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Hoffenheim holte in der Rückrunde sieben Punkte aus vier Spielen © getty

1899 blickt nach Rangnicks Abgang wieder nach oben. Manager Tanner erläutert vorBayern-Spiel bei SPORT1 das Erfolgsgeheimnis.

Von Matthias Becker

München - Schlagzeilen haben sie genug gemacht.

Bei der TSG 1899 Hoffenheim sind nach der turbulentesten Winterpause der Vereinsgeschichte vorerst alle Schlachten geschlagen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Wer 1899-Manager Ernst Tanner fragt, ob er froh sei, dass das Sportliche wieder im Vordergrund stehe, bekommt als Antwort nur ein kurzes Auflachen.

Na klar, heißt das.

Radikaler Schnitt im Gefüge

Der Wechsel von Luiz Gustavo zum FC Bayern, der folgende Abgang von Ralf Rangnick, das beispiellose Transfertheater des Demba Ba und die Hängepartie um die Verpflichtung von Ryan Babel:

Die Hoffenheimer produzierten binnen vier Wochen so viele boulevardträchtige Themen, als wollten sie die Eröffnung einer "Bild"-Lokalausgabe Sinsheim vorantreiben.

Doch der Staub hat sich gelegt. Zum Vorschein kommt vor dem Auftritt beim FC Bayern (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) die TSG 2011 ? und die steht für den deutlichsten Schnitt im Hoffenheimer Gefüge seit dem Durchmarsch in die Bundesliga.

Hopp will Unabhängigkeit

"Wir sind in einer Konsolidierungsphase", beschreibt es Ernst Tanner im Gespräch mit SPORT1. Das ist freundlich untertrieben.

Mit dem Abgang von Rangnick verließ nach Ex-Manager Jan Schindelmeiser die zweite prägende Gestalt des Hoffenheimer Fußballmärchens die Bühne.

Zudem machte Mäzen Dietmar Hopp klar, dass der Geldfluss von ihm zum Verein nicht ewig hält. Spätestens 2018 soll sein "Baby" (finanziell) unabhängig sein.

Ausbildung statt Europacup-Träume

Für Tanner hat das Auswirkungen. Man sei eben auch ein Ausbildungsverein, erklärte er im Dezember. Europacup-Träume, wie sie Rangnick hegte, stehen für ihn nicht im Vordergrund:

"Im Moment liegt nichts näher, als mit den Möglichkeiten die wir haben ? perfekte Infrastruktur und gute personelle Ausstattung ? die Ausbildung von Spielern in den Vordergrund zu stellen."

Das kann Tanner, zeichnete er als Nachwuchschef des TSV 1860 München doch jahrelang für die Ausbildung großer Talente wie Sven und Lars Bender, Timo Gebhart und auch schon Benjamin Lauth verantwortlich.

"Wir sind der 'Dorfverein'"

Von der Gleichung, dass der Fokus auf die Ausbildung mit ausbleibendem Erfolg bestraft wird, hält Tanner nichts.

"Es ist eine schöne Aufgabe, da entgegenzusteuern und zu beweisen, dass man bis zu einem gewissen Grad auch Erfolg haben kann", erklärt er. Man müsse sich auf die eigenen Stärken besinnen:

"Wir sind nach wie vor der 'Dorfverein', aber das ist ja nichts Schlechtes. Ganz im Gegenteil, es ist eine spannende Geschichte."

Rückkehr zu den Wurzeln

Spielerisch soll es zurück zu den Ursprüngen gehen. "Wir sind vor der Saison mit dem Ziel gestartet, wieder den Fußball zu spielen, der unserer Philosophie entspricht", sagt Tanner.

Der ist jenem sehr änhlich, mit dem Borussia Dortmund und Mainz 05 die Bundesliga aufmischen. Aggressive Vorwärtsverteidigung ist das Gebot.

Mit Neuzugängen wie Sebastian Rudy oder den von Tanner bei 1860 mit ausgebildeten Peniel Mlapa und Kevin Volland setzen die Kraichgauer wieder vermehrt auf junge deutsche Talente. Dass es ohne Ausnahmen wie Babel aber nicht geht, verhehlt der Manager keineswegs.

Kein konkretes Saisonziel

Fast unbemerkt ist 1899 so schon auf Platz sieben der Tabelle vorgerückt und spielt unter dem neuen Trainer Marco Pezzaiuoli mit sieben Punkten aus vier Spielen die beste Bundesliga-Rückrunde seiner kurzen Geschichte.

Das Pochen auf das Saisonziel Klassenerhalt, wie es Pezzaiuoli macht, ist da natürlich albern

"Wenn am Ende ein einstelliger Tabellenplatz herauskommt, dann können wir sehr zufrieden sein. Wenn wir noch mehr erreichen - umso besser", gibt Tanner vor.

"Wir gehen als Underdog in die Partie"

Den Schlagabtausch mit den Bayern - wie ihn beispielsweise Rangnick mit Uli Hoeneß gerne mal einging - lässt er trotz "Löwen"-Vergangenheit aus.

"Wir haben Selbstvertrauen und wissen, dass wir gut Fußball spielen können", sagt Tanner. Es gebe keinen Grund, in München unterwürfig aufzutreten und sich der Niederlage zu fügen.

Aber: "Warum sollten wir nach München fahren und die großen verbalen Keulen rausholen?"

Die Schlagzeilen sollen doch bitteschön wieder die anderen machen...

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