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Der Rasen in der Hamburger imtech-Arena lässt ein Bundesligaspiel nicht zu © getty

Nach der Absage des Derbys zwischen HSV und St. Pauli lassen angebliche Fans der Klubs ihrem Frust auf der Reeperbahn freien Lauf.

Hamburg - Nur die Chaoten konnte der Regen nicht stoppen:

Fliegende Fäuste und fliegende Flaschen sorgten nach der Absage des Stadtderbys zwischen dem Hamburger SV und dem FC St. Pauli für Krawalle im Umfeld der Reeperbahn.

Im HSV-Stadion tropfte und plätscherte es derweil weiter vor sich hin.

Der Zustand des neu verlegten Rasens machte einen Anpfiff des für Sonntagnachmittag angesetzten Duells nicht möglich.

Stanislawski schwer enttäuscht

Bei St. Pauli sorgte die Absage für Kopfschütteln.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: Die News im TV auf SPORT1)

"Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, dass dieses Spiel nach zwei Tagen Regen in Hamburg nicht stattfinden kann", meinte Trainer Holger Stanislawski: "Ich bin total enttäuscht. Wir wollten das Derby trotz unserer Personalsorgen unbedingt spielen und die Punkte mitnehmen."

Hoffmann entschuldigt sich

HSV-Chef Bernd Hoffmann entschuldigte sich laut einem Bericht des "Hamburger Abendblatts" persönlich bei seinem Amtskollegen Stefan Orth.

"Bernd Hoffmann hat mich angerufen und sich entschuldigt, auch für die Ausschreitungen von HSV-Fans in der Nacht", sagte Orth am Sonntag.

Schadensersatzforderungen wolle St. Pauli aber nicht stellen, versicherte Orth. "Es war eine Verkettung unmöglicher Umstände. Den Ausfall zu prüfen liegt nicht in meiner Macht", erklärte Orth.

Über einen Nachholtermin ist noch nicht entschieden, laut Orth komme der 16. Februar in Frage.

"Absolute Regenmenge war zu groß"

HSV-Stadionchef Kurt Krägel war sich keiner Schuld bewusst. "Nach Auskunft der Fachleute hat es nicht an dem neu und fachgerecht verlegten Rasen gelegen. Die absolute Regenmenge war einfach zu groß", meinte er:

"Wir haben auch in der Vergangenheit schon wenige Tage vor einem Spiel einen kompletten Rasen ausgetauscht. Das war für uns keine neue Situation."

Halme wachsen nicht an

Das Verlegen des rund 100.000 Euro teuren Grüns hatte jedoch erst am Freitag begonnen. Greenkeeping-Leiter Hermann Schulz war bereits da offenbar schon ein wenig mulmig zu Mute gewesen.

"Zeitlich wird es für uns sehr, sehr eng werden. Aber wir werden unser Bestes geben und zur Not auch ein paar Extraschichten einlegen, um pünktlich zum Derby am Sonntag fertig zu werden", hatte Schulz gesagt.

Tatsächlich schien die Spielfläche fristgerecht bereit - doch die Regenmassen verhinderten das Anwachsen der Halme. Aufgrund der Wetterprognosen, die sich am Sonntag bestätigten, entschied sich die Stadionkommission um Schiedsrichter Günter Perl am Samstagabend zur Absage.

Viel Arbeit für die Polizei

Nach Angaben von Krägel hätte ein noch kurzfristigerer Ausfall am Spieltag zu einer erhöhten Sicherheitsgefahr geführt. Die Hamburger Innenbehörde hatte das Match ohnehin als Risikospiel eingestuft. Schon Mitte der Woche waren drei Pakete mit unerlaubter Pyrotechnik im Stadion entdeckt worden.

Zu Krawallen kam es in der Nacht zum Sonntag aber ungeachtet des Spielausfalls. Rund 150 HSV-Anhänger hatten versucht, St. Paulis Fan-Kneipe Jolly Roger zu stürmen. Auch bei zwei weiteren Vorfällen war die Polizei gefordert.

Die Lage beruhigte sich erst um 2.40 Uhr. Traurige Bilanz: Eine Festnahme, 45 Personen in Gewahrsam, vier leicht verletzte Polizisten und ein zerstörter Streifenwagen.

"Ich hätte lieber gespielt"

Am Morgen danach ging es hingegen wieder sportlich zu. Beim HSV wurde trainiert. "Ich hätte natürlich lieber gespielt", grummelte Trainer Armin Veh.

St. Paulis Profis hatten nach der Spielabsage einen freien Tag. Die DFL will in der kommenden Woche über die Neuansetzung des Derbys entscheiden.

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