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Nationalspieler Marko Marin (l.) wechselte 2009 von Gladbach zu Werder Bremen © imago

In Bremen liegen die Nerven blank: Marin geht auf Neuzugang Samuel los, Kapitän Frings gerät wegen eines Maulwurfs in Rage.

Von Thorsten Mesch

München - Bei Werder Bremen liegen die Nerven blank.

Erst das das Treffen der Werder-Profis mit einem Mentalcoach am vergangenen Donnerstag, das durch einen Maulwurf an die Öffenlichkeit getragen wurde.

Nun ein weiterer Eklat: Diesmal im Training des Tabellen-13. der Bundesliga. Marko Marin ist auf Neuzugang Samuel losgegangen.

Nachdem der Brasilianer Marins Vernehmen nach seinen Ellbogen unfair eingesetzt hatte, schubste der Nationalspieler seinen Teamkollegen und drückte ihn mit beiden Händen gegen die Brust.

"Der soll Deutsch reden!"

Trainer Thomas Schaaf unterbrach sofort das Trainingsspiel und versuchte, Marin zu beruhigen.

Dann schaltete sich auch noch Said Husejinovic ein - allerdings auf Serbisch. Das passte Schaaf überhaupt nicht: "Was reden wir?", brüllte der Trainer.

Daraufhin erwiderte Marin: "Der redet Serbisch! Er soll Deutsch reden!"

Samuel gibt sich kleinlaut

Nach dem Training spielte Marin die Szene gegenüber der "Bild" herunter: "Das passiert halt im Training. Ich habe ihm doch nichts gebrochen."

Und Samuel behauptete, er habe gar nicht gemerkt, dass er Marin mit dem Ellbogen getroffen habe: "Ich will mich nicht mit Marko streiten."

Der Disput passt ins Bremer Bild - aktuell geht es drunter und drüber: Wie auch im Fall des von den Spielern selbstständig engagierten Mentalcoaches.

Frings schimpft auf Maulwurf

Die Profis hatten sich zur totalen Verschwiegenheit verpflichtet. Doch einer plauderte das Geheimnis aus.

Die Aktion der Spieler, die ohne das Wissen von Trainer Thomas Schaaf und Sportchef Klaus Allofs im Bremer Parkhotel stattfand, geriet an die Öffentlichkeit.

"Wir haben so einen Spinner, der nicht dichthalten kann. Das ist unser Problem", ärgerte sich Kapitän Torsten Frings.

Auch Sportchef Allofs zeigte sich alles andere als begeistert. "Diese Indiskretion war ein krasses Fehlverhalten. Aber das kennen wir ja schon", erklärte Allofs.

Schon vor einigen Wochen waren nach Krisensitzungen Interna an die Öffentlichkeit gelangt.

Allofs begrüßt Eigeninitiative

Nach Bekanntwerden des Treffens mit dem Mentaltrainer hatte Allofs die Idee der Spieler gutgeheißen und keineswegs als Affront gegen die Sportliche Führung verstanden.

"Ich sehe das nicht als Kritik an. Ich begrüße es sogar, wenn Spieler Eigeninitiative zeigen", hatte der Sportchef erklärt.

Beim nächsten Treffen ist auch die Anwesenheit von Schaaf geplant - wenn es überhaupt noch eins geben wird.

"Das bringt jetzt nichts mehr"

Für Frings ist nämlich das ursprüngliche Ziel, als Mannschaft enger zusammenzurücken und sich nach außen als verschworene Gemeinschaft zu zeigen, bereits verfehlt.

"Das bringt doch jetzt nichts mehr, wo alle Welt Bescheid weiß", sieht der Werder-Kapitän keinen Sinn in einer weiteren Zusammenarbeit mit dem nicht genannten, aber laut "Sport Bild" namhaften Persönlichkeits-, Kommunikations- und Kopftrainer.

Allofs: "Werde nicht zum Detektiv"

Bleibt die Frage, wo die undichte Stelle im Team ist.

Er werde "deshalb aber nicht zum Detektiv", betonte Allofs und ergänzte: "Früher oder später kommt das sowieso raus."

Vielleicht kann bei der Suche nach dem "Maulwurf" ja ein Gärtner helfen. Oder Werders Platzwart.

Am Sonntag kommt Hannover 96 ins Weserstadion. Ein Sieg im Nordduell wäre für Werder, das nach 21 Spieltagen die schlechteste Bilanz seit der Abstiegssaison 1979/80 aufweist, ein wichtiger Schritt im Kampf um den Klassenerhalt.

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