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Diego erzielte in dieser Saison bislang vier Bundesligatore für den VfL Wolfsburg © getty

Wolfsburgs Diva verärgert den Trainer und auch Boss Hoeneß in Hannover mit seiner Elfer-Eskapade. 96 setzt sich oben fest.

Hannover - Die Meuterei beim VfL Wolfsburg hatte Steve McClaren sichtlich gezeichnet.

Noch eine Stunde nach dem Abpfiff war das Gesicht des Trainers dunkelrot, die Ohren glühten.

Weit mehr als die 0:1 (0:1)-Niederlage im Niedersachsen-Derby bei Hannover 96 ärgerte den Engländer die freche Eigenmächtigkeit der "Diva" Diego.

Gegen die ausdrückliche Anordnung des Coaches legte sich der kapriziöse Brasilianer den Ball in der 80. Minute zum Foulelfmeter zurecht - und hämmerte ihn unkonzentriert an die Querlatte. 346736(DIASHOW: Der 21. Spieltag)

"Patrick Helmes sollte schießen, ich drehe mich um, plötzlich schießt Diego - unglaublich", fauchte McClaren, das letzte Wort rutschte ihm sogar auf Deutsch heraus.

Fehlschütze droht Strafe

"Ich fühle mich überrumpelt, bin wütend und enttäuscht. Gerade weil diese Sache einen sehr großen Einfluss auf das Spielergebnis hatte", erklärte McClaren.

"Wir werden intern beraten, ob es dafür noch eine Strafe gibt."

Diego selbst zeigte sich überrascht: "Für mich war ganz normal, dass ich schießen würde. Es war ja nicht der erste Elfmeter von mir."

"Wie eine Kindergartentruppe"

Auch Dieter Hoeneß war auf der Tribüne das Gerangel bei der Wahl des Elfmeterschützen nicht entgangen.

"Die Spieler haben sich gestritten wie eine Kindergartentruppe", sagte der Wolfsburger Sportdirektor missmutig und legte noch verbal nach:

"Und deshalb verlieren wir ein Spiel, das wir nie verlieren dürfen. Das gibt einem schon zu denken."

McClaren in Gefahr?

Er werde nach der Partie nur wenig Schlaf finden, erklärte Hoeneß bei LIGA total!. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Auch Trainer McClaren muss sich wohl Sorgen machen: "Natürlich werde ich mir Gedanken machen, wie wir aus dieser Situation rauskommen", sagte der VfL-Boss.

Immer brenzliger wird die Lage für den Meister von 2009, der Relegationsplatz 16 ist nur noch einen Punkt entfernt.

Und so müssen die "Wölfe" notgedrungen hoffen, dass sich das teure personelle Nachrüsten im Januar so schnell wie möglich auszahlt.

Helmes, Jan Polak und Dieumerci Mbokani konnten sich bei ihrem Debüt für den VfL noch nicht profilieren, gute Ansätze zeigte zumindest der türkische Nationalmannschafts-Kapitän Tuncay.

Slomka: "Absteigen werden wir nicht mehr"

Ganz ohne neue Spieler hingegen beißen sich die Hannoveraner im oberen Tabellendrittel fest, der Traum von der Europacup-Teilnahme wird immer realistischer.

"Absteigen werden wir nicht mehr", sagte 96-Trainer Mirko Slomka mit einem Augenzwinkern, auch wenn zu den überstrapazierten 40 Punkten noch drei Zähler fehlen.

Sportdirektor Jörg Schmadtke ergänzte: "Über einen internationalen Wettbewewrb diskutieren wir nicht, andere können das gerne machen."

Hannover profitiert von Benaglio-Patzer

Nach zwei Niederlagen ohne eigenen Torerfolg reichte den "Roten" vor 37.213 Zuschauern diesmal ein frühes Tor von Sergio Pinto in der fünften Minute zum ersten Sieg über die Wolfsburger nach sechs Niederlagen in Serie.

Der Portugiese schloss eine im Training einstudierte Variante mit einem Aufsetzer aus 25 Metern ab und profitierte dabei von einer Unaufmerksamkeit des Wolfsburger Torhüters Diego Benaglio.

Der Schweizer Nationaltorwart unterschätzte den Distanzschuss und ließ ihn ins eigene Tor rutschen.

"Das wäre nicht nötig gewesen"

Dass die sportlichen Ansprüche an der Leine mit den Erfolgen der vergangenen Monate gewachsen sind, ließ sich zwischen den Zeilen beim Mannschaftskapitän Steven Cherundolo herauslesen, mit 88 Ballkontakten der präsenteste Akteur aller Feldspieler.

"Wir haben für diesen Sieg ein bisschen Glück gebraucht", merkte der US-Amerikaner bei aller Zufriedenheit selbstkritisch an:

"Das wäre nicht nötig gewesen, wenn wir schnell ein zweites Tor gemacht hätten. Dann hätten wir einen ziemlich ruhigen Nachmittag verbracht."

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