In seiner Kolumne für Sport1.de kommentiert Ex-Nationaltorhüter Toni Schumacher das aktuelle Geschehen in der Bundesliga.

Der Spieltag Nummer 13 ? eigentlich hat er für mich nur zwei echte Momentaufnahmen: Die Schiri-Diskussion und Hertha BSC Berlin.

Denn ich gebe gerne zu: Die Fußball-Dame Hertha aus der Hauptstadt habe ich vor der Saison falsch eingeschätzt, bin wirklich überrascht von den Ergebnissen und Platz vier in der Tabelle.

Die Siege gegen die direkten Konkurrenten wie Leverkusen, Hoffenheim und den HSV, der wachsende Zuschauerstrom. Fast 60.000 Fans gegen Hoffenheim, jetzt gegen Hamburg wieder knapp 50.000 ? Hertha lebt doch.

Zufall kann das nicht mehr sein!

Allerdings: Die Art und Weise des Hertha-Fußballs, der Spiel-Stil ist nach meinem Geschmack noch nicht so wirklich klar. Gegen den HSV gab?s eine Halbzeit nur Einzelaktionen, kaum System, erst nach den Toren und der Wende hat man echten Fußball gesehen.

Den Zuschauern, dem Trainer und Manager Dieter Hoeneß wird es egal sein ? Hertha ist oben in der Liga angekommen. Dort, wo ein Klub dieser Tradition, mit diesen Möglichkeiten hingehört. Aber eben schon seit Jahren!

Deshalb war ich kritisch. Und bin es auch jetzt noch, aber habe Respekt vor der Arbeit von Lucien Favre und seiner Truppe. Die Zahlen (drittbeste Abwehr der Liga) belegen: Herthas Höhenflug ist das Resultat von einem Plan. Hinten sicher stehen, Fehler reduzieren.

Wenn Berlin jetzt noch einen echten Knipser im Sturm hätte neben Pantelic und Voronin ? dann?

Lichtblick Hertha ? und sonst?

Genervt bin ich von der Schiedsrichter-"Problematik". Nun gibt es eine Gesprächsrunde beim DFB. Thema: Mehr Respekt, mehr Anstand gegenüber den Unparteiischen. Und: DFB-Direktor Matthias Sammer will für den Deutschen Fußballnachwuchs einen Verhaltenskatalog erstellen, einen Knigge für Profis.

Uns ALLEN muss mal klar sein: Ohne Schiedsrichter KEIN Fußball!

Natürlich machen die "Pfeifenmänner" mal Fehler, können auch ein Spiel kippen. Aber unterm Strich sind die Schiris im Durchschnitt besser als so mancher Spieler.

Wenn dann gehetzt und gejagt wird wie zuletzt von Dortmunds Robert Kovac und auch Jürgen Klopp oder am Wochenende von Hamburgs Martin Jol ? dann geht mir die Hutschnur hoch. In 34 Spielen wird kein Klub konstant benachteiligt, gleicht sich nun mal alles aus. Das war immer so und wird auch so bleiben.

Die Technik im TV macht es den Schiedsrichtern von Tag zu Tag schwerer: Jede Szene wird mit Super-Slow-Motion seziert, analysiert. Das haben die Jungs in Schwarz, Rot oder Grün aber nicht als Mittel, tragen keine Super-Pfeife mit TV-Gerät.

Unterstützt die Schiris!

Und: wo soll eigentlich der Schiedsrichter-Nachwuchs herkommen, heranwachsen, wenn man als junger Mensch Wochenende für Wochenende erlebt, dass der Schiri immer die "Voll-Bratwurst" ist?

Sammers Knigge ist eine nette Idee. Aber: Die Trainer sind von Anfang an in der Verantwortung, ihren Spielern ? egal in welchem Alter und in welcher Klasse ? Respekt vor den Entscheidungen beizubringen. Ich kann mich gut an den Spieler Sammer erinnern?

In den unteren Spielklassen werden Schiris verprügelt, wenn sie "falsch" pfeifen. In der Elite-Liga medial und von den Spielern, Trainern und Managern nieder gemacht, nach strittigen Szenen.

Ich bin selbst ein sehr emotionaler Spieler gewesen, weiß wovon ich schreibe. Aber ganz ehrlich: Schiri ist ein gnadenloser Job. Und den Mut, Schiedsrichter zu sein und zu werden, sollte man unterstützen, sonst pfeift bald keiner mehr freiwillig ein Bundesligaspiel!

Kölns Niederlage war gut!

Noch was Sportliches: So seltsam das auch klingt, als gebürtiger Kölner hat mich die Niederlage des FC in Bremen fast "gefreut". Für Trainer Christoph Daum! Denn jetzt hat er es leichter, seinen Kurs fortzusetzen.

Rund um den Dom hat man nämlich schon wieder von der Champions League und vom UEFA-Cup geträumt, anstatt auf dem Teppich zu bleiben und hart weiter an der Stabilität zu arbeiten, die man als Aufsteiger braucht. In Köln wächst was, das fühlt man. Spinnerei zerstört solch ein zerbrechliches Gebilde nur.

Die Liga braucht nämlich solche Traditionsmarken wie Köln und Hertha ? wenn sie richtig stark und stabil sind!

Herzlichst

Euer Toni Schumacher

Mitdiskutieren in der Community!

Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel