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Valerien Ismael (r.) spielte zwischen 2003-2005 unter Thomas Schaaf bei Werder © imago

Im SPORT1-Interview spricht Ex-Spieler und Werder-Experte Valerien Ismael über die aktuelle Werder-Krise und sucht nach Lösungen.

Von Jakob Gajdzik

München - Mit Werder Bremen schrieb Valerien Ismael Erfolgsgeschichte.

2004 gewann der Innenverteidiger mit den Grün-Weißen das nationale Double, stellte mit seiner Mannschaft den besten Angriff und die zweitbeste Abwehr.

An der Weser erinnern sie sich gerne an diese Zeit, als man mit Rekordmeister Bayern München Kopf-an-Kopf lag und an der Vormachtstellung des großen Rivalen kratzte.

Sieben Jahre später sieht die Realität anders aus: Abstiegskampf statt Meisterträume.

Nur 26 Treffer in 20 Spielen, dazu mit 42 Gegentoren nach Schlusslicht Borussia Mönchengladbach die zweitschlechteste Abwehr. In der Tabelle rangiert Werder auf Platz 15, nur drei Punkte vom Relegationsplatz entfernt. Alarmierende Zahlen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Zuletzt gab es im Aufeinandertreffer mit dem einstigen Rivalen aus München trotz einer Leistungssteigerung eine 1:3-Pleite 344031(DIASHOW: Tops und Flops des Spieltags).

Werder-Experte Ismael, mittlerweile als Assistent von Hannover 96-Sportdirektor Jörg Schmadke und als "LIGA total!"- Experte aktiv, spricht im Interview mit SPORT1 über die aktuelle Krise in Bremen, ihre Gründe und Lösungen.

SPORT1: Herr Ismael, Bremen ist Tabellen-15., nur drei Punkte vor dem Relegationsplatz. Wie ist diese Bremer Krise zu erklären?

Valerien Ismael: Das ist ein großes Rätsel. Bislang hat die Mannschaft die Kurve nicht gekriegt und hat sich in eine kritische Lage reinmanövriert. Beim Spiel gegen Bayern München hat Werder nicht schlecht gespielt, sich aber zum wiederholten Male durch individuelle Fehler um den Lohn gebracht. Dazu kam eben das Pech mit der falschen Schiedsrichter-Entscheidung. Aber das ist typisch, wenn man unten steht.

[kaltura id="0_z7atgteb" class="full_size" title="Tristesse an der Weser"]

SPORT1: Besonders in der Abwehr stimmt es nicht. Werder hat mit 42 Gegentoren nach Gladbach die schlechteste Abwehr. Was stimmt hinten nicht?

Ismael: Die Mannschaft hat Probleme in der Rückwärtsbewegung. Dort passieren oft die entscheidenden Fehler, die zu Gegentoren führen. Da ist aber die gesamte Mannschaft für verantwortlich. Momentan werden bei Werder aber auch kleine Fehler sofort bestraft.

SPORT1: Wiegt der Ausfall von Abwehrchef Naldo schwerer als gedacht?

Ismael: Das ist sicherlich auch ein Grund, aber nicht das gesamte Problem. Es liegt auch an der Offensive. Werder hat in der Vergangenheit immer wieder einige Gegentore bekommen, diese aber durch den Sturm stets ausgeglichen. Das ist dieses Jahr nicht der Fall.

SPORT1: Ist Bremen für Sie ein Abstiegskandidat?

Ismael: Normalerweise nein. Die Qualität für den Klassenerhalt hat diese Mannschaft ohne Frage. Aber das ist zum Beispiel beim VfB Stuttgart auch der Fall. Das ist eine gefährliche Situation, weil man als Top-Mannschaft nicht gewohnt ist, in diesen Regionen zu spielen. Fehler werden schneller kritisiert, dann werden erst die Zuschauer unruhig und das überträgt sich auf die Mannschaft. Im Abstiegskampf zählt etwas anderes. Da geht es nicht darum, schön zu spielen, sondern um Kampf. Du musst die Basics aufrufen, Kompakt stehen und Zweikämpfe gewinnen.

SPORT1: Glauben sie, Bremen hat neben Torsten Frings die richtigen Typen, um diese Einstellung auf den Platz zu bringen?

Ismael: Natürlich sind jetzt erfahrene Spieler wie Frings, Per Mertesacker oder Claudio Pizarro gefragt. Doch das reicht nicht, auch von den Jüngeren wie Marko Marin oder Aaron Hunt muss jetzt mehr kommen. Jeder muss nun konstant seine Leistung abrufen und eine kämpferische Einstellung an den Tag legen. Die Mannschaft hat die erste Stunde gegen die Bayern gezeigt, dass sie über diese Einstellung verfügt. Werden sie diese weiterhin abrufen, denke ich, dass Werder die Kurve kriegen wird. Entscheidend ist, wie die Mannschaft mit dieser ungewohnten Situation umgeht.

SPORT1: Sie haben den Trainer Thomas Schaaf auch in ihrer Spielerkarriere erlebt. Kann er diese Situation noch meistern?

Ismael: Man hat gegen Bayern gesehen, dass er die Spieler immer noch erreicht. Jetzt muss die Mannschaft das bestätigen und nachlegen, dann kommt auch wieder etwas mehr Ruhe und auch Sicherheit rein.

SPORT1: Wie sehen Sie Bremens Chancen für die Partie am Samstag bei Mainz 05?

Ismael: Das wird keine leichte Aufgabe. Auch wenn Mainz qualitativ nicht den besten Kader der Liga hat, allein die momentane Situation macht es für Werder ganz schwer. Da tut jede Niederlage besonders weh und öffnet neue Baustellen.

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