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Reizklima Bundesliga: Hier motzt BVB-Coach Jürgen Klopp (2.v.r.) über die Referees © imago

Ein Runder Tisch soll das vergiftete Klima zwischen Bundesliga und Schiris bereinigen. Doch mancher Experte hat genug vom Dialog.

Von Christian Paschwitz

München - Es ist wieder mal ein Versuch - ob der Krisengipfel diesmal was bringt, erscheint allerdings fraglich.

Immerhin: Ein hochkarätig besetzter Runder Tisch, unter anderen mit DFB-Schiedsrichter-Boss Volker Roth, DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus sowie den Bundesliga-Vertretern Uli Hoeneß (FC Bayern), Rudi Völler (Leverkusen) und Klaus Allofs (Bremen) soll am Montag das wie selten vergiftete Klima in der Bundesliga bereinigen.

Allerdings sind es wieder einmal nur die Funktionäre, die versuchen, die erhitzten Gemüter zu beruhigen und Frieden zu stiften.

Wer hingegen fehlt, sind die eigentlichen Protagonisten aus sich gegängelt fühlenden Spielern, Schiedsrichter, die mit Platzverweisen und Gegenkritik immer öfter zu drastischen Mitteln greifen, sowie motzenden Trainern.

Kollers "Klosterschüler"

Wie zum Beispiel Bochums Marcel Koller, der erst am Freitag nach dem Spiel in Hannover (1:1) wegen ständigen Reklamierens von Michael Kempter auf die Tribüne geschickt wurde. Und sich hinterher beklagte: "Wenn man sich nicht mehr aufregen darf und wie ein Klosterschüler da sitzen muss, dann ist es besser, wir hören auf."

Erst wenige Tage zuvor waren Dortmunds Robert Kovac (15.000 Euro), sein Trainer Jürgen Klopp (12.000 Euro) und Werder Bremens Stürmer Claudio Pizarro (3000 Euro) wegen ihrer Schiedsrichter-Schelte mit hohen Geldstrafen belegt wurden.

Die Wogen glätten in diesen Wochen voller Beschimpfungen und Bestrafungen soll nun ausgerechnet eine neuerliche Zusammenkunft in München: Wenngleich die Generalaussprache für manchen einmal mehr nur ein Lippenbekenntnis bleiben wird.

Diskussion nützt nichts

"Was jetzt hilft, ist kein Runder Tisch mit allen Beteiligten. Davon hat es in den letzten Jahren viel zu viele gegeben", monierte Günter Netzer in der "Bild am Sonntag". Was allein helfe, seien klare Ansagen an Trainer und Spieler: "Es nützt nichts mehr, wenn immer weiter diskutiert wird."

Theo Zwanziger dagegen sieht erhöhten Gesprächsbedarf zwischen allen Beteiligten: "Die Alternative wäre, wir reden gar nicht mehr darüber und nehmen es hin", so der DFB-Präsident, der in der "Welt am Sonntag" nachlegte:

"Wenn ich sehe, was in den Stadien passiert, wundere ich mich manchmal, dass es überhaupt noch Menschen gibt, die Schiedsrichter werden wollen."

Zwanziger schaltet sich ein

In dem Reizklima nimmt Zwanziger allerdings auch die Referees in die Pflicht: "Ich wünsche mir Schiedsrichter, die gelassen sind, das Spiel laufen lassen und sich selbst nicht inszenieren."

Netzer stellt den Strafenkatalog über den Dialog: "Es geht darum, dass Spieler und Trainer klare Verhaltensmaßregeln an die Hand bekommen. Diese Auswüchse sind leider nur noch über Geldstrafen oder Rote Karten zu regeln."

Für ein härteres Durchgreifen plädiert auch Bayern-Präsident Franz Beckenbauer: "Wenn ich Schiedsrichter wäre und so angemacht würde - der Betreffende würde sofort vom Platz fliegen. Wir müssen den Beteiligten mehr Respekt beibringen. Mit Roten Karten!"

Was macht Fandel?

Zunächst aber soll noch einmal Klartext gesprochen werden. Mit dabei ist auch FIFA-Schiedsrichter Herbert Fandel.

Auf die Meinung des Kyllburgers darf man gespannt sein beim zweiten Runden Tisch. Denn: Bei dessen Erstauflage im Frühjahr hatte Fandel bereits durchblicken lassen, dass es wenig helfe, wenn die auffälligen Spieler und Trainer jedes Mal nur außen vorbleiben.

Bislang hat er Recht behalten.

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