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Pierre Littbarski (r.) spielte in seiner aktiven Zeit unter anderem für Köln und Paris © getty

Nach dem Rauswurf von McClaren soll Littbarski Wolfsburg vor dem Abstieg retten. Im Sommer dürfte ein weiterer Wechsel folgen.

Von Martin Volkmar

München - Die Rückreise in die Heimat hatte Steve McClaren schon vor seiner Entlassung am Montag um 16.36 Uhr angetreten.

Vermutlich hat der Engländer bereits gewusst, dass es keinen Sinn mehr machen würde, in Wolfsburg um weiteres Vertrauen zu werben.

Die Gremien, die den Trainer schon beinahe vor Weihnachten nach der Pokalpleite gegen Cottbus gefeuert hätten, brauchten nach der 0:1-Niederlage in Hannover nicht lange für ihre Entscheidung.

"Wir haben alles genau beleuchtet und es uns reiflich überlegt", erklärte Geschäftsführer Dieter Hoeneß.

"Aber hier geht es um die sportliche Existenz des VfL. Da muss klar sein, dass ich nicht mit Steve McClaren mit wehenden Fahnen untergehe."

Rauswurf am Telefon

Angesichts der anhaltenden Talfahrt nach der Winterpause und nur noch einem Punkt Vorsprung auf die Relegationsränge war schnelles Handeln gefragt (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Deshalb teilte Hoeneß McClaren die Trennung auch direkt am Telefon mit.

"Es war nicht einfach für mich, und normalerweise führe ich solch ein Gespräch lieber persönlich. Aber es ging diesmal nicht anders", sagte Hoeneß.

McClaren selber, der als erster englischer Coach nur sieben Monaten in der Bundesliga arbeitete, gab sich wortkarg. "Ich bin traurig und enttäuscht", lautete sein kurzes Statement.

McClaren "eine falsche Entscheidung"

Hoeneß gestand rückblickend ein, dass die Installierung McClarens "eine falsche Entscheidung war. Dafür übernehme ich die Verantwortung".

(EINWURF: Scherbenhaufen Wolfsburg)

Doch weiter wollte sich der VfL-Boss nicht mit der Vergangenheit aufhalten, zu drängend sind die aktuellen Probleme. Der vom Assistenten zum Cheftrainer aufgestiegene Pierre Littbarski muss nun den Sturz in die Zweitklassigkeit verhindern.

Vereinsinterne Sperre für Diego

Und der 50-Jährige griff gleich hart durch. Spielmacher Diego wurde für die Partie gegen den HSV am Wochenende vereinsintern gesperrt.

"Ich habe ihn wegen des Vorfalls am vergangenen Wochenende für ein Spiel suspendiert. Danach ist alles vergessen. Er kann sich wieder aufdrängen und zeigen, ob er uns helfen kann", sagte Littbarski.

"Er ist mir sicher nicht um den Hals gefallen", beschrieb der Coach Diegos Reaktion nach der Suspendierung: "Aber ich habe auch nicht so darauf geachtet, ob er Verständnis dafür hat. Wir sind nicht der FC Diego." 346736(DIASHOW: Der 21. Spieltag)

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Auch an einer finanziellen Strafe, die Rede ist von 100.000 Euro, kommt Diego nach dem Trainerwechsel nicht herum.

"Das, was da am Samstag passiert ist, ist nicht in Ordnung. Daran ändert sich nichts. Diego wird auf jeden Fall zahlen müssen", sagte Hoeneß.

Rangnick will erst im Sommer kommen

Eine Dauerlösung dürfte der Weltmeister von 1990, der zuletzt alleinverantwortlich den FC Vaduz in Liechtenstein betreute, allerdings nicht sein. Vielmehr gilt Hoffenheims Ex-Coach Ralf Rangnick als Topfavorit.

Der 52-Jährige, mit dem schon mehrere Gespräche stattgefunden haben, will aber erst zur neuen Saison einsteigen.

Rangnick soll großes Interesse an dem Posten in Wolfsburg haben, weil er seinen Vorstellungen weitgehend entspricht.

Noch gibt es keine Einigung

Er hätte freie Hand, eine neue Mannschaft aufzubauen und könnte dabei mit ausreichender finanzieller Unterstützung von Geldgeber Volkswagen rechnen, der wie Rangnick ganz nach oben will.

An diesen ambitionierten Zielen war ja Anfang Januar die Zusammenarbeit in Hoffenheim gescheitert.

Hoeneß selber, der den damaligen Jugendkoordinator aus der gemeinsamen Zeit beim VfB Stuttgart Anfang der Neunziger Jahre kennt, will keine Namen kommentieren. Er dementierte aber in der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung", dass es bereits eine Einigung mit Rangnick ab Juli gibt.

Hochkarätige Alternativen

Als Alternativen gelten Lucien Favre, Huub Stevens und Christoph Daum, mit denen Hoeneß bereits bei Hertha BSC und in Stuttgart zusammenarbeitete. Zudem wird Ex-HSV-Coach Martin Jol als weiterer Kandidat gehandelt.

Dagegen hat Littbarski allenfalls Außenseiterchancen, wenn er die Millionen-Truppe schnell wieder auf die Erfolgsspur zurückführt.

"Wir haben im Gespräch mit Littbarski gemerkt haben, dass er weiß, wo man jetzt ansetzen muss", erklärte Hoeneß.

"Er muss die Mannschaft in die Pflicht nehmen, sie in die richtige Richtung bringen. Ich bin überzeugt davon, dass es erfolgversprechend ist."

Littbarskis erster Job als Bundesliga-Coach

Für den 50-Jährigen, dessen neuer Co-Trainer sein früherer Assistent Robert Jaspert wird, ist es der erste Cheftrainerjob in der Bundesliga (225462DIASHOW: Littbarskis Karriere)

Am Dienstag leitete er zum ersten Mal als Chefcoach das VfL-Training, das nach einer 30-minütigen Kabinenansprache im Beisein von Hoeneß begann.

Zuvor war Littbarski unter anderem bei Bayer Leverkusen im Trainerstab von Berti Vogts (2001) tätig, ehe er Chefcoach vom Zweitligisten MSV Duisburg (2001 bis 2002) wurde.

Alleinverantwortlich arbeitete "Litti" zudem in Japan (Yokohama FC, Avispa Fukuoka), Iran (Saipa Teheran), Australien (FC Sydney) und eben in Liechtenstein. Dabei gewann der langjährige Kölner Bundesligaprofi zweimal mit Yokohama (1999 und 2000) sowie 2006 mit Sydney die Landesmeisterschaft.

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