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Holger Stanislawski führte den FC St. Pauli in der vergangenen Saison zum Aufstieg © getty

Der Verein wehrt sich gegen die Vorwürfe der Verwicklung in den Wettskandal. Drei Profis haben bei der Polizei ausgesagt.

München - Flucht nach vorne beim FC St. Pauli.

Der angeblich in den Wettskandal verwickelte Aufsteiger ist gezielt in die Offensive gegangen und hat bestätigt, dass drei Spieler seines aktuellen Kaders von der Bochumer Staatsanwaltschaft als Zeugen befragt worden sind.

Nach Angaben des Vereins handelt es sich dabei um Mittelfeldspieler Florian Bruns sowie die beiden Verteidiger Carsten Rothenbach und Ralph Gunesch.

In einer emotionalen Erklärung machte Trainer Holger Stanislawski aber zugleich deutlich, dass man absolut davon überzeugt sei, dass das Trio nichts mit illegalen Wettgeschäften zu tun habe (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Ich verbürge mich für diese Spieler, habe hundertprozentiges Vertrauen zu ihnen und werde sie bedingunglos schützen. Für jeden von ihnen würde ich meine Hand ins Feuer legen", sagte der 41-Jährige.

Der Chefcoach reagierte damit auf einen Bericht des ARD-Magazins "Fakt", demzufolge einer der Hauptverdächtigen bei seiner Vernehmung Namen von ehemaligen, aber auch aktuellen "Kiez-Kickern" genannt haben soll.

Für Stanislawski eine Ungeheuerlichkeit: "Es wird Zeit, diesen Leuten den Kampf anzusagen. Da wird einem geldgeilen Kriminellen aus irgendeinem Kellerloch Gehör geschenkt."

Profis sind Zeugen, keine Angeklagten

Vize-Präsident Gernot Stenger verwies zwar darauf, dass die Staatsanwaltschaft jedem Hinweis nachgehen müsse, stellte aber klar: "Unsere Spieler sind keine Beklagten und schon gar keine Angeklagten. Sie haben bei einer Zeugenbefragung ausgesagt, um der Sache zu dienen."

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Außerdem erklärte der Jurist, der Klub stehe "in regelmäßigem Kontakt zur Staatsanwaltschaft. Dass wir jetzt die Namen veröffentlichen, ist mit den drei Spielern abgesprochen."

Den Stein ins Rollen gebracht hatte Ex-Profi Rene Schnitzler, der Anfang November vergangenen Jahres in einem Gespräch mit dem Magazin "stern" zugab, von einem Wettpaten insgesamt mehr als 100.000 Euro Bestechungsgeld angenommen zu haben.

Hain wartet auf Entschuldigung

Dafür habe der Stürmer 2008 fünf Spiele des FC St. Pauli manipulieren sollen.

Bei dem von Schnitzler namentlich genannten Torhüter Mathias Hain hatten sich die Beschuldigungen als haltlos herausgestellt.

Auf einen von seinem ehemaligen Mitspieler angekündigten Entschuldigungsbrief wartet der Reservekeeper der Hamburgerallerdings bis heute vergeblich.

"Man kann in Menschen nicht hineinschauen"

"Bei uns ist nichts angekommen", sagte Sportchef Helmut Schulte.

Stanislawski machte deutlich, dass er sich für Schnitzler, der sich mittlerweile als spielsüchtig geoutet hat, schon vor dem Bekanntwerden des Wettskandals nicht so weit aus dem Fenster gelehnt hätte.

"Nicht für jeden Spieler, der einmal bei uns Fußball gespielt hat, hätte ich die Hand ins Feuer gelegt. Wir sehen uns jeden Profi, den wir verpflichten wollen, genau an, aber man kann in einen Menschen nicht hundertprozentig hineinschauen."

Der Beginn des Prozesses vor dem Landgericht Bochum gegen insgesamt sechs Angeklagte soll am 21. März stattfinden. Die Anklageschrift wurde am 29. Dezember vergangenen Jahres fertiggestellt und umfasst 287 Seiten.

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