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Michael Frontzeck sitzt seit Juli 2009 bei den "Fohlen" auf der Bank © getty

Bei SPORT1 spricht Gladbachs Trainer Frontzeck über den Abstiegskampf, die Wintereinkäufe - und seine neue Geheimwaffe.

Von Matthias Becker

München - Am Hinrundenende galt Borussia Mönchengladbach fast schon als sicherer Absteiger.

Mit gerade einmal zehn Punkten und 47 Gegentoren ging es für die "Fohlen" in die Winterpause.

Seitdem hat sich jedoch viel getan: Sportdirektor Max Eberl krempelte den Kader kräftig um, gleich vier Spieler mussten gehen, vier Neue kamen.

Bislang ist das Konzept der Blutauffrischung absolut aufgegangen: Das Schlusslicht gewann zwei von drei Rückrundenpartien und schöpfte somit neue Hoffnung im Kampf um den Klassenerhalt.

Vor dem Kellerduell mit dem punktgleichen VfB Stuttgart (ab 18.15 Uhr im LIVE-TICKER) spricht Trainer Michael Frontzeck im SPORT1-Interview über den Heimfluch, die Wintereinkäufe und seine neue Geheimwaffe.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

SPORT1: Herr Frontzeck, das schlechteste Heim- trifft das schlechteste Auswärtsteam. Was spricht dafür, dass die Borussia ihren ersten Heimsieg feiern kann?

Michael Frontzeck: Ich weiß nur, dass wir in den letzten fünf Heimspielen immer ordentliche Leistungen abgeliefert haben, es hat immer nur eine Kleinigkeit gefehlt. Je länger es dauert mit dem Heimsieg, desto mehr drückt es natürlich - aber ich bin optimistisch, dass wir den Bock umstoßen werden.

SPORT1: Das Hinspiel gewann der VfB mit 7:0. Blenden Sie das aus?

Frontzeck: Jedem ist dieses Spiel noch präsent. Der VfB hatte einen Schokoladentag erwischt, während bei uns nichts zusammenlief. Trotzdem denke ich, dass wir auf dieses Spiel nicht mehr eingehen müssen. Bei allem Kampf, der uns am Samstag erwartet ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren und gute Nerven zu haben.

SPORT1: Das Spiel wird also nur über die Psyche entschieden?

Frontzeck: Es gibt schon Dinge, die auf dem Platz entscheidend sind. Gegen den VfB wird es kampfbetont werden und auch die Nerven werden entscheiden. Ich sträube mich aber dagegen zu sagen, dass es schon ein Endspiel ist. Danach gibt es noch 13 Spieltage.

SPORT1: Glauben Sie, dass die Borussia im Abstiegskampf Vorteile hat, weil sie diesen Druck bereits kennt?

Frontzeck: Mitentscheidend ist, dass man sich nicht nach den anderen richtet. Nach der Niederlage gegen Leverkusen hieß es schon wieder von allen Seiten, dass es nicht reicht, weil andere Teams gleichzeitig gewonnen hatten. Das muss man von der Mannschaft fernhalten. Von daher war ich über die Leistung in Frankfurt richtig glücklich.

[kaltura id="0_bybgtvup" class="full_size" title="Duell gegen den Abstieg"]

SPORT1: Die Neuzugänge haben sich sehr schnell eingefügt. Haben Sie damit gerechnet?

Frontzeck: Wir haben das Augenmerk darauf gelegt, Spieler zu holen, die diese besondere Situation im Bundesliga-Abstiegskampf kennen und keine große Anlaufzeit benötigen. Max Eberl hat da fantastische Arbeit geleistet. Mit dem Kader - so wie er jetzt ist - bin ich sehr zufrieden.

SPORT1: Sie haben ehemalige Stammspieler abgegeben, andere auf die Bank gesetzt. War das nach der Hinrunde eine gezielte Maßnahme?

Frontzeck: So eine Hinrunde geht nicht spurlos an einem vorüber, da macht man sich seine Gedanken. Ich wollte so viele Spieler wie möglich auf dem Platz haben, die diese Hinrunde nicht im Kopf haben. An den Spielern, die ich ausgetauscht habe, hat es nicht gelegen. Aber es ging darum, frisches Blut reinzubringen.

SPORT1: In der Hinrunde hatten Sie enormes Verletzungspech in der Defensive. Jetzt kommt auch Roel Brouwers noch zurück. Ist für ihn überhaupt noch Platz?

Frontzeck: Das ist ein sehr angenehmes Problem, nachdem in der Hinrunde die Innenverteidigung für fast die gesamte Zeit ausgefallen ist. Dagegen wollten wir gewappnet sein, weil man ja nicht davon ausgehen kann, dass alle Spieler in der Rückrunde fit bleiben.

SPORT1: Wann ist mit dem Debüt von Michael Fink zu rechnen?

Frontzeck: Er braucht noch ein paar Tage, um richtig reinzuwachsen. Er hat am Mittwoch 60 Minuten mit der zweiten Mannschaft gespielt und wird gegen Stuttgart auf der Bank sitzen. Es kann relativ zügig mit seinem Debüt gehen - aber ich werde ihn in nichts hineinstürzen, was er jetzt noch nicht bewältigen kann.

SPORT1: Ein anderer Neuer - Havard Nordtveit - überzeugte in Frankfurt mit seinen langen Einwürfen. Trainieren Sie das speziell?

Frontzeck: Ich möchte gar nicht, dass darüber so viel geredet wird (lacht). Wir haben das trainiert, denn daraus ergeben sich immer wieder unangenehme Situationen für den Gegner. Aber Bruno Labbadia wird das sicher auch gesehen haben.

SPORT1: Spüren Sie bei Ihren Spielern, dass die Blockade aus der Vorrunde langsam abgebaut wird und sie befreiter aufspielen können?

Frontzeck: Befreiter will ich nicht unbedingt sagen. Sie sind sich der Situation bewusst und körperlich in einem sehr guten Zustand. Die Stimmung in der Kabine ist gut. Dennoch wissen wir, dass es jetzt gegen eine Mannschaft geht, die vom Potenzial her da unten nicht hineingehört.

SPORT1: Nicht nur die Borussia, sondern auch Teams wie Mainz und Dortmund holten auswärts mehr Punkte als zuhause. Ist das Zufall oder Trend?

Frontzeck: Alle sind darauf geeicht, schnell umzuschalten. Das Konterspiel wird teilweise auch im eigenen Stadion bevorzugt. Kaum eine Mannschaft stellt noch vorne zu, alle stehen im Raum und warten auf die Fehler des Gegners, um dann schnell umzuschalten. Diese Taktik haben die Gladbacher ja schon früher als beste Kontermannschaft Europas kultiviert.

SPORT1: Sind Sie vom Klassenerhalt überzeugt?

Frontzeck: Ich kann nur sagen, dass ich sehr optimistisch bin. Das ist keine Phantasie, denn ich sehe meine Spieler tagtäglich bei der Arbeit. Nach den drei Spielen weiß ich, dass wir eine reelle Chance haben, das ist kein Zweckoptimismus.

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