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Trainer Frank Schaefer trat im Oktober die Nachfolge von Zvonimir Soldo an © getty

Kölns Trainer Schaefer spricht vor dem Spiel gegen Bayern über die Chancen seines Teams und sein Verhältnis zu Finke.

Von Andreas Berten

München - Unter der Woche ging es beim 1. FC Köln schon wieder hoch her.

Am Dienstag trat der neue Sportdirektor Volker Finke mit großem Rummel sein neues Amt an, dann sorgte der an einem verspäteten Fax gescheiterte Transfer von Eric Choupo-Moting für große Aufregung.

Und nun kommt auch noch der FC Bayern München (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) zum Gastspiel in die Domstadt.

Trainer Frank Schaefer will nach der 0:3-Niederlage auf St. Pauli in die Erfolgsspur zurück: "Es gibt kein Spiel, wo man nichts zu verlieren hat", sagt der 47-Jährige im SPORT1-Interview vor der Partie gegen den Rekordmeister.

Schaefer spricht auch über Torwart Michael Rensing, Lukas Podolski und sein Verhältnis zu Finke.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

SPORT1: Herr Schaefer, das Spiel gegen die Bayern steht an. Zittern Sie schon ein wenig vor den wiedererstarkten Bayern?

Frank Schaefer: Nein. Angst wäre der falsche Ratgeber. Es geht uns darum, auch in einer schwierigen Situation, wie sie sich nach dem Spiel gegen St. Pauli sicherlich ergeben hat, die Dinge aufzuarbeiten und mit ganz viel positiver Energie in die Partie zu gehen. Das St.-Pauli-Spiel ist aufgearbeitet und spätestens seit Dienstag gilt die volle Konzentration dem Bayern-Spiel. So ein Spiel bietet uns auch große Chancen, als Mannschaft wieder ein positives Zeichen zu setzen.

SPORT1: Das klingt so, als hätte Köln nichts zu verlieren. Oder wäre Ihnen angesichts der Tabellenlage schon ein Punkt zu wenig?

Schaefer: Es gibt kein Spiel, in dem man nichts zu verlieren hat. Wir stecken mitten im Abstiegskampf. Da können wir nicht sagen: Jetzt haben wir mal ein Spiel außer Konkurrenz. Die Chance, etwas zu gewinnen, ist größer.

SPORT1: Wie zufrieden sind Sie mit der Bilanz im Jahr 2011 mit vier Punkten aus drei Spielen?

Schaefer: Wenn du in unserer Situation aus den ersten beiden Spielen vier Punkte holst, ist man natürlich nicht zufrieden, wenn man dann nach dem St.-Pauli-Spiel noch bei der gleichen Punktzahl steht. Klar ist, dass wir zum Teil auch gute Leistungen gebracht haben. Wenn man die erste Halbzeit des Kaiserslautern-Spiels sieht. Wenn man die komplette Partie gegen Werder sieht, das wahrscheinlich unsere beste Saisonleistung war. Aber das St.-Pauli-Spiel - das muss man so klar sagen - hat von diesem Gesamteindruck einiges wieder kaputt gemacht. Jetzt sind wir natürlich gefordert, wieder ein positives Signal zu setzen.

SPORT1: Der Druck ist demnach groß?

Schaefer: Das wird ein langer und harter Abstiegskampf. Das wird ein Marathon. Da geht es nicht darum, irgendwelche Bilanzen zu ziehen, sondern auch nach Spielen, die nicht so gut gelaufen sind, wieder zurück zu kommen. Am Ende wird es entscheidend sein, wie man diese Rückschläge verarbeitet. Das ist uns bis jetzt ganz gut gelungen. Nach dem 0:4 gegen Gladbach haben wir in Stuttgart gewonnen. Nach dem Pokal-Aus gegen Duisburg haben auch viele vermutet, dass wir das mit in die Rückrunde schleppen. Aber auch die haben wir eines besseren belehrt mit den vier Punkten aus den ersten beiden Rückrundenspielen.

SPORT1: Sie haben also eine nervenstarke Truppe?

