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Felix Magath wurde als Trainer dreimal Deutscher Meister © getty

Felix Magath stellt den S04-Kader auf den Kopf. Nach den Verpflichtungen von Charisteas und Karimi kocht die Schalker Fanseele.

Von Andreas Berten

München/Gelsenkirchen - Sie kennen Tore Reginiussen nicht? Danilo Avelar auch nicht? Und bei Lubos Hanzel macht's auch nicht gleich klick?

Eingefleischte Fans von Schalke 04 lassen unter anderem diese Namen vor dem 137. Revierderby gegen Borussia Dortmund (Freitag, ab 20 Uhr im LIVETICKER) vor Wut schäumen.

Dazu bedarf es nicht mal einer Spitze aus dem sportlich derzeit meilenweit entfernten Dortmund. In Gelsenkirchen bringt der eigene Trainer die treuen Anhänger auf die Palme.

Der Grund: die undurchsichtige Einkaufspolitik, der S04-Allesmacher Felix Magath mit den Lastminute-Verpflichtungen von Angelos Charisteas (30) und Ali Karimi (32) die Krone aufsetzte.

In eineinhalb Jahren über 40 Neue

Über 40 Spieler hat Magath seit seinem Amtsantritt 2009 verpflichtet, nur ein paar weniger mussten sich seitdem einen neuen Klub suchen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Ein Kommen und Gehen, das selbst hartgesottene Fans auf die Barrikaden treibt. Doch Magath rechtfertigt sich in der "Bild": "Ich bin eher ein Schnäppchen-König als ein Ramsch-König! Die Kritik an den Transfers ist unangebracht."

Schalke-Legende Olaf Thon bescheinigt Magath, nicht "arbeitsfaul" zu sein, hinter seinem Handeln stecke eine Philosophie. Aber: "Das bringt eine Verpflichtung von Charisteas nicht rüber."

Von der Konkurrenz wird der Aktionismus mit einem Augenzwinkern wahrgenommen. "Das ist kein Kaufrausch", erklärt Bayern-Präsident Uli Hoeneß, "die Spieler kosten doch nichts, die Schalke jetzt holt."

Magaths Rundumerneuerung

Magath wird nicht müde, Abgänge der Großverdiener Westermann oder Rafinha mit der Dringlichkeit zu begründen, die maroden Finanzen auf Vordermann zu bringen.

Zuletzt ging Ivan Rakitic zum FC Sevilla. "Durch geschickte Verkäufe habe ich eine sechsstellige Summe Überschuss erwirtschaftet", lobt er sich selbst.

[kaltura id="0_hb0i715z" class="full_size" title="Magath holt Karimi und Charisteas"]

Abwehr-Ass Benedikt Höwedes will die Situation nicht überbewerten: "Das ist Bundesliga-Alltag. Das hat er auch in Wolfsburg gemacht - mit sehr großem Erfolg."

Die Verkäufe sind aber nur ein Teil der Magathschen Rundumerneuerung.

Eisige Stimmung

Ganz nach dem Motto "Alles Damalige war nicht gut" hat sich Magath mit Urgesteinen (Fanbeauftragter Rolf Rojek, Co-Trainer Büskens und Mulder) angelegt. Auf der Geschäftsstelle herrscht eine eisige Stimmung, er tauschte Personal aus und legte sich einen Kreis aus wenigen Vertrauten zu.

Mit ihnen leitet er auf Geheiß des bisherigen starken Mannes auf Schalke, Aufsichtsrats-Chefs Clemens Tönnies, die Geschicke. Da alles auf den 57-Jährigen zugeschnitten ist, befindet sich Schalke in einer tiefen Abhängigkeit.

Und so fürchten die Fans den Verlust der Schalker Seele. Mehr noch: das finanzielle Chaos, falls das Projekt Magath schief geht.

Schalkes Tanz auf dem Drahtseil

Mehr noch als die 25 Punkte in der Tabelle trennen Schalke und den BVB derzeit Grundvoraussetzungen. Dortmund stand vor dem wirtschaftlichen Kollaps, hat sich konsolidiert und nun die Chance auf den ersten Titel seit 2002.

Schalke wagt den Tanz auf dem Drahtseil. Einnahmen aus dem Europapokal sind Pflicht, um den immer noch kostspieligen Kader zu finanzieren.

Die Kaderplanung ist auch Aufgabe von Horst Heldt. Seit seinem Wechsel zu Schalke Ende Juni 2010 steht der Manager im Schatten von Magath.

Hinter vorgehaltener Hand haben sie auf der Geschäftsstelle eine Antwort darauf, weshalb Heldt nach Schalke kam: für die Zeit nach Magath?

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