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Manuel Neuer wird gegen Italien sein 16. Länderspiel bestreiten © getty

Die Gala des Schalke-Keepers verhindert eine Verschlimmerung die Krise - aber heizt auch wieder die Debatte um seine Zukunft an.

Aus Dortmund berichtet Julian Meißner

Dortmund - Auch wenn Manuel Neuer das viele Lob etwas unangenehm war: Am überragenden Akteur des 137. Revier-Derbys gab es keinen Zweifel.

Der Torhüter bewahrte seine Schalker in der Nullnummer bei Spitzenreiter Dortmund fast im Alleingang vor einem Debakel und erntete danach glanzvolle Kritiken (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Bundestrainer Joachim Löw pries seinen Nationalkeeper schon in der Halbzeitpause in den höchsten Tönen:

"Das war ein Spiel Neuer gegen Dortmund." 346736(DIASHOW: Der 21. Spieltag)

Beckenbauer: "Weltklasseleistung"

Und Franz Beckenbauer schwärmte: "Das war eine Weltklasseleistung. Ohne ihn hätten die Schalker in dieser Saison schon 15 bis 20 Tore mehr kassiert."

Trotzdem blieb der gebürtige Gelsenkirchener nach der Partie zurückhaltend.

"Wenn es ein Spiel nach meinem Geschmack gewesen wäre, hätten wir die Chancen gehabt", meinte Neuer in der Nachbetrachtung.

Und weiter: "Nicht ich habe den Punkt gewonnen, sondern die Mannschaft."

Das konnte man allerdings auch anders sehen. Denn im Minutentakt hatte der 24-Jährige beste Torgelegenheiten der anstürmenden Borussen vereitelt, gerade in der Anfangsphase.

"Man weiß gar nicht, wo es noch hingehen soll"

Die unheimliche Paradenserie, wenngleich auch die Dortmunder mit teils mäßigen Abschlüssen ihren Anteil daran hatten, kam für die eigenen Mitspieler jedoch nicht überraschend.

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"Wenn man ihn im Training sieht, kann man sein enormes Potenzial noch besser erkennen", meinte Christoph Metzelder, der in seinen elf Profijahren wahrlich schon einiges gesehen hat:

"Wenn man sagt, dass Torhüter erst mit 30 Jahren so langsam gereift sind, weiß man gar nicht, wo seine Entwicklung noch hingehen soll."

BVB-Verteidiger Mats Hummels sagte sogar: "Manuel ist der beste Torwart der Welt. Das ist gut für Deutschland, aber schlecht für Dortmund.?

Und sein Teamkollege Marcel Schmelzer brachte es auf den Punkt: "Der Torwart hat den Schalkern den Arsch gerettet."

Nur Magath hält sich zurück

Schalkes Trainer Felix Magath ordnete die Leistung in seiner ihm eigenen Gelassenheit wesentlich zurückhaltender ein.

"Den Punkt haben wir natürlich Manuel Neuer zu verdanken. Wir haben eben einen überragenden Torhüter", sagt er. Allerdings gehöre der Torwart nun mal zur Mannschaft und zum Spiel.

[kaltura id="0_4251z4wv" class="full_size" title="T nnies kritisiert Magath"]

Etwas Ruhe für den Trainer

Dabei hatte Neuer mit seiner Gala dafür gesorgt, dass wenigstens etwas Ruhe einkehrt in Gelsenkirchen.

Magath war nach den wirr wirkenden Wintertransfers schwer unter Beschuss geraten aus den Reihen der eigenen Fans.

Ohne Neuers Paraden und einer Niederlage im Derby wäre jede Form von Konsequenz für Magath denkbar gewesen.

Es wirkte da leicht skurril, dass der Matchwinner hinterher in Richtung seines Trainers erklärte: "Den Punkt heute kann er sich auf die Fahne heften."

Die Deutungen von außen sehen zum großen Teil anders aus:

"Wie oft kann Neuer seinen Trainer Magath noch retten?" fragt etwa die "Bild am Sonntag" und erklärt "Super-Neuer" gar zu "Schalkes einziger Hoffnung, die Saison vielleicht doch zu retten".

26 Millionen von United?

Neuers Glanzauftritt facht aber auch wie gewohnt die Diskussion an, ob es nach dieser Saison mit ihm auf Schalke weitergeht.

Gerade auch deshalb, weil die Königsblauen mit einem Neuer-Verkauf das Verpassen der Champions League finanziell abfedern könnte.

Das Dauer-Thema eines Sommer-Wechsels zum FC Bayern kocht routinemäßig wieder hoch. Zusätzlich raunt in England die "Mail on Sunday", dass Manchester United 26 Millionen Euro für Neuer hinlegen würde.

Stellungsspiel, Reflexe, elfter Feldspieler

Verwundern kann das Interesse der Großklubs nicht: Nicht nur mit Stellungsspiel und Reaktionsvermögen auf der Linie, sondern auch als mitspielender Torwart stellte Neuer am Freitag seine ganze Klasse unter Beweis.

Auch in Sachen Strafraumbeherrschung zählt er zu den Besten seines Fachs.

Seit der souveränen Performance bei der WM in Südafrika, in deren Vorfeld er von der Verletzung des Leverkusener Rivalen Rene Adler profitierte, ist Neuer auch die unumstrittene Nummer eins im DFB-Tor.

Und schon am Mittwoch bekommt er die nächste Chance, den Bundestrainer zu beeindrucken.

Die Nationalmannschaft testet gegen Italien.

Der Schauplatz: erneut die Dortmunder Arena.

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