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Arjen Robben (2.v.l.) wechselte 2009 von Real Madrid zum FCB © getty

Robbens Attacke auf Müller zeigt, dass die FCB-Hackordnung beschädigt ist. Das liegt nicht nur am Weggang von van Bommel.

Von Mathias Frohnapfel

München - An Arjen Robben haften zahlreiche Etiketten.

Die meisten davon sind ziemlich schmeichelhaft für den Niederländer: Er ist Bayerns Superstar, die Lebensversicherung des Rekordmeisters und Mr. Hundertprozent beim Vollstrecken von Elfmetern.

Jetzt ist ein neues Attribut hinzugekommen: Der 26-Jährige gilt nach der Attacke auf Thomas Müller 344108(die Bilder) als erster Faustkämpfer der Roten.

Ein "Aggressivleader", allerdings im höchst zweifelhaften Sinn.

Dass Robben nach seinem Aussetzer auch noch Müller kritisierte, verbesserte seine Position nicht.

"Man soll nicht mit den Händen gestikulieren. Ich hasse das", schimpfte er: "Wir müssen ein Vorbild sein, dürfen es uns nicht schwieriger machen als es ist."

Am Montag sah Robben in der Sendung "Blickpunkt Sport" des "Bayrischen Rundfunks" die Situation schon wieder deutlicher entspannter.

"So etwas passiert in einer Mannschaft", sagte Robben: "Ich hätte das nicht auf dem Platz tun sollen, so was regelt man in der Kabine. Das war nicht sehr schlau. Aber wir haben geredet und sind wieder Freunde."

Auch für Müller "die Sache erledigt", wie er der "Bild"-Zeitung bestätigte.

"Die Mannschaft lebt"

Ehren-Präsident Franz Beckenbauer findet den Disput halb so schlimm: "Die Mannschaft lebt und die 'Spielsucht' ist wieder da. Keiner versteckt sich mehr, jeder will den Ball. Das ist ein gutes Zeichen."

Auseinandersetzungen seien ganz normal und gehören zum Fußball, so der "Kaiser" zu SPORT1.

Auf dem Platz bewies der Niederländer nach seiner langen Verletzungspause eindrucksvoll seine Klasse.

Gegen Kaiserslautern, Aachen und beim 3:1-Sieg in Bremen hat Robben getroffen und mit seinen Dribblings Riesenlücken für die Mitspieler gerissen.

Blick für Mitspieler fehlt

Dass es heißt, ohne ihn sei der FCB nur die Hälfte wert, nervt die Kollegen dennoch - genauso wie Bastian Schweinsteiger und Müller seine Sololäufe nicht immer zum In-die-Hände-Klatschen finden.

[kaltura id="0_2u3i1ltl" class="full_size" title="Beckenbauer zum Robben M ller Disput"]

Zu oft will der extrem ehrgeizige Robben mit dem Kopf durch die Wand - ohne Blick für den Nebenmann.

Seine halbjährige Verletzungspause hat an Robbens Strahlkraft als Solokünstler nichts geändert. Sportdirektor Christian Nerlinger nannte ihn nach dem Lautern-Spiel "weltklasse".

Hackordnung wackelt

Jetzt wird er gemeinsam mit FCB-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und Trainer Louis van Gaal sich über eine (Geld-)strafe für Robben Gedanken machen müssen.

Dabei gibt es außer Franck Ribery kaum einen Spieler beim FCB, der so sehr hofiert wird.

Doch Robbens Ausraster in Bremen war alles andere als beispielhaft und zugleich Beleg dafür, dass beim FC Bayern die Hierarchie ziemlich wackelt.

Der unumstrittene Kapitän Mark van Bommel hat es vorgezogen, zum AC Milan über die Alpen zu fliehen, als sich von van Gaal im Saisonverlauf die Binde nehmen zu lassen.

Über die Pointe, dass van Bommel im ersten Liga-Spiel für seinen neuen Klub mit Gelb-Rot vom Platz flog, können die Bayern nicht lachen. Zu sehr ist das eigene Gefüge durcheinander geraten.

Lahm: "Schweinsteiger ein guter Mitkapitän"

Philipp Lahm muss sich in die neue Kapitänsrolle erst einfinden.

Bastian Schweinsteiger geht lieber auf dem Platz voran, ist außerhalb aber eher jemand, der ruhige Töne anschlägt.

Und Keeper Jörg Butt, lange ein wichtiger Vermittler im Team, sitzt aktuell auf der Bank.

"Basti Schweinsteiger ist ein guter Mitkapitän. Auf dem Platz ist er der Chef. Es ist wichtig, dass ein Spieler im zentralen Mittelfeld die Kommandos gibt", beschreibt Lahm im "kicker" die neue Hierarchie bei den Bayern.

Hitzfeld warnt

Klingt harmonisch. Doch die Experten sehen Probleme auf die Münchner zukommen.

Ottmar Hitzfeld schwante gegenüber SPORT1 schon vor dem Rückrundenstart Böses, als sich die aktuelle Entwicklung abzeichnete.

"Es besteht schon eine gewisse Gefahr darin, dass es zu Probleme innerhalb des Teams kommt, wenn Leistungsträger wie Jörg Butt, die Verantwortung übernommen haben, nicht mehr im Team sind", sagte der Ex-Bayern-Coach.

Zu große Freiräume?

Aktuell sind scheinbar die Freiräume für die Profis gewachsen, wer wem was zu sagen hat, scheint nicht mehr klar geregelt.

Zudem ist van Gaal durch die jüngsten Aussagen von Uli Hoeneß und Christian Nerlinger geschwächt.

Jetzt droht, dass die teaminternen Gruppen, die es ja nicht nur in München, sondern in jedem Team gibt, an Einfluss gewinnen.

Bei Bayern hat die Fraktion um Lahm und seinen Stellvertreter Schweinsteiger das Sagen. Und die Beiden können laut Sportdirektor Christian Nerlinger "gut miteinander."

Hinzu kommen Thomas Müller und Holger Badstuber.

Van-Bommel-Nachfolger gesucht

Arjen Robben hat indes durch den Abgang von Landsmann van Bommel einen wichtigen Verbündeten verloren. Auf dessen Wechsel hat er professionell reagiert.

"Wir müssen das jetzt auffangen und zusammen machen. Jetzt müssen andere Spieler aufstehen", sagte Bayerns Flügelflitzer.

Seinen Boxhieb gegen Müller dürfte Robben damit nicht gemeint haben.

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