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Schon legendär ist Hoeneß' Auftritt während der Jahreshauptversammlung 2007, als er sich mit meckernden Fans anlegt: "Das ist eine populistische Scheiße! Es kann doch nicht sein, dass wir kritisiert werden, die wir uns hier jahrelang den Arsch aufreißen. Was glaubt Ihr, wer Euch finanziert? Die Leute aus den Logen, denen wir das Geld aus der Tasche ziehen." ... "Die Scheißstimmung, für die seid ihr doch zuständig und nicht wir."
Wieder mal angefressen: Bayern-Manager Uli Hoeneß ("Es gibt keine Verrohung der Sitten") © getty

Ein "Runder Tisch" soll das Reizklima in der Liga beenden. Doch Uli Hoeneß hält die Schiedsrichter-Diskussion für überzogen.

Von Christian Paschwitz

München - Uli Hoeneß hatte gerade erst vor einer Woche harmonisch die Jahreshauptversammlung des FC Bayern über die Bühne gebracht - anders als im Vorjahr, als ihm vor den Mitgliedern der Kragen geplatzt war.

Der Manager wirkte geläutert. Doch nun warf Hoeneß die Contenance wieder über Bord beim hochkarätig besetzten "Runden Tisch" zwischen Vertretern der zuletzt vielgescholtenen Schiedsrichter, des Deutschem Fußball-Bundes (DFB), der Deutscher Fußball Liga (DFL) und der Klubs.

Für die am Ende gereizte Stimmung im Haus des Bayerischen Fußballverbands in München, für dei war Hoeneß selbst verantwortlich. Dabei hatte der 56-Jährige zunächst noch milde Töne angestimmt.

Hoeneß sprach von "mehr gegenseitigem Respekt", ungeachtet der Eskalationen in den vergangenen Wochen infolge motzender Trainer, heftig protestierender Spieler sowie Schiedsrichtern, die mit Platzverweisen und Gegenkritik immer öfter zu drastischen Mitteln greifen. (Gemeinsame Front gegen "nervöse Schiris")

Verhältnis verbessert

"Es gab ein bis zwei Vorfälle, die den Eindruck haben entstehen lassen, dass es eine totale Verschlechterung im Verhältnis gegeben hat. Das ist nicht der Fall", meinte Hoeneß. Im Gegenteil: "Dass Verhältnis zwischen Klubs und Schiedsrichtern hat sich in der Vergangenheit wesentlich verbessert."

Das hörte sich zunächst gut an. Doch der Schein trog. Der Bayern-Manager führte das Harmonie-Bedürfnis selbst wieder ad absurdum. Indem er behauptete, die Medien seien für die Aufregung der vergangenen Woche verantwortlich. Und indem er gereizt an seine eigene Zeit als Profifußballer erinnerte.

"Die Ausraster waren früher viel schlimmer. Aber da gab es keine 150 Kameras. Als ich noch gespielt habe, da sind auf dem Platz, in den Kabinen und Gängen Dinge passiert, da würden Sie heute noch alle von träumen, wenn Sie davon berichten dürften", sagte er den Medienvertretern.

"Keine Verrohung der Sitten"

Womit Hoeneß indirekt auch zu verstehen gab, dass er den jetzigen runden Tisch für verzichtbar hält. "Es gibt überhaupt keine Verrohung der Sitten", polterte er. Ebenso wenig hielt Hoeneß davon, die Spieler in Form ihrer Mannschaftskapitäne zu einem solchen Ortstermin zusammenzubringen:

"Die sollen trainieren, Ball stoppen und Kopfballspiel ist wichtiger. Wenn die Vertreter der Vereine hier nicht in der Lage sind, ihren Spielern das beizubringen (respektvollem Umgang mit den Schiedsrichtern, Anm. d.R.), müssen wir sowieso aufhören."

HB-Männchen Vergangenheit?

Womit Hoeneß für die Gegenwart eine heile Welt malte, die so schlichtweg falsch ist.

Einsichtig klang der streitbare Manager immerhin hinsichtlich der eigenen Person: "Ich habe festgestellt, dass man mit HB-Männchen-Positionierung nichts erreicht. Die sachliche Auseinandersetzung ist der richtige Weg." Eine solche in den Vordergrund zu stellen, war schließlich auch das Bestreben der Sitzungsteilnehmer.

"Das Treffen war lange geplant und kein Krisengipfel aus aktuellem Anlass", sagte DFB-Schiedsrichter-Boss Volker Roth nach der 2:15 Stunden dauernden Sitzung, an der auch die Manager Klaus Allofs (Bremen), Heribert Bruchhagen (Frankfurt), Felix Magath (Wolfsburg), Andreas Müller (Schalke) und Rudi Völler (Leverkusen) teilgenommen hatten.

Die aktuellen Vorfälle der vergangenen beiden Spieltagen, die etwa für Trainer Jürgen Klopp (12.000 Euro) sowie Robert Kovac (15.000 Euro, zwei Spiele Sperre) harte Strafen nach sich zogen, beschäftigten die Teilnehmer nur zehn Minuten lang. Vielmehr sei es um Regel-Auslegungen gegangen.

"Härtere Strafen bringen nichts"

DFB-Vizepräsident Rainer Koch ergänzte zwar: "Härtere Strafen bringen nichts." Wichtiger anstelle neuer Verhaltensregeln oder Vorschriften sei es, respektvoll miteinander umzugehen. Dennoch wappnet man sich gegen ähnlich geartete Turbulenzen.

So sollen die Schiedsrichter noch umfassender betreut und geschult werden: In einem "Mentor-Programm" geben erfahrene Referees jüngeren Kollegen fortan Hilfestellungen.

Darüber hinaus wurde ein Internet-Portal für die Unparteiischen installiert: Der Schiedsrichter-Ausschuss des DFB kommentiert dabei die strittigen Spielszenen des Wochenendes für seine Unparteiischen.

Hoeneß verneint Schaden

Auch eine Maßnahme, um die erhitzten Gemüter zu beruhigen und Frieden zu stiften. Hoeneß hingegen sieht durch die jüngsten Eskapaden keineswegs einen Schaden für die Bundesliga: "Wie soll sich der denn darstellen? Indem weniger Zuschauer kommen und weniger Trikots verkauft werden?"

Irgendwie wirkte dieser Runde Tisch am Ende nur wie ein Lippenbekenntnis.

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