vergrößernverkleinern
Thomas Kraft (r.) und Michael Rensing spielten bis 2010 gemeinsam beim FC Bayern © imago

Bei Bayern ist der Kölner Keeper gescheitert. Im Duell mit dem Ex-Klub kämpft nicht nur er mit diesem Makel der Vergangenheit.

Von Martin Hoffmann

München - Rensing, Michael: Seit einem halben Jahr nun steht der Name nicht mehr auf der Kaderliste des FC Bayern.

Und trotzdem ist er noch immer omnipräsent beim Rekordmeister - als Reizwort, als Gespenst, als Mahnmal.

Kein Medienbericht, keine Diskussion über die Torwartsituation in München kam ohne einen Verweis auf den Mann aus, der bei Bayern Großes vollbringen sollte und stattdessen ins sportliche Nichts stürzte.

Und entsprechend groß ist nun vor der ersten Begegnung des Neu-Kölners mit seinem Ex-Klub die Aufmerksamkeit - für Rensing und für den Mann, der eben kein neuer Rensing werden soll:

Thomas Kraft.

Im Schatten von Rensings Scheitern

Der eine will sich rehabilitieren, der andere will sich etablieren: Zwei Projekte, die parallel angelaufen sind - und die auf ihre eigene Art und Weise miteinander verknüpft sind:

Denn gegen den Schatten von Rensings Scheitern beim FC Bayern kämpfen beide.

Rensing, der in Köln seinen Ruf zu reparieren versucht.

Und Kraft, der in München im Auftrag Louis van Gaals beweisen muss, dass ein Eigengewächs den Sprung zur Nummer eins doch schaffen kann.

Rensing mit starken Leistungen

Angelaufen ist das Unternehmen für beide recht gut.

In ihren ersten Ligaspielen für den jeweiligen Klub haben beide starke Leistungen gezeigt, keine selbstverschuldeten Gegentore kassiert und im Fall Kraft auch einen Elfmeter gehalten.

[kaltura id="0_qpxwe0n5" class="full_size" title="Hoene tr umt noch immer vom Titel"]

Rensing bekam jüngst erst ein Spezial-Lob vom ehemaligen Bayern-Kollegen Lukas Podolski.

Der stellte ihn nach Kölns 0:3-Niederlage beim FC St. Pauli heraus als den einzigen Kölner, der mit seinen Paraden "was gebracht" hätte.

Von Klinsmann und van Gaal abserviert

Rensing wird es mit stiller Genugtuung registriert haben. War es doch zu Bayern-Zeiten noch ein Volkssport auf Rensing einzudreschen.

Den Mann, über den Uli Hoeneß anfangs sagte: "Nachfolger von Jens Lehmann (im Nationaltor) wird auf jeden Fall Michael Rensing und sonst keiner."

Und der dann nacheinander von Jürgen Klinsmann und von Louis van Gaal abserviert wurde.

Rensing musste die Bayern im vergangenen Sommer verlassen, fand ein halbes Jahr keinen neuen Klub, hielt sich stattdessen beim VfR Garching in der Bezirksoberliga fit.

Vergangenheit holt ihn ein

"Abgeschlossen" habe er mit dieser schweren Zeit, sagt er hierzu - leicht gemacht wird ihm das aber nicht.

So holte ihn die Vergangenheit direkt nach seinem Debüt für Köln schon wieder ein:

Beim Warten auf ein Fernseh-Interview musste er da sichtlich entnervt mitansehen, wie Studio-Experte Franz Beckenbauer noch mal fröhlich plaudernd sezierte, wie Rensing seinerzeit in München "durch den Strafraum geirrt" sei.

Kraft schon 2008 im Blickpunkt

Kraft hätte das beinahe schon früher ins Bayern-Tor gehievt.

Im Krisen-Herbst 2008 erwog Jürgen Klinsmann, Kraft anstelle von Rensing zur Nummer eins zu machen - konnte sich jedoch nicht gegen Uli Hoeneß und die anderen Kluboberen durchsetzen.

Van Gaal wischte den internen Widerstand gegen Kraft nun bekanntlich beiseite.

Auch um seinen Zögling im virtuellen Konkurrenzkampf mit Schalkes Manuel Neuer zu positionieren, für den die Nummer eins bei Bayern vor Krafts Beförderung reserviert schien.

Kritik als Motivation

Seitdem ist Kraft dem harten Wind ausgesetzt, auch van Gaal hält sich damit nicht zurück.

Nach dem Lautern-Spiel bemängelte er öffentlich "Unsicherheiten" bei Kraft.

"Wenn der Trainer so etwas sagt, kitzelt und motiviert mich das", nahm Kraft es hin - und betont selbstbewusst:

"Ich werde alles tun, damit sie mich nächste Saison als Nummer eins ins Tor stellen."

Kraft wird den Kampf in Köln fortsetzen - gegen Rensing und dessen langen Schatten.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel