vergrößernverkleinern
Mario Götze (li.) und Kevin Großkreutz wurden beide für das Länderspiel gegen Italien nominiert © getty

Spitzenreiter Dortmund erteilt Schalke keine Abreibung, Großkreutz und seine Kollegen bleiben trotzdem selbstbewusst.

Aus Dortmund berichtet Julian Meißner

Dortmund - Viel Zeit war nicht mehr auf der Uhr in der 137. Auflage des Revierderbys, als sich der gesammelte Frust der Dortmunder Südtribünenbesucher in einem kollektiven Laut des Entsetzens entlud (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Zum gefühlt hundertsten Mal an diesem Abend, der den 21. Bundesliga-Spieltag eröffnete, erklang ein tiefes Seufzen aus über 20.000 Kehlen 346736(DIASHOW: Der 21. Spieltag).

Nationalspieler Mario Götze hatte gerade direkt vor den Augen der treuesten Borussia-Fans die letzte einer ganzen Reihe hochkarätiger Möglichkeiten vergeben, die Partie zu entscheiden.

Statt den Ball im leeren Tor unterbringen, setzte er ihn - zugegebenermaßen aus nicht ganz einfachem Winkel - an den Außenpfosten und besiegelte so das ungerechte 0:0 des BVB gegen den Lokalrivalen Schalke 04.

Auch wenn noch fünf Minuten zu spielen waren, spätestens nach Götzes Alu-Treffer wusste jeder der 80.720 Zuschauer im ausverkauften Signal-Iduna-Park: Es würde kein Tor mehr fallen.

"Das war keine Niederlage, auch keine gefühlte. Wir haben einen Punkt mehr als vorher", erklärte BVB-Coach Jürgen Klopp hinterher trotzig: "Wir haben unsere Chancen nicht genutzt. Ein Grund dafür war Manuel Neuer. Damit müssen wir leben, das können wir auch."

Viel Arbeit für Metzelder

Dabei hatte lange alles danach ausgesehen, als würde der Spitzenreiter dem Erzrivalen nach dem 3:1 im Hinspiel die nächste gehörige Abreibung verpassen.

Schon in den ersten zehn Minuten musste Nationalkeeper Neuer gleich dreimal sein ganzes Können aufbieten, um sein krisengeschütteltes Team vor einem frühen Rückstand zu bewahren.

"Manuel war der überragende Mann auf dem Platz und hat uns im Spiel gehalten", lobte Innenverteidiger Christoph Metzelder, der bei seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte mehr zu tun bekam, als ihm lieb sein konnte.

Neuer schiebt Frust

Aus dem Torhüter sprach dann auch gehöriger Frust, als er nach der Partie treffend anmerkte: "Wir hatten es eigentlich nicht verdient, hier einen Punkt mitzunehmen."

[image id="73c65a06-6485-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Gerade in der Anfangsphase griffen die Dortmunder den Schalker Strafraum an, als gebe es kein morgen mehr. "Die haben natürlich brutal Druck gemacht", meinte S04-Defensivmann Benedikt Höwedes: "Wir waren etwas ungeordnet am Anfang und hatten ziemlich viel Glück."

Über die gesamte Spielzeit kam Dortmund zu Chancen, wie sie sich andere Teams in drei Partien nicht erspielen.

Nur Annan im Einsatz

Götze hatte nach drei Spielminuten den Reigen der vergebenen Gelegenheiten eröffnet, danach scheiterten Jakub Blaszczykowski und Mats Hummels am überragenden Neuer. Lucas Barrios hatte ebenfalls beste Chancen auf dem Fuß, verzog jedoch mehrfach knapp und bemühte einmal den Pfosten.

Immerhin ein "kleines Erfolgserlebnis" machte Neuer aus, wobei er sich wohl nur auf das Ergebnis bezog. Mit etwas weniger Glück oder Tatkraft ihres Keepers wären die Königsblauen überrollt worden.

Daran änderten auch die heiß diskutierten Wintertransfers des Schalker Trainers Felix Magaths nichts. Mit dem Ghanaer Anthony Annan stand immerhin ein Neuer in der Startformation, doch auch der Zugang von Rosenborg Trondheim hatte dem schwarz-gelben Offensivwirbel nicht viel entgegenzusetzen.

Götze hatte Tor auf dem Fuß

"Dortmund ist schon sehr stark. Wir sind mit dem Ergebnis natürlich zufrieden", sagte Annan im Gespräch mit SPORT1, während sein Teamkollege Höwedes ihm ein Lob aussprach. "Er hat seine Sache sehr ordentlich gemacht und Götze in der zweiten Halbzeit mehr oder weniger aus dem Spiel genommen", so Höwedes.

Bis auf die 85. Minute natürlich, als Götze das leere Tor nicht traf. Es war wirklich der einzige Vorwurf, den sich die Borussen-Jungspunde gefallen lassen mussten, dass sie den Ball nicht über die Linie brachten.

Und so waren die Mienen der Dortmunder Spieler am späten Freitagabend deutlich freundlicher als die der Schalker. Obwohl der BVB ganz klar zwei Punkte verschenkt hatte. Von einer Krise, die sich besonders die Konkurrenz aus Bayern erhofft, kann jedenfalls keine Rede sein.

Leverkusen und Bayern gehen auf die Jagd

Metzelder meinte: "Man hat gesehen, dass wir heute beim Tabellenführer gespielt haben. Das muss man neidlos anerkennen. Sie haben das Selbstvertrauen und die Qualität, jede Mannschaft vor Probleme zu stellen."

Die Jäger aus Leverkusen (in Nürnberg) und München (in Köln) sind am Samstag (15 Uhr im LIVE-TICKER) am Zug den kleinen Ausrutscher des nach wie vor souveränen Tabellenführers zu nutzen.

Die Dortmunder Spieler nahmen die zwei verlorenen Punkte gelassen hin.

"Wir haben genug Vorsprung und die anderen müssen auch erstmal gewinnen", sagte Kevin Großkreutz bei LIGA total! und wurde deutlich: "Was die machen, interessiert uns einen Scheißdreck. Wir ziehen unser Ding durch. Und das geht so weiter."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel