Steve McClarens Entlassung kommt nicht überraschend. Der Coach bekommt das Team nie in den Griff. Nun droht sogar der Super-GAU.

Steve McClarens Aus als Trainer des VfL Wolfsburg war spätestens am Samstag abzusehen.

Diegos Fehlschuss vom Elfmeterpunkt, obwohl der Coach eindeutig einen anderen Schützen festgelegt hatte, war letztlich der Anfang vom Ende.

Dass sich der Brasilianer auch nicht von McClarens eindringlicher Intervention von der Seitenlinie umstimmen ließ, sprach Bände über dessen Autorität.

Als Manager Dieter Hoeneß dann nach dem 0:1 gegen Hannover erstmals öffentlich vom Coach abrückte, war der fünfte Trainerwechsel dieser Saison bereits abzusehen.

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Hoeneß hatte genug gesehen, nachdem er bis Samstag vergeblich auf Besserung gehofft hatte.

Statt wieder aufwärts ging es nach der trostlosen vergangenen Saison für den Deutschen Meister von 2009 auch unter dem mit viel Vorschusslorbeeren empfangenen McClaren immer weiter abwärts.

Nach der blamablen Heimpleite im Pokal gegen Zweitligist Cottbus gab Hoeneß dem Engländer noch eine letzte Chance, doch angesichts des Abrutschens in die Abstiegszone war seine Geduld nun am Ende.

Die fortdauernde Negativspirale beim Millionen-Projekt von Geldgeber Volkswagen hat mehrere Gründe.

Die Leistungsträger des Meisterjahres wie Dzeko, Misimovic und Barzagli erklärten öffentlich Monate lang ihr Desinteresse an einer Zukunft in Wolfsburg und wurden schließlich auch abgegeben.

Andere damalige Stützen wie Grafite, Josue oder Benaglio machten zuletzt mit ihren Leistungen den Eindruck, als wollten sie ebenfalls ihren Abgang provozieren.

Und die für viel Geld geholten Neuzugänge wie Kjaer oder vor allem Diego schlugen auch nicht ein, hinzu kam Verletzungspech wie bei Nationalspieler Arne Friedrich.

Auch die hektische Einkaufswut zum Ende des Winter-Transferfensters war mehr Aktionismus als geplant, denn so schnell können gleich sechs Leute gar nicht in ein ohnehin zerstrittenes Team integriert werden.

In der Söldner-Truppe stimmte die Chemie nicht, was Hoeneß mehrfach vergeblich monierte und bei der Elfmeterposse vom Samstag exemplarisch der Öffentlichkeit demonstriert wurde.

Verantwortlich dafür war am Ende McClaren, der die Mannschaft nie in den Griff bekam, weil er nicht willens oder in der Lage war durchzugreifen. Ansonsten hätte er schon vor Monaten mehrere Stars auf die Tribüne verbannen müssen.

Doch der Coach scheute die Konfrontation bis zum bitteren Ende in Hannover, als er dem formschwachen Grafite den Vorzug vor Millionen-Einkauf Patrick Helmes gab.

Der ehemalige englische Nationalcoach, der am Ende wieder an seine damalige unglückliche Zeit als "Trottel mit dem Regenschirm" erinnerte, hinterlässt einen Scherbenhaufen.

Man darf große Zweifel haben, ob Pierre Littbarski, der als Assistent alle Entscheidungen mittrug und davor zuletzt als Trainer in Liechtenstein arbeitete, die dringend benötigte Wende schafft.

Für Wolfsburg geht es nun nur noch darum, den Super-GAU Zweitklassigkeit zu verhindern, um dann in der nächsten Saison endlich wieder das Mittelmaß zu verlassen.

Ansonsten dürften die ohnehin schon reichlich angefressenen VW-Bosse auch Hoeneß, der nach rund 13 Monaten im Amt schon drei Trainer verschlissen hat, den Stuhl vor die Tür stellen.

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