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Norbert Dickel erzielte zwischen 1986 und 1990 40 Tore in 90 Partien für den BVB © imago

BVB-Stadionsprecher Norbert Dickel schwärmt vor dem Derby bei SPORT1 von Nuri Sahin. Das M-Wort nimmt auch er nicht in den Mund.

Von Andreas Berten

München - Elf Punkte vor Leverkusen, 14 gar vor den Bayern - und trotzdem lässt sich in Dortmund niemand dazu hinreißen, von der Borussia als künftigen Deutschen Meister zu sprechen.

Da macht auch eine Legende keine Ausnahme: Norbert Dickel, in den späten Achtzigern selbst Torjäger beim BVB und heute kultiger Stadionsprecher, hütet sich davor, von einer Entscheidung zu sprechen.

Der 49-Jährige schwärmt im im SPORT1-Interview von Spielmacher Nuri Sahin.

Zudem erklärt er, wie wichtig die Von-Spiel-zu-Spiel-Denkweise ist, welchen Dortmunder Spieler Bundestrainer Joachim Löw auf gar keinen Fall übergehen darf - und warum der BVB vor dem heutigen 137. Revierderby (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) besser ist als Schalke.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

SPORT1: Herr Dickel, sind Sie ein mutiger Mensch?

Norbert Dickel: Ja, würde ich schon sagen.

SPORT1: Dann sagen Sie es doch endlich als erster Dortmunder: Der BVB wird Deutscher Meister 2011.

Dickel: Nein, das werde ich nicht!

SPORT1: Kribbelt es Ihnen nicht mal in den Fingern, als Stadionsprecher vor der Südtribüne die Mannschaftsaufstellung des kommenden Meisters anzukündigen?

Dickel: Nein. Es werden noch 42 Punkte vergeben, nichts ist entschieden. Wir denken alle an das nächste Spiel. Und auch daran, dass der nächste Dreier uns sicher einen Schritt weiter bringt. Wir sind in einer guten Position, das ist richtig, aber so werden wir auch in den nächsten Wochen verfahren.

SPORT1: Mal ehrlich, das nimmt den Spielern doch mittlerweile niemand mehr ab, dass die nicht an den Titel denken.

Dickel: Wir können ja auch den Spielern nicht verbieten, sich damit zu beschäftigen. Aber Trainer Jürgen Klopp redet oft genug mit ihnen und sagt ihnen: Denkt an das nächste Spiel, es geht wieder um drei Punkte. Die Stimmung in der Mannschaft ist prima - und sie bleibt auch noch lange so erhalten.

[kaltura id="0_p1ufjmtb" class="full_size" title="Klopp warnt vor Schalke"]

SPORT1: Vielleicht wünschen sich die BVB-Fans aber auch mal eine forschere Aussage.

Dickel: Ich finde es sehr interessant, dass das, was der Verein vorlebt, auf die Fans übergesprungen ist und die genau wie wir wissen, dass noch nichts entschieden ist. Wir haben alle Freude daran, was gerade geschieht - wir wissen aber auch, wie schnell das wieder vorbei sein kann.

SPORT1: Wenn Ihnen elf Punkte mehr als der Zweite nicht genügen, um vom Titel zu sprechen - reichen denn 14 Zähler Vorsprung auf die Bayern, um am Ende vor ihnen in der Tabelle zu stehen?

Dickel: Der Uli Hoeneß wartet ja auch auf Ausrutscher von uns. Ich bleibe dabei: Lasst uns von Spiel zu Spiel denken.

SPORT1: Dann mal anders herum: Nehmen wir an, der BVB steht tatsächlich nach 34 Spieltagen nicht an der Spitze. Könnten zwei Derbysiege über Schalke über diese Enttäuschung hinwegtrösten?

Dickel: Das Derby ist für alle etwas Besonderes. Und wenn du zwei Derbysiege im Jahr hast, ist das sehr außergewöhnlich. So oft haben wir das ja auch noch nicht gehabt. Darüber würden wir uns freuen, aber über die andere Situation machen wir uns keine Gedanken.

SPORT1: Was macht die Borussia derzeit so stark?

Dickel: Das, was jeder unserer Jungs da auf dem Platz abliefert, ist schon überragend. Einer rennt für den anderen - und das ist das Erfolgsgeheimnis dieser Mannschaft. Dazu kommt, dass Nuri Sahin die Saison seines Lebens spielt. Ich habe noch nie so einen Spieler gesehen, da passt alles. Aber: Nuri nehme ich nur heraus, weil er die Spitze des Eisbergs ist. Nur ein kleines Stückchen dahinter kommen ganz viele andere Spieler.

SPORT1: Vor allem auch viele junge deutsche Spieler. Theoretisch ist das halbe Team reif für die deutsche Nationalmannschaft.

Dickel: Eine schöne Vorstellung. Wir haben aber auch lange Jahre darauf verzichten müssen. Jetzt sind ja wieder vier zum Lehrgang eingeladen worden. Wobei der Fünfte eigentlich noch fällig wäre. Meiner Ansicht nach kommt Jogi Löw an Sven Bender nicht vorbei, der spielt für mich unfassbar gut.

SPORT1: Rechnerisch war der Abstand zwischen den beiden Revier-Rivalen schon lange nicht mehr so groß wie jetzt. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Dickel: In Gelsenkirchen ist viel passiert, es sind viele Transfers von statten gegangen. Wenn du so viele Leute holst, müssen die sich auch erst etablieren. Das Problem hatten wir nicht, weil wir nach der guten letzten Saison auf den Spielern aufbauen konnten. Jetzt hatten die Schalker nicht sofort den erwünschten Erfolg - aber das ist auch normal im Fußball.

SPORT1: Schalke-Trainer Felix Magath hat angekündigt, den Kaufrausch im Sommer fortsetzen zu wollen. Kann der BVB seinem Reviernachbarn da nicht mit ein, zwei Kräften aushelfen?

Dickel: (lacht) Ich glaube nicht, dass jemand, der bei Dortmund unterschreibt, mit dem Gedanken spielt, nach Gelsenkirchen zu gehen.

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