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Thomas Müller erzielte in dieser Siason bislang sechs Bundesligatore © getty

Die wenigen Bayern-Spieler, die sich nach der bösen Blamage in Köln stellen, finden deutliche Worte. Der FC bejubelt seinen Coup.

Aus Köln berichtet Julian Meißner

Köln - Tief vermummt mit Mütze und Kapuze bahnte sich der neue Führende der Torschützenliste seinen Weg durch die Gänge des Kölner Stadions.

Nichts sagen, nichts hören, das war das Motto von Mario Gomez und den meisten anderen Bayern-Profis, nachdem sie sich beim Abstiegskandidaten aus der Domstadt gehörig blamiert hatten.

Mit 2:0 ging der Rekordmeister in die Pause und hatte die Partie scheinbar in der Tasche.

Doch nach dem Wechsel drehte der 1. FC Köln um Doppel-Torschütze Milivoje Novakovic richtig auf und entriss den Bayern mit drei Treffern noch den Sieg. 346736(DIASHOW: Der 21. Spieltag)

"Wenn man die erste Halbzeit so souverän spielt wie wir, ist es unglaublich, dass wir wieder, und zwar schon zum vierten oder fünften Mal, ein Spiel weggeben", echauffierte sich Trainer Louis van Gaal hinterher.

Van Gaal gesteht Fehler ein

"Ich habe wahrscheinlich auch einen Fehler gemacht", gab der Niederländer immerhin zu:

"Ich muss mich selbst zu meiner Halbzeitbesprechung befragen. Vielleicht war ich da zu souverän, vielleicht war das nicht gut."

Die völlig unnötige Niederlage war aus bayrischer Sicht umso bitterer, da Leverkusen in Nürnberg verlor und Spitzenreiter Dortmund am Freitag nur ein Remis gegen Schalke erreicht hatte. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Das fand auch van Gaal: "Wir haben heute eine große Chance vergeben, weil alle unsere Konkurrenten außer Hannover verloren haben."

Bayern selbst schuld

Bei aller Leidenschaft der vom Publikum aufgeputschten Kölner bestand kein Zweifel daran, dass das die Niederlage zu größten Teilen den Bayern zuzuschreiben war.

Zu dominant waren sie gewesen, bevor nach dem Seitenwechsel ein nur schwer erklärbarer Bruch im Spiel erfolgte - wieder einmal.

"Es liegt an uns selbst, nicht am Gegner", polterte van Gaal: "Als wir 2:3 hinten lagen, konnten wir wieder Fußball spielen. Es ist unsere eigene Schuld!"

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Wenige Münchner stellen sich

Einer der wenigen Bayern-Spieler, der sich den Medien stellte, war Hamit Altintop.

Der Türke hatte das 2:0 erzielt, nachdem Gomez mit Saisontreffer 16 die Spitze der Torjäger-Wertung klommen hatte.

"Der Trainer musste uns nicht viel sagen", sagte Altintop zu SPORT1 auf die Frage, wie van Gaal gegenüber der Mannschaft reagiert habe:

"Wir haben selber ganz andere Ansprüche an uns. Das müssen wir auf dem Platz zeigen."

Der bis dahin überzeugende Altintop wurde nach dem Ausgleich durch den genesenen Franck Ribery ersetzt, doch auch der französische Ausnahmekenner konnte dem Spiel keine erneute Wendung geben.

Müller: Machen die Saison kaputt

Die Vorstellung nach dem Seitenwechsel war keinesfalls für höhere Ansprüche geeignet.

Lustlos in den Zweikämpfen und konfus in der Abstimmung ließen sich die Bayern in wenigen Minuten die Spielführung aus den Händen reißen.

Auf einmal hatten die Kölner riesige Räume, die sie zu nutzen wussten.

Klare Worte fand deshalb auch Thomas Müller: "Die Kölner haben Leidenschaft gezeigt, bei uns war das Dummheit. Wir wollen Ziele erreichen, aber so machen wir die ganze Saison kaputt."

Nur noch Platz fünf

Philipp Lahm beklagte eine "bittere Niederlage."

Bayerns Kapitän ergänzte, man dürfe "die Leidenschaft nicht absprechen. Aber dass wir mal wieder die ersten 20 Minuten der zweiten Halbzeit absolut verschlafen haben und so wichtige Punkte hergegeben haben. Wir haben in der Pause noch mal angesprochen, dass wir aggressiv rausgehen und auf die ersten Minuten aufpassen müssen."

Bekanntlich geschah genau das Gegenteil, weshalb die Münchner sich nun als Fünfter in der Tabelle wiederfinden.

Hinter Mainz und Hannover, den SC Freiburg im Nacken, für den erfolgsgewohnten Rekordmeister also jenseits von Gut und Böse.

Köln jubelt: "Genau das haben wir gebraucht"

Auf Seiten der Kölner dagegen war die Erleichterung riesig, sich mit unverhofften drei Punkten etwas Luft im Abstiegskampf verschafft zu haben.

"Genau das haben wir in diesem Moment gebraucht", freute sich Ex-Kapitän Youssef Mohamad im Gespräch mit SPORT1: "Das gibt uns neue Motivation."

Großen Anteil an der Show, die die 50.000 Fans im Stadion verzückte, hatte natürlich Novakovic mit seinen Saisontoren sechs und sieben.

"Das ist eben Nova. Darauf haben wir die ganze Zeit gewartet", meinte Mohamad schmunzelnd.

Podolski mit Reaktion zufrieden

Lukas Podolski erinnerte in der Stunde des Sieges an die schmachvolle Pleite am vergangenen Wochenende in Hamburg: "Nach dem Spiel auf St. Pauli war diese Reaktion notwendig."

Genau das ist es auch, was van Gaal nun von seinen Spielern, die Bayern-Fans von ihrem Team und die Bundesliga vom deutschen Vorzeigeklub erwartet: eine Reaktion.

Aber dieser Automatismus der Vergangenheit ist in diesem Jahr beim Rekordmeister alles andere als selbstverständlich.

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