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Aus dem Gleichgewicht geraten: Werder Bremens Clemens Fritz © getty

Wegen der Krise hat das Team einen Mentalcoach engagiert. Trainer Schaaf und Manager Allofs begrüßen die Initiative.

Von Maik Rosner

München - Vielleicht hat es ja schon etwas gebracht.

Beim 1:1 in Mainz am vergangenen Samstag erzielte Claudio Pizarro den Ausgleich in der Nachspielzeit. Grenzenloser Jubel bei Werder Bremen darüber, dass eine erneute Niederlage im Abstiegskampf abgewendet werden konnte (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Und vor allem: Gemeinsamer Jubel, nahezu die gesamte Mannschaft bildete eine Traube um den Torschützen.

Vielleicht hatte das ja etwas mit der neuesten Maßnahme gegen die Krise zu tun.

Die Mannschaft hatte auf eigene Initiative einen Mentalcoach engagiert. Ohne das Wissen des Trainers Thomas Schaaf.

Zwei Tage vor dem Spiel in Mainz setzte sich die Mannschaft erstmals mit dem Mentalcoach zusammen.

Die umgedrehte Pyramide

Und der veranschaulichte laut "Sport Bild" das Bremer Problem mit einer umgedrehten Pyramide: Die Hierarchie ist durcheinander geraten. Schaaf stehe als Pyramidenspitze ganz unten, das eigentliche Fundament Mannschaft laste auf ihm.

Doch ein einzelner sei nicht in der Lage, das Gefüge zu halten, wurde der Mannschaft erklärt. Die Pyramide müsse wieder umgedreht werden, der Trainer oben stehen.

Die Ursache der Krise also laut Mentalcoach: Werder steht Kopf.

"Sehe das nicht als Kritik"

Eigentlich hätten Schaaf und Sportdirektor Klaus Allofs die eigenmächtige Aktion der Spieler als Affront werten können, als schädigend für das Ansehen des Trainers und weitere Unterwanderung seiner Autorität.

Doch beide bezeichneten die Aktion als positives Zeichen. "Ich sehe das nicht als Kritik an. Ich begrüße es sogar, wenn Spieler Eigeninitiative zeigen", sagte Allofs.

Umgang neu lernen

Angespannt ist die Lage bei Werder dennoch, denn das Verhältnis zwischen Trainer und Spielern hat in der Misere gelitten. Nur ein Punkt trennt den Verein der einstigen Europapokalwunder von Relegationsrang 16 und damit der Abstiegsgefahr.

Wegen der Talfahrt sollen zuletzt tiefe Gräben im Binnenverhältnis zwischen Mannschaft und Schaaf aufgetreten sein.

Einige Spieler beschwerten sich über den Umgang Schaafs mit ihnen. Er begrüße sie noch nicht einmal, hieß es. Nach der ersten anderthalbstündigen Sitzung mit dem Mentalcoach gingen auf dessen Vorschlag einige Profis zu Schaaf und gaben ihm von sich aus die Hand.

Naldo fehlt noch lange

Das klingt alles sehr nach Familientherapie, zu der künftig auch Naldo wieder seinen Beitrag leisten will. Doch nun droht der Brasilianer noch länger auszufallen.

Am Sonntag kehrte der Innenverteidiger von einer umstrittenen Knie-OP aus seinem Heimatland zurück, seit Montag befindet er sich in der Reha bei Werder.

Weil jedoch laut Naldo der Knieknochen angebohrt wurde, um den Blutabfluss zu erleichtern, droht der 28-Jährige mit einem Knorpelschaden als Folge des Eingriffs nun mindestens sechs weitere Monate auszufallen.

Möglicherweise auch neun, mit einem Einsatz in diesem Jahr ist jedenfalls frühestens im Herbst zu rechnen.

Experten rieten ab

Naldo selbst bezeichnete die OP, von der ihm Experten wie Bayern Münchens Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt abgeraten hatten, dennoch als Erfolg.

"Mir geht es gut. Die OP ist erfolgreich verlaufen. Darüber sind alle glücklich. Es läuft von Tag zu Tag besser", sagte er. Ans Karriereende habe er ohnehin nie gedacht. Doch seine anvisierte Rückkehr bis zum Sommer dürfte unmöglich sein.

Mentaltraining mit Schaaf

So muss Naldo darauf hoffen, dass Werder die Wende ohne ihn gelingt und der Abstieg verhindert wird.

Die nächste Schritt aus der Krise soll am Sonntag folgen, wenn Hannover 96 ins Weserstadion kommt.

Vorher ist es wieder eine Sitzung mit dem Mentalcoach geplant. Diesmal soll daran auch Trainer Schaaf teilnehmen.

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