Schaefer: Ich denke, dass meine Mannschaft Erfahrung darin hat, sich in Drucksituationen zurück zu arbeiten. Aber Bayern ist natürlich kein Gegner, wo man automatisch wieder in die Erfolgsspur kommt. Die Münchner sind favorisiert und sehr gut drauf. Individuell sind sie sehr gut besetzt. Die Mannschaft muss eine Antwort auf das St.-Pauli-Spiel geben. Und das ist die Voraussetzung, um überhaupt an ein gutes Ergebnis gegen die Bayern zu denken.

SPORT1: Michael Rensing war bei der Niederlage gegen St. Pauli der beste Kölner. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Torwart?

Schaefer: Er war in allen drei Rückrundenspielen der Rückhalt, den wir uns vorgestellt haben. Deshalb sind wir mit dem ersten Eindruck, den er hinterlassen hat, natürlich sehr zufrieden.

SPORT1: Rensing ist in seiner Zeit bei Bayern viel kritisiert worden. Haben Sie den Eindruck, dass er sich jetzt bei Ihnen schon ein bisschen bestätigt fühlt?

Schaefer: Ich denke, Michael ist nicht gut beraten, wenn er sich jetzt immer auf das Thema Bayern München ansprechen lassen würde. Er hat nach einer harten Zeit hier einen Neuanfang gesucht. Der Blick zurück zum FC Bayern muss jetzt vorbei sein. Er ist jetzt hier und schreibt eine neue Geschichte. Und die soll positiv sein.

SPORT1: Nach dem Spiel gegen St. Pauli haben Sie beklagt, dass es keine Führungsspieler gegeben hätte. Muss man von Lukas Podolski mehr erwarten, seit er Kapitän ist?

Schaefer: Ich bemühe mich, nicht in Phrasen abzudriften, wenn es um Analysen geht. Dieses Thema, dass Führungsspieler fehlen, benutzen 80 Prozent der Kollegen nach Niederlagen. Das ist mir auch klar. Wir haben im taktischen Bereich viele Abläufe gehabt, wo eine Abstimmung, ein Coaching auf dem Platz stattfinden muss. Das war klar ersichtlich und das betrifft im heutigen Fußball jeden Akteur. Nicht einen, zwei oder drei Spieler. In den heutigen Systemen musst du dich gegenseitig coachen und das betrifft jeden Spieler. Und das hat gegen St. Pauli einfach nicht funktioniert.

SPORT1: Volker Finke hat seinen neuen Job als Sportdirektor angetreten. Wie schätzen Sie seine Rolle ein?

Schaefer: Er wird das tun, was seiner Funktion entspricht. Er ist für den gesamtsportlichen Bereich zuständig. Natürlich mit einer besonderen Anbindung an den Lizenzbereich, das ist klar. Aber er soll auch nach innen wirken, im Jugend- und Scoutingbereich helfen, damit wir uns immer weiter verbessern.

SPORT1: Wie nah wird Finke an der Mannschaft dran sein?

Schaefer: Er wird gerade am Anfang sehr nah an der Mannschaft dran sein. Und das ist auch gut so. Er muss die Mannschaft kennenlernen und sich ein Bild machen. Das ist auch wichtig für mich, wenn ich einen Austausch suche, was ich sehr gerne mache, dass er einen Einblick in die Abläufe in der Mannschaft hat.

SPORT1: Es gab Gerüchte in Köln, dass Finke Sie im Falle von Niederlagen gegen Bayern und Mainz ablösen könnte. Fühlen Sie sich nicht unter Druck gesetzt?

Schaefer: In dem Moment, in dem ein ehemaliger Trainer den Posten des Sportdirektors übernimmt, muss man sich im Klaren sein, dass es diese Gerüchte immer geben wird. Ich kann nur sagen, dass ich mich von diesen Dingen nicht beeinträchtigen lasse. Letztendlich bist du als Trainer immer von Ergebnissen und Tabelle abhängig, egal wer Sportdirektor ist. Entscheidend ist nicht, was nach außen gebracht wird, sondern wie die Situation intern ist. Und da ist es so, dass ich den Eindruck habe, dass Volker Finke sich bewusst für die neue Tätigkeit als Sportdirektor entschieden hat und nicht mehr für eine Trainertätigkeit.

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