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Ali Karimi (M.) erzielte in 33 Bundesliga-Spielen für Bayern drei Tore © imago

Bei Bayern blieb Ali Karimi der Durchbruch verwehrt. Nun darf der "Maradona Asiens" sich auf Schalke noch mal bewähren.

Von Christian Stüwe

München - Man kann nicht gerade behaupten, dass Ali Karimi in der Bundesliga bedeutende Spuren hinterlassen hätte.

In 42 Pflichtspielen lief der Iraner zwischen 2005 und 2007 für den FC Bayern München auf, er erzielte vier Treffer und bereite weitere vier vor.

Das Tempo in der Bundesliga schien zu hoch für den "Magier von Teheran", der offensive Mittelfeldspieler offenbarte zudem Mängel im Defensivverhalten.

Der heute 32-Jährige wechselte nach Katar, dann zurück in den Iran zu Steel Azin (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Dort sollte er im vergangenen Sommer aus dem Team geworfen werden, weil er gegen das Fastengebot des Ramadans verstoßen hatte.

Dies war so ziemlich die einzige Neuigkeit, die man von Karimi in den letzten Jahren gehört hatte, die letzte Aktualisierung seiner Homepage datiert vom 17. März 2006.

Fußball-Deutschland hatte Karimi fast schon vergessen, als Felix Magath am Montag für den Paukenschlag sorgte und den "Maradona Asiens" völlig überraschend bis Saisonende zu Schalke holte.

Magaths Problemlöser

"Ich freue mich, dass wir bis Saisonende noch einen erfahrenen Spieler hinzubekommen", erklärte Magath.

"Im Moment haben wir Probleme, das Spiel aus dem Mittelfeld in den Angriff zu tragen. Karimi ist ein sehr guter Fußballer und kann uns in dieser Beziehung helfen", sagte der Schalker Trainer weiter.

Karimis früherer Bayern-Weggefährte Valerien Ismael beurteilt die Verpflichtung im Gespräch mit SPORT1 durchaus positiv.

Ismael: "Spielerisch hervorragend"

"Spielerisch ist er ein hervorragender Spieler mit einem riesigen Potenzial", sagte der Franzose:

"Allerdings ist er auch schon 32 Jahre alt und da ist entscheidend, in welchem Fitnesszustand er sich befindet. Sollte er die Leistung abrufen, wie damals in München, ist er mit Sicherheit eine Verstärkung."

Das Vertrauen in Karimis Qualitäten scheint bei Magath so groß zu sein, dass der Iraner sich künftig das königsblaue Trikot mit der Nummer "10" überstreifen wird.

Und Magath kennt die Qualitäten und Defizite des langhaarigen Dribblers sehr genau, schließlich war er es, der in seiner Zeit als Bayern-Trainer den Iraner nach Deutschland holte.

[kaltura id="0_hb0i715z" class="full_size" title="Magath holt Karimi und Charisteas"]

Im Oktober 2004 machte Karimi erstmals in Deutschland auf sich aufmerksam, als er bei einem Länderspiel des "Team Melli" gegen die DFB-Auswahl in Teheran trotz einer 0:2-Niederlage eine starke Leistung zeigte.

Obwohl die Bayern-Scouts angeblich Bedenken wegen der athletischen Fähigkeiten des 1,78 Meter großen Karimis hatten, wurde er im folgenden Jahr unter Vertrag genommen.

"Müssen Geduld haben"

"Wir müssen Geduld mit ihm haben. Es wird Zeit brauchen, um sich an das Tempo zu gewöhnen. Aber ich bin mir sicher, wenn er hart trainiert, wird er ein außergewöhnlicher Bundesliga-Spieler", sagte Magath damals.

Für Mohammad Ali Karimi Pashakim, wie Karimi mit vollem Namen heißt, war es bis zu seinem Wechsel in die Bundesliga immer nur bergauf gegangen, seit er in den Straßen seiner Geburtsstadt Sharyar mit einem Plastik-Fußball zu spielen begonnen hatte.

Asiens Fußballer des Jahres 2004

Im iranischen Nationalteam debütierte er 1998, 2004 wurde er Torschützenkönig beim Asien-Cup und Asiens Fußballer des Jahres. Wegen seiner Dribblings und Bewegungen wurde ihm der Spitznamen "Maradona Asiens" verpasst.

Und auch in München startete er durchaus verheißungsvoll. Am zweiten Spieltag der Saison 2005 beorderte ihn Magath in Leverkusen ins linke Mittelfeld seiner Startelf.

Ein Tor erzielte er selber, ein weiteres legte er für Roy Makaay auf. Die Bayern gewannen 5:2, Karimi war einer der besten Spieler auf dem Platz.

Auch wenn er danach nicht an sein starkes Debüt anschließen konnte, brachte Karimi es auf immerhin 20 Einsätze in der ersten Saison. Sein Vertrag verlängerte sich dadurch automatisch um ein Jahr.

Verletzung 2006 als Knackpunkt

Zum Verhängnis wurde Karimi eine im März 2006 gegen den Hamburger SV erlittene Oberschenkelverletztung.

Er konnte sich nicht richtig auf die WM vorbereiten, das Turnier in Deutschland geriet für Karimi und den Iran zur Enttäuschung.

Auch die Vorbereitung auf die neue Saison verpasste er wegen der langwierigen Verletzung.

Als dann auch noch Förderer Magath durch Ottmar Hitzfeld ersetzt wurde, war Karimis Zeit bei Bayern abgelaufen. Er lehnte diverse Angebote ab, unter anderem von Red Bull Salzburg, und wechselte nach Katar.

Zuletzt war der 112-fache Nationalspieler beim Asien-Cup im Einsatz und schied im Viertelfinale aus.

Zwei Oldies für Königsblau

Nun erhält der "Magier von Teheran" völlig überraschend eine neue Chance.

Gemeinsam mit Angelos Charisteas, der ebenfalls schon auf dem Abstellgleis schien, soll er das Schalker Angriffsspiel beleben.

"Beide Verpflichtungen bedeuten keinerlei finanzielles Risiko", stellte Magath klar.

Genau wie Charisteas soll der ablösefreie Karimi vor allem als Joker zum Einsatz kommen.

Vielleicht gelingt es ihm in dieser Rolle doch noch Spuren in der Bundesliga zu hinterlassen.

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