vergrößernverkleinern
Seit Januar 2010 beim VfL Wolfsburg: Geschäftsführer Dieter Hoeneß © getty

Wolfsburgs Manager steht nach seinem zweiten Trainerwechsel unter Beobachtung. Weitere Fehlgriffe dürften ihm angelastet werden.

Von Maik Rosner und Daniel Becht

München - Es vergingen keine zwei Stunden, und schon gab es den nächsten kleinen Aufruhr im Wolfsrudel.

Der neue Trainer Pierre Littbarski hatte gerade erst mehr Disziplin von der Mannschaft des VfL Wolfsburg gefordert, da flippte Grafite hinter seinem Rücken aus.

"Alles eine Katastrophe hier", schimpfte der Angreifer des abstiegsbedrohten Bundesligisten und trat einen Stapel Hütchen um.

Der Grund: Er fühlte sich nicht ausreichend informiert über die Behandlung seiner jüngsten Trainingsverletzung.

Gemessen an Diegos entscheidendem Elfmeterklau bei der 0:1-Niederlage in Hannover am vergangenen Spieltag ein kleiner Fehltritt 346736(DIASHOW: Der 21. Spieltag).

Meister im Sinkflug

Doch augenscheinlich ist auch: Das Wolfsrudel kommt nach Steve McClarens Entlassung nicht zur Ruhe.

Für Geschäftsführer Dieter Hoeneß eine besorgniserregende Entwicklung. Denn in Wolfsburg mehren sich die Stimmen jener, die in seiner Personal- und Trainerpolitik eine Ursache für die aktuelle Krise sehen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

2009 wurde Wolfsburg unter Felix Magath noch sensationell Deutscher Meister. Mittlerweile befindet sich der Werksklub in der Tabelle nur noch einen Punkt von Relegationsrang 16 entfernt und schwebt damit in akuter Abstiegsgefahr.

Drei Trainer in 13 Monaten

McClaren, der zu Saisonbeginn verpflichtete Wunschtrainer des Geschäftsführers, musste deshalb am Montag gehen (EINWURF: Scherbenhaufen Wolfsburg).

Bis zum Saisonende soll nun sein bisheriger Assistent Littbarski das Worst-Case-Szenario des Abstiegs abwenden. Der dritte Trainer nach Armin Veh und McClaren in der erst 13-monatigen Amtszeit von Hoeneß (225462DIASHOW: Littbarskis Karriere).

[kaltura id="0_izspqwvs" class="full_size" title="Littbarski bernehmen Sie "]

Beim Volkswagen-Konzern beäugt man die Entwicklung vom Meister zum Abstiegskandidaten mit großer Sorge. Kritik an Hoeneß' Wunschcoach McClaren war schon weit vor der jüngsten Beurlaubung laut geworden.

Und Hoeneß räumte nun ein: "Im Nachhinein muss man sagen, dass es eine falsche Entscheidung war. Das ist ja klar, wenn man den Trainer entlassen muss. Ich übernehme dafür die Verantwortung."

Man sei zu diesem Schritt gezwungen gewesen, denn es gehe "um die sportliche Existenz des VfL. Da muss klar sein, dass ich nicht mit Steve McClaren mit wehenden Fahnen untergehe", sagte er weiter.

Parallelen zu Hertha BSC

Doch Hoeneß weiß auch, dass er nun gehörig unter Druck steht. In diversen Foren machen die Fans ihrem Unmut über den Absturz des Vereins unter Hoeneß Luft. Und auch im Klub und Konzern wird sein Wirken hinterfragt.

Ein wenig erinnert das an Hertha BSC Berlin, wo Hoeneß frühzeitig und im Unfrieden ausstieg. Sein Führungsstil war beim Hauptstadtklub ebenfalls kritisiert worden.

Nun wird sich Erfolg einstellen müssen beim VfL, und die Entscheidungen des Geschäftsführers müssen greifen.

Kandidat Rangnick

Das gilt besonders für die Trainerposition. Der zuletzt in Hoffenheim geschasste Ralf Rangnick gilt als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge Littbarskis. Allerdings erst im Sommer. "Feuerwehrmann" Hans Meyer könnte sofort kommen, sollte Littbarski Schwierigkeiten haben. Zudem kursieren die Namen Martin Jol, Huub Stevens und Lucien Favre.

Zunächst hat "Litti" einen Co-Trainer an die Seite bekommen - den ehemaligen Ex-Bundesligaprofi Jolly Sverisson. Er erhält einen Kontrakt bis Saisonende.

Im Sommer soll zudem der Umbau der Mannschaft fortgesetzt werden, nachdem in der Transferphase des Winters sechs neue Profis verpflichtet wurden. Das hat Hoeneß bereits angekündigt.

FC Diego oder VfL Hoeneß

Doch was passiert, wenn die aktuelle Misere anhält und Littbarski die Mannschaft nicht in den Griff bekommt? Trotz Maßnahmen wie der Suspendierung von Diego für das kommende Spiel gegen den Hamburger SV am Samstag.

Und was, wenn die weitere Personalpolitik des Geschäftsführers in punkto Trainer und Spieler nicht greift?

"Wir sind nicht der FC Diego", hat Littbarski zur Suspendierung des Brasilianers angemerkt. Beim VfL Hoeneß verlagert sich der Druck nun vor allem auf den Leitwolf.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel