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Shinji Okazaki erzielte für Japan im Asien-Cup drei Treffer © getty

Bei den Schwaben fiebern alle auf das Eintreffen von Shinji Okazaki hin. Auch der SC Freiburg drückt den Stuttgartern die Daumen.

Stuttgart - Pavel Pogrebnyak zog die Mundwinkel nach unten und schaute melancholisch zu Boden.

"Wenn ich auf die Tabelle blicke, erfasst mich eine tiefe Traurigkeit", sagte der Stürmer des abstiegsbedrohten Bundesligisten VfB Stuttgart. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Auch nach dem 0:1 gegen den SC Freiburg, der ersten Heimniederlage im baden-württembergischen Derby seit 17 Jahren, belegt der VfB Abstiegsplatz 17 - und über dem Klub, dem ganzen Schwabenland liegt eine bleierne Schwere.

"Uns fehlt die Leichtigkeit", sagte Präsident Erwin Staudt. Sportdirektor Fredi Bobic betonte, "dass man der Mannschaft die schwere Situation anmerkt".

Hoffnung macht einzig Okazaki

Doch es gibt noch Hoffnung, dass der zweite Abstieg nach 1975 vermieden wird. Und die Hoffnung hat seit Sonntag einen Namen: Shinji Okazaki.

"Oft ist es so, dass Leute, die von weit weg kommen, frisch, frei und fröhlich spielen können, weil sie nicht wissen, was hier los ist", sagte Bobic über den neuen Mann aus Japan, der dem überraschungsarmen Spiel des VfB Schwung verleihen soll.

Okazaki sei wie Namensvetter Shinji Kagawa, der in der Hinrunde die Fans von Borussia Dortmund verzaubert hatte, "in der Offensive variabel einsetzbar" und passe "gut in unser System", sagte Bobic. 343547(DIASHOW: Der 20. Spieltag)

Vorgriff auf nächste Saison

Trainer Bruno Labbadia hat für den 24-jährigen Nationalspieler, der mit drei Toren half, den Asienpokal nach Japan zu holen, wohl die linke Mittelfeldseite vorgesehen, wo er die Ideallösung noch sucht.

"Die Verpflichtung ist eigentlich ein Vorgriff auf die nächste Saison. Aber wenn er uns jetzt schon hilft - umso besser", sagte Labbadia.

Dumm nur, dass Okazaki im so wichtigen Spiel am Samstag gegen Schlusslicht Borussia Mönchengladbach noch fehlen wird und erst in der Woche darauf beim 1. FC Nürnberg im Kader stehen soll.

Bobic: "Mannschaft hat die Qualität"

Die Niederlage gegen Freiburg hatte er noch von der Tribüne aus verfolgt, ehe er zurück nach Japan reiste - nicht, weil ihm das Gesehene Angst machte, sondern, um seinen neugeborenen Sohn zu sehen.

Bobic hält aber ohnehin nicht so viel davon, Okazaki zum Heilsbringer zu stilisieren. "Es gibt keinen Zauberstab und es ist unfair zu sagen, dass mit einem Neuen gleich alles besser wird. Die Mannschaft, die auf dem Platz stand, hat die Qualität", sagte er.

Gegen Freiburg war es dem VfB aber lange gelungen, diese angebliche Qualität zu verbergen. "Sehr schlecht" fand Bobic die erste Halbzeit, in der Stuttgart anders als zuletzt nicht mehr "aggressiv nach vorne verteidigt" habe. Johannes Flum bestrafte das mit seinem Tor in der 24. Minute.

Harnik hat keine Erklärung

Dass sich Bobic dennoch "nicht in die Hosen" macht, wie er betonte, lag an der zweiten Halbzeit. Stuttgart wehrte sich, erspielte sich Chancen, belohnte sich aber nicht mehr.

Weil Schiedsrichter Jochen Drees nach einem Handspiel von Heiko Butscher den fälligen Strafstoß verweigerte (82.), und weil Martin Harnik statt des leeren Tores den Außenpfosten traf (89.).

Während Labbadia sich über Drees ärgerte, rang Harnik nach Worten. "Da kann man nicht von Pech sprechen, ich kann mir nicht erklären, wie ich den nicht reinmachen konnte", sagte er.

Dutt will weitere Derbys

Bobic erkannte trotz des Rückschlags eine Weiterentwicklung. Seit Labbadia das Kommando führe, spiele der VfB "strukturierter, griffiger, zweikampfbetonter als vorher", sagte er.

Nun sei es aber "an der Zeit, dass wir auswärts einen Dreier holen". Denn, so betonte Christian Gentner: "Keiner im Stadion oder in der Region kann sich vorstellen, dass der VfB absteigt."

Nicht einmal Robin Dutt. "Ich hoffe, dass wir auch nächstes Jahr das Derby spielen", sagte der Freiburger Trainer, der zugab, dass seine Mannschaft nach guter erster Hälfte "sehr viel Glück gehabt" habe.

Glück und Geschick haben den SC bis auf einen Punkt an Platz fünf und die Europa League herangeführt. "Es gibt keinen Grund, jetzt anzufangen zu träumen", sagte Kapitän Butscher, "aber es macht schon Spaß da oben. Wir würden gerne da bleiben."

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