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Ruud van Nistelrooy (l.) war dreimal Torschützenkönig der Champions League © getty

Die Probleme beim HSV bleiben: Der Torjäger teilt erneut aus. Veh weiß vor lauter Baustellen nicht, wo ihm der Kopf steht.

Von Andreas Berten

München/Hamburg - Wenn Fußball-Profis davon sprechen, sie würden sich neu orientieren, um noch mal eine neue Herausforderung zu suchen, bedeutet dies für ihren aktuellen Verein in der Regel nichts gutes

Es ist Branchensprache für: Ich will hier weg - und zwar schnellstmöglich.

Mittzwanziger sind da vielleicht eine Ausnahme, wenn sie große Erfolge andernorts wiederholen wollen. Ruud van Nistelrooy fällt nicht in diese Kategorie.

"Ich muss noch in 13 Meisterschaftsspielen für den HSV antreten", sagte der Stürmer, 34 Jahre alt und notgedrungen bis zum Saisonende Profi beim Hamburger SV, nun dem niederländischen TV-Sender "RTL", "das ist dann genug gewesen."

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: Die News im TV auf SPORT1)

Veh: Das hilft uns überhaupt nicht

"Genug gewesen?!" HSV-Trainer Armin Veh klingeln da die Ohren.

"Wenn er das so gesagt hat - und ich glaube, die niederländischen Journalisten saugen sich so etwas nicht aus den Fingern -, dann hilft uns das nicht", reagierte Veh verärgert und schob entsetzt nach: "Sogar überhaupt nicht."

Dabei ist Veh seinem bislang besten Torschützen am Sonntag sogar noch entgegen gekommen: Der 50-Jährige erlaubte van Nistelrooy vor dem Länderspiel gegen Österreich einen Kurzbesuch bei der Familie, während die übrigen HSV-Kicker trainierten. (DATENCENTER: Die Torjäger)

Muss "Van the Man" nun pausieren?

13 Spiele? Wenn "Van the Man" sich da nicht mal verrechnet hat. Zwar will Veh erst noch mit seinem Star, der vier Millionen Euro im Jahr einstreichen soll, sprechen.

Eine Suspendierung, wie sie Wolfsburgs neuer Coach Pierre Littbarski Diego für die kommende Partie am Samstag gegen den HSV (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) verordnete, scheint aber sehr wahrscheinlich.

[kaltura id="0_jvdbp9nu" class="full_size" title="Vehs Rückkehr nach Wolfsburg"]

Van Nistelrooys Verdruss ist nicht einzig und allein auf das Theater um die geplante, aber geplatzte Rückkehr zu Real Madrid zurückzuführen. Gegenüber "Bild" räumte der Niederländer immerhin ein: "Ich habe das verarbeitet, fühle mich mittlerweile wieder wohl."

Seit fast 28 Jahren ohne Titel

Aber hinter dem erneuten Zwist steckt mehr.

In keiner anderen deutschen Bundesliga-Metropole klafft eine derart große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit wie in der Hansestadt. Der HSV ist ein Traditionsverein mit großem Hunger nach Erfolg, Hamburg eine Weltstadt, noch dazu wirtschaftlich potent.

Alleine, die Zahlen passen nicht zu dieser Denkweise: Die letzte Meisterschaft liegt im Sommer 28 Jahre zurück.

Zwar verpassten die Spieler mit der Raute auf der Brust in der vergangenen Saison nur knapp das Endspiel der Europa League. Doch pausenlose Trainerwechsel und eine Fluktuation der Spieler lassen kaum Kontinuität erkennen.

Veh: "Das ist einmalig"

Und auch für die nächste Spielzeit ist das europäische Geschäft in Gefahr. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Hier muss man sich als Trainer mit so vielen Themen beschäftigen", klagt deshalb auch Armin Veh, "das ist schon einmalig."

Van Nistelrooy hat schon zuvor den Finger in die Wunde gelegt: "Beim HSV herrscht große Unsicherheit. Acht Verträge laufen aus, sechs weitere im nächsten Jahr. Neun Profis sind an andere Klubs verliehen. Man weiß nicht, wie die Zukunft aussieht."

21 Baustellen

Er selbst hat mit diesem Kapitel bereits abgeschlossen: Seitdem er seinen Abschied verkündet hat, nimmt van Nistelrooy mal abgesehen vom Trainings- und Spielbetrieb keine medialen oder repräsentativen Termine mehr für den HSV wahr.

Was Armin Veh noch halbwegs gelassen nimmt. "Wenn Ruud unser einziges Problem wäre, könnte ich darüber lächeln", sagt der HSV-Trainer. "Aber ist es nicht. Wir hatten hier 20, jetzt haben wir die 21. Baustelle."

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