Fankurve gerade den 3:1-Sieg in Bremen, während Arjen Robben ausflippte.

Der Superstar sprintete auf Thomas Müller los, packte den Mitspieler an der Gurgel und verpasste ihm einen Hieb 344108(die Bilder).

Und Müller?

Er war über die Attacke derart perplex, dass ihm sogar Mario Gomez und Anatoliy Tymoshchuk zur Hilfe eilen mussten. Sie trennten die Streithähne, der Dauerclinch zwischen Robben und Müller dürfte damit aber noch lange nicht zuende sein.

Noch ist unklar, ob Robben eine Geldstrafe erwartet.

Denn Louis van Gaal erging es wie den meisten im Weserstadion. Dem Bayern-Trainer war die Blitzattacke von Robben schlichtweg entgangen.

"Ich habe das nicht gesehen", bekannte der 59-Jährige, ehe er sich bemühte, den teaminternen Boxkampf herunterzuspielen.

Schließlich hatten die Bayern gerade ihre Erfolgsserie ausgebaut, das dritte Pflichtspiel in Folge gewonnen, dabei zwölf Tore geschossen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"In Holland ist es üblich, dass wir miteinander streiten und sagen, was wir zu sagen haben. Das ist eine andere Kultur in Deutschland", meinte van Gaal.

Robben und Müller im Dauerstreit

Doch auch er räumte ein: "Ich denke, dass alles mit Respekt geschehen muss." Den ließen Robben und Müller bereits während der Partie vermissen.

Denn Bayerns hitzköpfiger Holländer und Müller ließen keine Gelegenheit aus, um sich gegenseitig zu maßregeln.

[kaltura id="0_2lpxgizb" class="full_size" title="Doppelpass Robbens Attacke in der Diskussion"]

Müller fuchtelte wild mit den Armen, als Robben ihn nicht nur bei einer Großchance übersah. Und einen verschossenen Freistoß des Solokünstlers kommentierte der 21-Jährige mit einem abfälligen Winken.

Der Vize-Weltmeister legte seinerseits den Finger auf den Mund, "Klappe halten", sollte das heißen.

"Nicht so schlimm"

"Solche Dinge passieren auf dem Platz. Wir gewinnen und wir verlieren zusammen", meinte Robben anschließend. "Das war nicht so schlimm, wir werden aber auch noch darüber reden."

Und er fügte an: "Ich hasse es, wenn Mitspieler ihre Hände ständig nach oben reißen und sich beschweren. Das ist respektlos. Wir sind ein Team."

Eine Entschuldigung für seinen Aussetzer, der abseits der TV-Kameras stattfand, war das nicht.

Auf die teaminterne Harmonie hatte Robben, Torschütze zum 1:1, ungefähr so viel Wert gelegt wie Bremens Keeper Tim Wiese auf Müllers Gesundheit bei seinem Kung-Fu-Tritt 343547(DIASHOW: Der 20. Spieltag).

Bayerns Hierarchie noch ungeordnet

Schon in der Halbzeit hatte Robben vehement mit Schweinsteiger diskutiert, Thema dürfte auch da sein Eigensinn gewesen sein.

Das Machtvakuum bei den Roten ist nach dem Wechsel von Kapitän Mark van Bommel zu Milan so deutlich zu sehen wie die Alpen in München bei Föhn.

Der neue Anführer Philipp Lahm, geschult in der hohen Schule der Diplomatie, tat derweil am Samstagabend im Bauch des Weserstadions alles, um die Gemüter zu beruhigen.

"Wir werden das ansprechen, aber intern drüber reden", versicherte der Nationalspieler.

"Das Wichtigste war, dass über 90 Minuten eine Mannschaft auf dem Platz stand, die unbedingt gewinnen wollte."

Schiedsrichter übersehen Faustkampf

Der Dreier in Bremen tat den Bayern im Rennen um Rang zwei sehr gut, zumal Konkurrent Leverkusen gegen Hannover ebenfalls gewonnen hatte.

Lahm forderte daher ebenso wie Sportdirektor Christian Nerlinger eine "ruhige Vorbereitung" auf das Spiel beim 1. FC Köln am kommenden Samstag.

"Wichtig ist, dass wir unseren Kurs fortsetzen und mal eine Serie hinlegen. Dann können wir unsere Ziele noch verwirklichen."

Die Folgen von Robbens Keilerei mit Müller sind indes noch nicht absehbar.

Zumindest von Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer und dessen Assistenten droht Bayerns Flügelflitzer kein Ärger. Die Unparteiischen hatten den Zoff nicht mitbekommen und dementsprechend keinen Bericht verfasst.

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