vergrößernverkleinern
St. Paulis einziger Sieg beim HSV liegt schon über 30 Jahre zurück © imago

Hamburg fiebert dem Duell zwischen dem Hamburger SV und St. Pauli entgegen, die Polizei kommt zum ersten Großeinsatz.

Aus Hamburg berichtet Jürgen Blöhs

Hamburg - Explosionsgefahr in Hamburg.

Das 131. Aufeinandertreffen zwischen dem Hamburger SV und dem FC St. Pauli (So., ab 15.15 Uhr im LIVE-TICKER) erhitzt die kühlen norddeutschen Gemüter.

Die Stadt befindet sich im Ausnahmezustand. Ein Beispiel gefällig?

Unter der Woche wurde hinter einem Sitz in der Hamburger Imtech-Arena ein Paket mit Pyrotechnik gefunden. Genau dort, wo am Sonntag die Fans des FC St. Pauli ihr Team nach vorne peitschen werden.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: Die News im TV auf SPORT1)

Die Folge: 80 Polizeibeamte und Ordner suchten gründlich die Tribünen ab - und sie fanden zwei weitere Pakete mit Rauchbomben.

Die Stadionführungen wurden unterbrochen, das Restaurant gesperrt, der Souvenir-Shop geschlossen. Und auch die Gärtner, die den neuen Rasen in der Arena verlegten, mussten ihre Arbeit unterbrechen.

Für Zündstoff sollen eigentlich nur die Spieler auf dem grünen Rasen sorgen.

Asamoah wettet mit Westermann

"Dieses Stadt-Derby ist schon was Besonderes. Die Fans wohnen Tür an Tür, arbeiten zusammen, treffen sich beim Bäcker. Es gibt kein anderes Thema", schätzt St. Paulis Gerald Asamoah das Duell sogar höher ein als das Ruhrpott-Derby seines Ex-Klubs Schalke 04 gegen Borussia Dortmund.

Asamoah, der die "Kiezkicker" als Kapitän aufs Feld führen wird, hat mit seinem Gegenüber Heiko Westermann, der ebenfalls zu Saisonbeginn von Schalke an die Elbe wechselte, eine Wette abgeschlossen:

Der Verlierer des Derbys wird in Hamburg mit freiem Oberkörper Autos waschen.

[kaltura id="0_j0h30w8x" class="full_size" title="Derby elektrisiert die Stadt"]

Glaubt man den Experten der Wettbüros, dann ist klar: Asamoah kann schon einmal Eimer und Lappen bereitlegen. Setzt man zehn Euro auf den HSV bekommt man 15,50 ausgezahlt, ein Sieg der Gäste spült 55 Euro aufs Konto.

Auch für Armin Veh ist klar: "Wir gewinnen das Derby", so der HSV-Trainer.

Für die Fans der Rothosen wäre es Balsam auf die geschundenen Seelen nach dem bisher eher holprigen Saisonverlauf. Und der Vorstand könnte nach dem Theater um Matthias Sammer und Vorstandsboss Bernd Hoffmann wieder ruhiger arbeiten.

Ringelpietz mit Anfassen?

"Wir sind spielerisch klar besser", stellt Frank Rost klar. Der HSV-Keeper will nicht wieder so einen "Ringelpietz mit Anfassen" wie im Hinspiel und fordert von seinen Vorderleuten Einsatz bis zum Umfallen.

Um die spielerische Dominanz auch voll zur Geltung bringen zu können, wurde in der Imtech-Arena extra ein neuer Rasen verlegt.

Thomas Kessler ist's egal: "Wer wie wir auf schlechtem Rasen guten Fußball spielen kann, der wird es auf gutem Rasen kaum anders machen", erinnert der St.-Pauli-Keeper gegenüber SPORT1 an die Gala-Vorstellung gegen den 1. FC Köln.

"Wollen den HSV ärgern"

Wie alle St.-Pauli-Spieler bleibt auch Kessler Realist: "Der HSV ist der große Favorit", betont der 25-Jährige, schiebt aber sofort nach, dass man "die Punkte nicht einfach vorbeibringen" werde. "Wir wollen den HSV ärgern."

Dieser Meinung ist auch Mittelfeldspieler Max Kruse. "Der HSV ist ganz klar in der Favoritenrolle, aber in 90 Minuten kann viel passieren."

"33 Jahre ist es her, dass St. Pauli zuletzt gegen den HSV gewonnen hat, das sollte Motivation genug sein", hofft Co-Trainer Andre Trulsen auf ein Ende dieser Durststrecke.

Vom kämpferischen Einsatz ihrer Helden sind auch die Fans des FC St. Pauli, doch auf Motivation allein setzen sie nicht.

Vorzeichen sprechen für St. Pauli

Die "Totenköpfe" ziehen ihren Optimismus aus der Historie: Erst einmal hat der große HSV gegen den kleinen Nachbarn in der Bundesliga-Geschichte verloren: Am 3. September 1977 siegte der FC St. Pauli mit 2:0.

Damals kamen die Braun-Weißen als Tabellen-14. in den Volkspark - wie jetzt am 6. Februar.

Und der 6. Februar ist allen Anhängern des Stadteilvereins noch in besonderer Erinnerung: An diesem Tag im Jahre 2002 wurde der große FC Bayern München 2:1 niedergerungen.

Die "Weltpokalsiegerbesieger"-T-Shirts werden noch heute mit Stolz getragen.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel