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Steve McClaren wurde vor dem Engagement in Wolfsburg mit Enschede Meister in Holland © imago

Der VfL Wolfsburg reagiert auf die schwachen Leistungen der Mannschaft und setzt den Coach vor die Tür. Littbarski übernimmt.

Von Mathias Frohnapfel und Daniel Becht

München - Sieben Monate hat der erste englische Trainer der Bundesliga-Geschichte durchgehalten.

Seit Montagnachmittag ist das Kapitel Steve McClaren und VfL Wolfsburg beendet.

"Wir haben nach den Vorkommnissen mehrere Besprechungen abgehalten und reiflich überlegt", sagte Manager Dieter Hoeneß gegenüber SPORT1 zu der Entscheidung Cheftrainer zu beurlauben.

So kommt es zum fünften Trainer-Wechsel der laufenden Saison: Assistent Pierre Littbarski übernimmt zumindest bis Saisonende.

"Es ist vielleicht vergleichbar mit letztem Jahr, als wir Lorenz-Günther Köstner als Interimstrainer eingesetzt haben. Wir hoffen natürlich, dass wir uns in den nächsten Wochen von den hinteren Plätzen verabschieden können. Dazu ist aber noch viel Arbeit nötig", erklärte Hoeneß.

Der Glaube ist abhanden gekommen

Und weiter: "Wir waren nicht mehr der Überzeugung, dass wir in Zusammenarbeit mit Steve McClaren die Saison stabil zu Ende bringen können. Wir haben es gemeinsam bis zum letzten Tag versucht, leider ist uns nunmehr der Glaube an den Erfolg abhanden gekommen."

Francisco Javier Garcia Sanz, Vorsitzender des Aufsichtsrats, erklärte: "Wir haben leider keine Alternative mehr gesehen. Natürlich wünschen wir uns alle Kontinuität, vor allem auf der Trainerposition. Daher haben wir sehr lange mit der Entscheidung gewartet."

"Aufsichtsrat und Geschäftsführung waren jetzt jedoch der Auffassung, dass die Mannschaft unter Steve McClaren das Ruder nicht mehr rumreißen kann", sagte Sanz.

"Tabellensituation keinesfalls unterschätzen"

Hoeneß hatte schon nach der 0:1-Niederlage im Derby bei Hannover 96 am Samstag klar gemacht, dass McClaren nicht mehr sicher im Sattel sitzt. "Natürlich werde ich mir Gedanken machen, wie wir aus dieser Situation rauskommen!", ließ Hoeneß seinen Coach via LIGA total! wissen. 346736(DIASHOW: Der 21. Spieltag)

Die Trennung stand nun am Ende dieser Gedanken, wie Hoeneß am Montag ausführte:

"Nach den jüngsten negativen Ergebnissen sowie noch unter dem Eindruck der schlechten Hinrunde können wir unsere Tabellensituation keinesfalls unterschätzen. Bei nur einem Punkt Vorsprung auf den Relegationsrang sind wir alarmiert." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

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Lob für Littbarski

Auch Christoph Daum glaubt, dass der VW-Konzern mit der Entwicklung des VfL nicht zufrieden sein kann.

"Man hat sicherlich andere Ambitionen, diesen Verein international konkurrenzfähig aufzustellen", sagte er gegenüber SPORT1.

Hoeneß hatte zuvor auch die Taktik McClarens kritisiert, was ein klares Zeichen für den Anfang vom Ende war. "Nur lange Bälle auf eine Spitze zu spielen, geht gar nicht", maulte er in Hannover.

Das soll unter Littbarski nun wohl anders werden. "Es geht für uns jetzt allein darum, möglichst bald den Abstand zu den Abstiegsplätzen zu vergrößern", sagte Hoeneß und lobte den aufgerückten Assistenten:

"Wir haben sehr ausführlich mit ihm gesprochen. Er hat uns überzeugt, dass er die in unserer Situation notwendigen Maßnahmen einleiten wird."

Interims- oder Dauerlösung?

Ob der Weltmeister von 1990 dauerhaft das Amt des Cheftrainers übernehmen wird, ist noch unklar.

Wie die "Wolfsburger Nachrichten" berichten, soll Hoeneß bereits vor Rückrundenstart Ralf Rangnick kontaktiert haben.

Der ehemalige Hoffenheimer Coach ist aktuell der herausragende Kandidat auf dem Trainermarkt. Und: Seine ersten Karriereschritte unternahm Rangnick unter Hoeneß als Jugendkoordinator beim VfB Stuttgart.

Jol im Gespräch

Die "Bild" bringt zudem den Ex-Trainer von Ajax Amsterdam, Martin Jol, ins Gespräch.

Auch SPORT1-Kolumnist Huub Stevens, aktuell Trainer von Red Bull Salzburg wurde immer wieder genannt.

"Ich habe einen Vertrag in Salzburg. Diese Saison stehe ich nicht zur Verfügung, so einfach ist das", sagte er aber kürzlich zu SPORT1 zum Thema.

Aus schon 2010 im Gespräch

Schon nach der peinlichen Heimniederlage im Dezember im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen den Zweitligisten Energie Cottbus (1:3) schien der Rauswurf McClarens beschlossene Sache zu sein, stattdessen rüsteten die "Wölfe" noch einmal nach und gaben dem in die Schusslinie geratenen Coach eine letzte Chance.

Aber von den vermeintlichen Verstärkungen konnte sich zumindest in Hannover niemand aufdrängen.

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